Mars-Rover "Curiosity" © reuters
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Ein Selfie des Mars-Rovers "Curiosity", der nun organische Materie gefunden hat.
Organische Materie auf dem Mars entdeckt
Im ehemaligen Kratersee vermuten Wissenschaftler Hinweise auf Leben
Der Mars-Rover "Curiosity" hat den Forschern gleich zwei Entdeckungen geliefert, die neue Fragen nach Leben auf dem roten Planeten aufwerfen.
Jahrelang haben Wissenschaftler nach organischer Materie auf dem Mars gesucht. Jetzt hat der Mars-Rover "Curiosity" Materie aus einer 3,5 Milliarden Jahre alten Sedimentprobe analysiert - das Ergebnis: In diesem uralten Gestein, das "Curiosity" dem "Gale"-Krater entnommen hat, befinden sich tatsächlich organische Moleküle. Der Krater entstand damals durch einen Einschlag und war einst mit einem riesigen See gefüllt - daher vermuten Forscher schon länger, dass es hier mikrobielles Leben gegeben haben könnte.

Die Fundproben wurden im Chemielabor im Inneren des Rovers auf bis zu 820 Grad Celsius erhitzt: Aus dem Gestein lösten sich daraufhin unter anderem thiophenische, aliphatische und aromatische Verbindungen. Das berichten die Forscher im Fachjournal "Science". Dieser Fund erinnere mit seinem Reichtum organischer Verbindungen an irdisches Gestein, schreiben die Astrobiologen.

Die Frage, ob es auf dem roten Planeten Leben gab oder gibt, ist aber damit noch nicht geklärt. Denn dass sich die organischen Moleküle durch den Einfluss von Mikroorganismen entwickelt haben, ist nur eine Möglichkeit. Sie könnten genauso gut aus dem Weltall stammen und per Niederschlag auf den Mars gekommen sein. Alternativ können sie auch abiotisch auf der Mars-Oberfläche entstanden sein, also in chemischen Reaktionen ohne die Beteiligung von Lebewesen - zum Beispiel durch vulkanische Aktivität.

Die Methan-Konzentration auf dem Mars schwankt je nach Jahreszeit
Noch mehr Fragen wirft eine zweite Entdeckung von "Curiosity" auf: Die Auswertung seiner Daten der fünf letzten Jahre zeigt deutliche Schwankungen des Methangehalts in der Atmosphäre des Planeten. Vom Mars-Frühling zum Mars-Sommer steigt die Konzentration von Methan jährlich auf das 2,5-Fache und fällt dann wieder stark ab. Diese Amplitude zeigt, dass es auch auf dem heutigen Mars noch unbekannte Prozesse in der Atmosphäre, auf der Oberfläche, oder in den Gesteinsschichten unterhalb der Oberfläche gibt.

Gibt es auf dem so lebensfeindlichen Planeten methanproduzierende Bakterien, die saisonal aktiv sind? Oder haben die Schwankungen mit geologischen Prozessen zu tun, wie dem Abbau organischer Verbindungen durch die intensive Sonneneinstrahlung? Die Wissenschaftler stehen vor einem großen Rätsel und erwarten mit Spannung neue Messergebnisse vom roten Planeten. Seit kurzem sondiert zum Beispiel der ExoMars-Spurengasorbiter TGO der Esa die Zusammensetzung der Mars-Atmosphäre. Und Ende des Jahres soll der Nasa-Lander "InSight" auf dem Mars landen und den Untergrund seismisch analysieren.

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"InSight"-Mission
In den Mars hineinschauen
Die Mars-Forschung bekommt weitere Unterstützung: Der Nasa-Lander "InSight" hat sich auf den Weg zu dem Planeten gemacht. Ende November soll er landen - und dann ganz tief in den Mars hinein schauen.
Glossar
Mars
Der Mars hat die menschliche Fantasie stets beflügelt. Wegen der starken Helligkeitsunterschiede, die an aufflackerndes Feuer erinnern, und seiner roten Farbe benannten die Römer ihn nach ihrem Kriegsgott.