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Programmübersicht
21.10. bis 25.10.2012
Das Böse
"Das Böse ist," so Nietzsche, "des Menschen beste Kraft". Es ist untrennbar mit der Freiheit verbunden. Der Mensch entscheidet über das, was gut und böse ist. Es ist aber auch vieldeutig, mehrschichtig - und damit irgendwie faszinierend.
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Was wir wollen, Teil 1
Die Suche nach Glück: Liebe, Lust und Wahrheit
Nichts ist so individuell wie unsere sinnlichen Erfahrungen - und trotzdem suchen wir nach allgemeingültigen Regeln.
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SehnSucht
Jede Sehnsucht ist eine Suche.
Wo Leere ist, herrscht Sehnsucht. Wer Mangel empfindet, sehnt sich nach Erfüllung. Das weiß auch der Bergsteiger, der beim Abstieg ins Tal schon an den nächsten Gipfel denkt.
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Lupe
Autor und Liebesskeptiker Sven Hillenkamp
    "Freiheit ist keine Eigenschaft, die Menschen sind, ob
    sie wollen oder nicht, der Freiheit ausgesetzt. In der
    Freiheit sind die Zwänge unsichtbar."
Sendedaten
Rückschau: Philosophische Themenwoche
vom 6. bis 11. November 2010
Aktuell: "Unser Ich" vom 7. - 11. Dezember
Sendung zum Thema
Liebe, Lust und Wahrheit
Was wir wollen - Teil 1
Aktuell: "unserIch" vom 07. - 11. Dezember
Sven Hillenkamp...
Video ... über sich und die unendlichen Möglichkeiten
Video ... über den Zwang der Freiheit
Video ... über das Individuum und die Freiheitsfalle
Video ... über das Scheitern der Liebe
Video ... über Fantasie, Pornografie und die Last des Wissens
Video ... über Lüge und Wahrheit in der Liebe
Video ... über Begehrern und Sehnsucht




Sven Hillenkamp über das neue Unglück:
"Das neue Unglück besteht zum einen darin, dass man eigentlich nichts mehr erreichen kann weil alles Erreichte im Verhältnis zu dieser wahrgenommen Unendlichkeit ein Nichts ist. Das trifft auf Wirtschaftsleben zu. Ein Unternehmer kann nicht sagen, ich habe alles erreicht, ich habe alles gut gemacht und das trifft genauso auf die Liebe zu. Auf eigentlich alle Lebensbereiche im Verhältnis zu der Unendlichkeit, die vor uns steht, ist immer alles nichts. Und das bedeutet natürlich, dass man in einem unendlichen Hamsterrad läuft und nicht mehr wirklich etwas erreichen kann.

Es bedeutet, dass immerzu diese Sehnsucht da ist, weil diese Unendlichkeit ist ja im Gegensatz zu früher keine Illusion mehr. Im Gegensatz zum alten Bildungsroman, wo der Held dann ernüchtert wird durch die Realität, und schließlich Beamter wird in einer Kleinstadt, dort heiratet, Kinder kriegt und seinen Künstlertraum aufgibt.

Heute ist das keinen Illusion mehr, es kann tatsächlich immer weiter gehen nur keiner weiß es für sich selber. Und dadurch kann man natürlich gemessen an dem Möglichen, angesichts seiner Wirklichkeit, die hinter diesen Fantasien zurückbleibt, sehr unglücklich werden. Ich bin ein schwacher Mensch, sonst wäre ich schon ganz wo anders mit meiner Existenz. Und dieses Niemals etwas erreichen können, diese schmerzhafte Sehnsucht und diese Scham, das zusammen denke ich ergibt dieses neue Unglück.“

Sven Hillenkamp über das Suchen
"Also ich glaube, dass der Mensch ein Suchender ist, das kennzeichnet unsere Zeit ganz besonders, das unterscheidet sie ganz besonders von anderen Zeiten.

Zwar war der Mensch hat immer schon suchend, meist aus Mangel wie bei der Nahrungssuche, aber jetzt kommt eben zu dieser Suche aus Mangel die Suche aus Überfluss dazu und das ist eine ganz andere Art der Suche - eine neue Qualität. Der Mensch wird konfrontiert mit der für ihn unermesslichen Zahl, einem Überfluss an möglicher Religionen, möglicher Berufe, Lebensorte, Wohnungen, möglicher Ausbildung, möglicher Partner, Lebensformen, moralischer Konstrukte. Er ist also permanent ein Suchender, der zu dem dann spezielle Suchwerkzeuge entwickelt.

