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Alexander Gerst © dpa Video
Die Erlebnisse des Astronauten Alexander Gerst fesselten Millionen
Hohe Ehren für Alexander Gerst
Gauck würdigt internationale Zusammenarbeit
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat den Raumfahrer Alexander Gerst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Gerst erhielt den Orden am 13. Januar 2015 im Berliner Schloss Bellevue. Er hatte von Mai bis November 2014 auf der Internationalen Raumstation (ISS) gearbeitet. Gauck würdigte bei einer kurzen Ansprache die Zusammenarbeit zwischen Europäern, Amerikanern und Russen in der Raumfahrt.

Gerst reitet auf einer Sympathiewelle
Alexander Gerst zeichne aus, dass er sich gut "in Gruppen integriert und die Gruppe gleichzeitig nach vorne bringt", sagt Weltraumpsychologe Viktor Oubaid. Bisher waren Raumfahrer oft Kampfflieger oder Ingenieure, weil ihnen Technik naheliegt. Gerst hat in Karlsruhe Geophysik studiert und forschte an der Universität Hamburg. "Wenn das mit der Bewerbung als Astronaut nicht geklappt hätte, wäre ich wohl nach Alaska gezogen, um Vulkane zu erkunden", sagt er. Für seine Doktorarbeit über den antarktischen Vulkan Mount Erebus harrte er sechs Wochen lang bei minus 45 Grad Celsius aus. "Dort habe ich erstmals erlebt, was Einsamkeit wirklich bedeutet", erinnert er sich.

Gerst sieht seine Ausbildung als Vorteil. "Jeder in der ISS-Crew besitzt andere Qualitäten, meistens überlappen sie sich, aber insgesamt ergänzen sie sich ziemlich perfekt." Nach Zivildienst und Studium sowie Lehr- und Wanderjahren in der Vulkanologie hatte er mit einem Sommerstipendium des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erste Schritte Richtung ISS-Mission unternommen.

Früher schickte die Raumfahrt nur Familienväter ins All, weil diese angeblich verantwortlicher entscheiden - zu Hause wartet ja jemand. Gerst ist kinderlos und unverheiratet, leichtsinnig ist er nicht. "Jeder Mensch kennt Angst unter bestimmten Bedingungen. Es ist daher wichtig, Respekt vor möglichen Notfallsituationen zu haben und gut vorbereitet zu sein", so Gerst.

Der Wissenschaftler ist überzeugt vom Sinn und Zweck der bemannten Raumfahrt - und will auch andere davon überzeugen. "Der Blick von außen verdeutlicht die Verletzlichkeit der Erde", sagt der leidenschaftliche Fotograf. "Letztendlich ist unser Planet nur eine Kugel aus Stein, ein kleiner blauer Punkt im All - mit uns als Passagiere. Insofern sind wir alle eigentlich Astronauten."

Gerst war fast sechs Monate lang auf der ISS
© reuters Video
Alexander Gerst landete sicher in der Steppe von Kasachstan
Gerst war am 10. November 2014 in einer Raumkapsel von der Internationalen Raumstation (ISS) zurückgekehrt. Dort hatte er fast ein halbes Jahr verbracht. Am 7. Oktober hatte der Esa-Astronaut als dritter Deutscher einen Außeneinsatz an der Raumstation absolviert.

Gerst war der elfte deutsche Astronaut im All und erst der zweite nach Thomas Reiter, der einen Langzeitaufenthalt auf der ISS absolviert hat. Während seines fast sechsmonatigen Aufenthalts auf dem fliegenden Forschungslabor war Gerst an hundert wissenschaftlichen Experimenten beteiligt. Dabei stellten der Deutsche und seine Raumfahrerkollegen mit 80 Stunden wissenschaftlicher Arbeit in einer Woche einen neuen Rekord bei der wissenschaftlichen Arbeitszeit von ISS-Astronauten auf.

Gerst nahm nach DLR-Angaben auf der ISS Experimente in zahlreichen Wissenschaftsbereichen vor, darunter Materialwissenschaften, Strahlenbiologie, Astrophysik und Robotik. Als eine seiner letzten Tätigkeiten auf der Raumstation aktivierte Gerst einen neuartigen Schmelzofen, den Elektromagnetischen Levitator (EML). Einen weiteren Einsatz im Weltraum schließt er nicht aus.

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VideoWeltraummeisterschaft
Auch in der Schwerelosigkeit wird gekickt: Die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) hat pünktlich zur WM das Fußballfieber gepackt. (Beitrag vom 12. Juni 2014)
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VideoDas dicke Fell der Weltraum-Seifenblasen
Seifenblasen leben im All deutlich länger als auf der Erde - und ein Nadelstich macht ihnen in der Schwerelosigkeit nichts aus. (Beitrag 10. Juli 2014)
Interview
VideoSo richtig obenauf
"Ich bin wahrscheinlich der erste Geophysiker, der sein Untersuchungsobjekt mal als Ganzes sieht", sagt der deutsche Astronaut Alexander Gerst.
Glossar
ISS - Die Erde im All
Die Internationale Weltraumstation (ISS) ist laut US-Raumfahrtbehörde Nasa "das komplexeste wissenschaftliche und technische Unternehmen aller Zeiten".
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