Columbus-Modell © dpa
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In Bremen steht eine originalgetreue Kopie des Labors.
Zehn Jahre Columbus
Europäisches ISS-Modul ist ein Labor für vielfältige Experimente
Das europäische Weltraumlabor Columbus feiert sein zehnjähriges Jubiläum im All. Bislang seien bereits etwa 220 Experimente in dem Modul der Internationalen Weltraumstation ISS begonnen worden, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen mit.
Das DLR leitete die Entwicklung des Labors und steuert den Betrieb von einem Kontrollzentrum in der bayerischen Gemeinde bei München. Das Labor war am 7. Februar 2008 an Bord eines Spaceshuttles zur ISS gestartet. Seit seiner Inbetriebnahme habe es "einzigartige Erkenntnisse" in so verschiedenen Disziplinen wie Astrophysik, Materialforschung und Psychologie ermöglicht, erklärte das DLR.

Das Labor gehört der europäischen Weltraumagentur ESA, wird aber auch für Experimente anderer Weltraumbehörden und privater Partner genutzt. Das Columbus-Kontrollzentrum koordiniert den Betrieb gemeinsam mit Kommandozentralen der US-Weltraumbehörde NASA und den Astronauten, die sich gerade auf der ISS aufhalten.

Nach Angaben des DLR wird auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst im Juni während seines neuerlichen Aufenthalts auf der ISS wieder in dem Columbus-Labor arbeiten. Er wird in der Schwerelosigkeit materialphysikalische Tests durchführen.

Experimente unter Extrembedingungen - von Medizin bis Geologie

Etwa 220 Experimente gab es in der bisher zehnjährigen Geschichte von Columbus. Einige Beispiele:

Medizin: Im Weltraumlabor werden Prozesse am Menschen untersucht. Weltraumbedingungen wie Schwerelosigkeit oder erhöhte Strahlung lassen Haut, Muskeln oder Knochen der Astronauten anscheinend schneller altern. Die Forscher erhoffen sich Erkenntnisse für die alternde Gesellschaft auf der Erde. Im Experiment "Cartilage" wurde beispielsweise Gelenkknorpel betrachtet.

Pflanzen: Auf der Erde orientieren sie sich an der Schwerkraft: Ein Pflanzenspross wächst dem Licht zu, Wurzeln in Richtung Erdmittelpunkt. Im All, wo es kein Oben oder Unten und auch keine Hindernisse wie im Erdreich gibt, funktioniert das nicht. Das Experiment "Waico" machte deutlich, dass Wurzeln in der Schwerelosigkeit häufiger "Kringel" machen. Daraus wurde geschlossen, dass sie sich normalerweise wie ein Bohrer ins Erdreich schrauben und die Pflanze so stabilisieren.

Leben im All: Mehrere Experimente unter dem Titel "Expose" erforschen Entstehung und Ausbreitung des Lebens. Wie widerstandsfähig sind Mikroorganismen wie Bakterien oder Sporen von Pilzen gegen Weltraumbedingungen wie Vakuum, Temperaturschwankungen oder kosmische Strahlung? Wissenschaftler erhoffen sich Aufschlüsse über ihre Überlebensfähigkeit - und ob Leben auf anderen Himmelskörpern entstanden und dann zur Erde transportiert worden sein könnte.

Erdinneres: Unter dem Namen "Geoflow" wurden Strömungen und Temperaturen des flüssigen Erdkerns untersucht. Da eine Anordnung auf der Erde stets von der natürlichen Schwerkraft gestört wäre, wurde für Columbus eine "Mini-Erde" in Schuhkartongröße nachgebaut. So konnten etwa Magma-Strömungen oder atmosphärische Bewegungen nachgestellt werden.

Glossar
ISS - Die Erde im All
Die Internationale Weltraumstation (ISS) ist laut US-Raumfahrtbehörde Nasa "das komplexeste wissenschaftliche und technische Unternehmen aller Zeiten".