Suchwerkzeuge wie Ratgeberbücher, massenmediale Ratgeberfunktionen und Selektionsangebote, es gibt die Suchmaschinen des Internet. Der Mensch ist so nicht nur permanent auf der Suche sondern er bewertet sich selbst auch nicht zuletzt als Suchender. Bin ich gut darin, das richtige für mich zu finden, oder bin ich eigentlich ein Versager und die anderen finden immerzu alles. Ich weiß nicht wo ich suchen soll, ich weiß nicht wie ich suchen soll, ich habe diese Eigenschaften nicht. Die Suche und das Wählen sind zu ganz beherrschenden Sein-Modi für uns geworden."

Sven Hillenkamp über Grenzen
"Man könnte es so formulieren, Es ist ähnlich wie beim Essen. Hier findet der Mensch eine physische Begrenztheit, eine innere Grenze, ist er mehr als das Sättigungsgefühl zulässt, wird ihm wahrscheinlich schlecht oder zu mindest unwohl. Das wäre eine innere Grenze. Eine solche innere Grenze hat der Mensch aber nicht in Bezug auf persönliche Entwicklung. Erfolg, Ruhm, Sexualität, Liebe, Selbstverwirklichung.

All diese Dinge sind unbegrenzt, der Mensch kann dort erreichen was er will, er wird nie in dieser Form satt, es wird ihm nie in dieser Form schlecht, er hat nie zu viel Glück, nie zu viel Selbstverwirklichung, zu viel Erfolg. Deshalb muss die Grenze von außen kommen. Das widerspricht aber unseren unbegrenzten Vorstellungsvermögen. Eine innere Grenze dieser Art würde bedeuten, der Mensch nicht mal den Gedanken denken kann, dass er weiter kommen könnte. Sobald er weiß, ich kann mich trennen, ich kann weiter suchen – sobald dieses einfache Wissen in der Welt ist, entgrenzt sich alles und dann gibt es weder ein inneres noch ein äußeres Halten."


Buchtipp: Das Ende der Liebe
© Klett Cotta Verlag Lupe
Sven Hillenkamp, geboren 1971, Kindheit in Bonn, Paris und Genf, Studium der Politik, Soziologie und Geschichte, der Philosophie und Islamwissenschaft in Bonn und Berlin. War Redakteur bei der "Zeit" und lebt jetzt als freier Autor in Berlin und Stockholm.

Sven Hillenkamp erzählt von den Möglichkeiten der Liebe, des Sex, der Partnerwahl, der Ausbildung, der beruflichen und seelischen Selbstentwicklung, der Körpermanipulation, des Erfolgs, der Berühmtheit. Er erzählt von einer Welt, in der die Menschen sich permanent sehnen müssen, weil sie meinen, dass sie immer noch etwas Besseres erreichen könnten. Dies ist kein Sachbuch, denn es bleibt nicht sachlich. Es ist ein Buch, das maßlos übertreibt - über eine Wirklichkeit, die maßlos übertreibt. Es ist das expressionistische Gemälde einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, die keine Grenzen mehr kennt, in der unendliche Freiheit umkippt in Zwang, unbegrenzte Möglichkeiten in die große Unmöglichkeit der Liebe. Am Ende steht, so der überraschende Befund, die Rückkehr zur Vernunftehe.

Sven Hillenkamp:"Dieses Buch handelt vom Unmöglichwerden einer Liebe in einer Welt unbegrenzter Möglichkeiten und es handelt natürlich dann auch von der Welt an sich, von einer Welt, in der die Menschen nicht mehr in der Lage sind, das Ende ihrer Möglichkeiten abzusehen und in der sie darum immer eine permanente Sehnsucht empfinden. Eine Sehnsucht über alles was sie erreichen können hinaus, zugleich eine permanente Scham, weil sie glauben, das sei ihr eigenes Versagen, dass sie die Unendlichkeit der Möglichkeiten nicht erreichen und immer zu dahinter zurück bleiben und dieses neue Unglück, das dadurch entsteht, dass der Mensch einer Unendlichkeit oder einer solchen Freiheit ausgesetzt wird, das wird vor allem erzählt am Gegenstand der Liebe, weil man ja in allen Bereichen mit dem Vorläufigen leben kann auch wenn man unglücklich ist, man kann sagen, ich mache diese Arbeit nur vorläufig, ich bin zwar sehr unglücklich, aber ich werde irgendwann in paar Jahren dann das tun, was ich schon immer machen wollte, ich lebe an diesem Ort nur vorläufig und werden dann irgendwann endlich da leben wo ich schon immer leben wollte.

Nur in der Liebe ist das unmöglich. Man kann nicht Liebe empfinden und sagen, ich werde den eigentlichen aber in ein paar Jahren erst treffen. So dass an diesem Punkt die Wahrnehmung von Freiheit und unbegrenzter Möglichkeiten und Liebe aufeinander prallen.“


Sven Hillenkamp
Das Ende der Liebe.
Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit"
Klett-Cotta 2009