Kahlschlag im Regenwald © dpa
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Die abgeholzten Flachen summieren sich auf 7900 Quadratkilometer - in einem Jahr.
Ist er noch zu retten?
Trauriger Abholzungs-Rekord in Brasilien
Die Abholzungen im Amazonas erreichen das größte Ausmaß seit zehn Jahren - und Brasiliens zukünftiger Präsident setzt auf weitere Ausbeutung des Regenwaldes. Protest kommt jetzt aber auch aus einem dafür ungewöhnlichen Lager.
Der Amazonas-Regenwald ist der größte Kohlenstoff-Speicher der Welt. Die Abholzung des Waldes ist ein enormer Faktor im Klimawandel. Die zwischen Juli 2017 und Juli 2018 gerodete Fläche war um 13,7 Prozent größer als im Vorjahr. Innerhalb eines Jahres wurden 7900 Quadratkilometer im Amazonas-Gebiet abgeholzt, eine Fläche größer als die einer Million Fußballfelder.

Rodung für die Viehhaltung
Der weit überwiegende Teil des Amazonas-Regenwaldes gehört zu Brasilien. Die gerodeten Flächen dienen in erster Linie der Viehhaltung, aber auch der Holz- und Bergbauindustrie. Umweltminister Edson Duarte machte "gestiegene organisierte Kriminalität" für die illegalen Abholzungen verantwortlich. Brasilien müsse den Kampf gegen Umweltverstöße ausweiten und die nachhaltige Entwicklung des Waldes schützen. Tatsächlich scheint nun allerdings das Gegenteil zu passieren. Vom zukünftigen Präsidenten Brasiliens, dem rechten Hardliner Jair Bolsonaro dürfen auch die illegalen Holzfäller Rückenwind erwarten. Er hat bereits angekündigt, weitere Straßen durch den Regenwald zu bauen und die Umweltbehörde Ibama abzuschaffen, die für die Umsetzung von Umweltauflagen in Brasilien zuständig ist. insbesondere für die Bergbauindustrie will Bolsonaro das Amazonasgebiet weiter öffnen - kostbare Mineralvorkommen liegen unter dem Regenwald.

Selbst Schutzgebiete für Indigene nicht mehr sicher
Obwohl der Schutz großer Gebiete des Regenwaldes - auch als Rückzugsort für die letzten verbliebenen indigenen Völker - in Brasilien sogar Verfassungsrang genießt, finden auch dort immer wieder illegale Holzeinschläge oder Landnahmen statt. Das ist die Folge einer bereits lange andauernden Schwächung der entsprechenden Behörden. Bergbau- und Landwirtschaftslobbyisten versuchen seit Jahren, den Schutzstatus von Reservaten parlamentarisch auszuhöhlen. Bolsonaro kündigte darüber hinaus nun an, das Umweltministerium in das Agrarministerium zu integrieren - eine Kontrollfunktion des Umweltministeriums gegenüber der starken Agrarlobby in Brasilien wäre damit zumindest erschwert.

Protest gegen die Rodungen sogar aus der Landwirtschaft
Wissenschaftler, Umweltschützer und Politiker laufen Sturm gegen diese Pläne. Aber mit dem Regenwald geht nicht nur der weltgrößte Kohlenstoffspeicher und ein extrem artenreicher Naturschatz verloren. Kritik an Bolsonaros Plänen kommt jetzt sogar aus der Landwirtschaft selbst: Ein Zusammenlegen dieser beiden Ministerien wird nicht für sinnvoll erachtet. Außerdem zeigen Studien, dass der Verlust des Regenwaldes auch das regionale Klima in Brasilien derart gefährdet, dass Landwirte Ernteausfälle befürchten. Das Nationale Institut für Raumforschung in Brasilien, das die Rodungen seit Jahren mithilfe von Satellitenbildern auch dokumentiert, geht aktuell davon aus, dass sich die Abholzungen bald verdreifachen.

Glossar
Tropischer Regenwald
Jährlich gehen weltweit 4,9 Millionen Hektar tropischer Regenwald verloren - das entspricht etwa der Fläche Niedersachsens.
nano-Thema
Wert der Vielfalt
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