Rover © reuters
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Der chinesische Rover sucht nach Wasser unter der Mondoberfläche.
Jetzt ist die andere Seite dran
Chinas Mond-Mission nutzt auch Technik aus Deutschland
Ein historischer Raumfahrterfolg: Am 3. Januar landete zum ersten Mal eine Sonde auf der Rückseite des Mondes.
Die chinesische Mission brachte einen Rover auf den Mond. Dieser hat ein Strahlenmessgerät der Uni Kiel mit an Bord. Es kann gefährliche Neutronenstrahlung messen und zudem Wasservorkommen im Boden des Mondes aufspüren.

5 Fragen an Prof. Robert F. Wimmer-Schweingruber von der Uni Kiel
nano: China hat es geschafft, auf der Rückseite des Mondes zu landen. Ist das wirklich so eine große Leistung?

Wimmer-Schweingruber: Man muss ganz klar sagen: Das ist eine technologische Meisterleistung. Da braucht es hinter dem Mond einen Relais-Satelliten, der vor einem halben Jahr gestartet wurde, das ist Teil der Mission. Dann muss man berücksichtigen, dass die Signale von der Erde zum Mond , zum Relais-Satelliten und zurück die etwa zwei Sekunden brauchen. Das ist eine erhebliche Zeitverzögerung. Man kann also nicht mit dem Joystick auf dem Mond landen, das muss alles vorausgerechnet werden. Es braucht autonome Intelligenz im Lander drin, um die Sonde sicher zu landen.

Prof. Robert F. Wimmer-Schweingruber
Prof. Robert F. Wimmer-Schweingruber
Warum wurde denn genau diese Landestelle auf der Rückseite ausgewählt?

Das ist eine der wenigen Stellen auf der Rückseite des Mondes, wo es wirklich schön flach ist. Es ist da relativ einfach zu landen. Auf der Vorderseite des Mondes ist alles viel, viel flacher, da gibt es wenige Unebenheiten, die Rückseite ist viel zerklüfteter. Da eine gute Landestelle zu finden ist schwierig, und für die allererste Landung sucht man sich natürlich ein ebenes Terrain.

Sie haben ja ein Strahlungsmessgerät an Bord des Landers gebracht. Was war daran herausfordernd?

Die größte Herausforderung war wirklich die Zeit. Die Mission war unglaublich hektisch, unglaublich schnell. Wir mussten dazu schauen, dass wir alle Bauteile rechzeitig herkriegen. Einige haben sehr lange Lieferzeiten, das war nicht einfach. Wir mussten gewisse Designs anpassen, weil natürlich nicht alles nach China exportiert werden darf.

Was ist das Neue an Ihrem Messgerät?

Das Alleinstellungsmerkmal des Gerätes ist es, dass es die geladene wie auch die neutrale Strahlung messen kann. Zudem kann es auch noch sogenannte thermische Neutronen messen, die es uns erlauben, Wasser unterirdisch festzustellen. Neutronen sind etwa gleich groß und gleich schwer wie Protonen, das ist der wesentliche Punkt beim Detektieren von Wasser. Wenn ein Neutron auf ein Proton trifft, dann kann es das Proton aus dem Wasser herausschleudern und wird dabei abgebremst. Und diese langsamen Neutronen können wir mit unserem Gerät neu detektieren. Das konnte man bisher nicht, das ist eine neue Technologie.

Warum ist die Rückseite des Mondes interessant für die Raumfahrt?

Für Astronauten wäre es interessant, auf die Rückseite zu fliegen, weil sie da Steine aufsammeln könnten, die man noch nie auf der Erde gehabt hat. Auf der Vorderseite hat man diese Steine mit den Apollo Missionen zurückgebracht. Wissenschaftlich interessant könnte die Rückseite für die Radioastronomie sein: Auf der Vorderseite hat man alle Störungen von der Erde, aber auf der Rückseite ist man abgeschirmt und kann dann auch sehr schwache Radiosignale messen. Deshalb wäre die Rückseite auch für eine wissenschaftliche Mondmission spannend.

Glossar
Der Mond
Der Mond umkreist unseren Planeten in etwas mehr als 27 Tagen in einer mittleren Entfernung von 384.000 Kilometern. In der gleichen Zeit dreht er sich um seine eigene Achse. Er ist der nächste Nachbar der Erde.
Eis auf der Oberfläche
Der definitive Beweis
Der Nachweis von gefrorenem Wasser auf dem Mond könnte Menschen in der Zukunft dort das Überleben sichern.