Alexandra Kröber
Alexandra Kröber moderiert nicht nur im Studio, sie ist auch immer mal für "wie jetzt" unterwegs.
Alexandra Kröber moderiert nicht nur im Studio, sie ist auch immer mal für "wie jetzt" unterwegs.
Alexandra Kröber - eine Germanistin bei nano
Unsere "Neue": nano-Moderatorin seit 2016
Fügung? Zufall! Allemal ein Glücksfall. Und auch eine Prise Doris Day: Qué será, será. Davon kann auch die Wissenschaft so einige Lieder singen: nicht gesucht, und doch gefunden.
Ein wertvolles Fundstück meiner Kindheit: eine Postkarte. Darauf ein Mann mit wirrem Haar und raus gestreckter Zunge. Ich fand den mächtig putzig, noch schöner aber seinen Satz: "Phantasie ist wichtiger als Wissen." Denn schon vor der Begegnung mit Herrn Einstein hatte ich phantastische Kleinmädchenträume. Von der Manege, mit Hut und Stock und darauf rotierenden Tellern (der erste Versuch unter Realbedingungen bereitete meiner Karriere ein jähes Ende). Von der Bühne, als Primballerina (meine russische Lehrerin empfand mich jedoch - völlig zu Unrecht - als viel zu ungelenkig). Von einem eigenen Bechstein-Piano (einmal den Knecht Ruprecht durchgedonnert, auf ewig verausgabt).

Nun, manchmal eröffnet Scheitern eine Chance. Ich nutzte meine und ging für ein paar Jahre auf Entdeckungsreise. Mal mit John H. Speke zum Victoriasee, auf der Suche nach den Quellen des Nil; mal mit Huckleberry Finn, den Mississippi rauf und runter.

In der Oberstufe dann ein anderer Ausflug: für neun Monate nach Texas. Howdy! Statt Tatort gab es Fernsehprediger mit dicken Siegelringen, zum Frühstück Cheeseburger statt Schwarzbrot. Und Interesse: Zeig mal Deutschland, hier auf der Amerika-Karte. Statt Zeigestock zückte ich Stift und Papier und mauserte mich zur "Deutschlandexpertin" mit eigener Kolumne in der High-School-Zeitung.

Wieder zu Hause schrieb ich weiter. Für die Lokalseite einer Mecklenburger Regionalzeitung. Über die längste Mohrrübe des Jahres. Über faule Eier, die beim letzten Schultag flogen. Über den Rentner-Ruderverein.

Mit dem Abitur in der Tasche war‘s dann Zeit für eine andere Gewichtsklasse. In der mit harten Bandagen gekämpft wird. Ich ging zum Studium nach Berlin. Germanistik, Sozialpädagogik, Kunstgeschichte.

Dort habe ich nicht in den Sack gehauen, sondern mich durchgeboxt – bis zum summa cum laude. Und das, obwohl ich in meiner Magisterarbeit wenig löbliche Worte für die femme fatale, das Männerhirngespinst um 1900, gefunden hatte. Phantasie kennt eben keine Grenzen. Und femme fatale taugt nicht als Beruf. Glücklicherweise kamen andere abenteuerliche Angebote: Als Reporterin hier und da, fürs Fernsehen. Ob im Neopren auf dem Grund der Ostsee, im Sicherheitsanzug durch enge Felsschluchten, barfuß auf der Alm bei glücklichen Kühen oder hoch oben in der Luft am Gleitschirm hängend.

Manchmal hebe ich mit dem Drehteam der nano-Rubrik "wie jetzt" ab. Zum Beispiel, um in die Zukunft der künstlichen Intelligenz zu reisen. Oder in die geheimnisvolle Welt der Quantenmystik. Aber auch auf dem Boden der Tatsachen gibt es viel zu entdecken: zum Beispiel, dass sich im Seelachs alles Mögliche, bloß kein Lachs befindet, und im Kirschtee viel enthalten ist, jedoch keine einzige Kirsche. Wir decken auf und gehen lieber auf die Nerven als irgendjemandem auf den Leim.

Mit Entdeckerfreude versammelt die nano-Redaktion Wissen. Auf den Schirm bringt sie es mit Phantasie. Und so konnte sie sich eben auch das vorstellen: Eine Germanistin. Bei nano.