Tote Schafe © dpa
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Selten haben Wolfsangriffe ein so großes Ausmaß wie jetzt in der Lausitz.
Schwere Wolfsattacke
Gerissene Schafe sorgen für Diskussionen über Wölfe
Wölfe haben nahe der ostsächsischen Ortschaft Förstgen eine Schafherde angegriffen und mehrere Dutzend Tiere getötet.
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Axel Gomille im Gespräch
Die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz, zu der die Herde aus Moorschnucken gehörte, bezifferte die Verluste am Dienstag auf rund 40 Tiere. Darunter seien auch sechs Burenziegen.

Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks hatten Anwohner am Morgen auf der Straße zwischen Förstgen und Tauer herumirrende Schafe gesehen und die Naturschützer informiert. An den Kadavern wurden demnach Wölfe gesichtet. Es sei schlimm gewesen, die ausgeweideten Tiere zu sehen, sagte Stationsleiterin Annett Hertweck. "Natürlich entwickelt man zu den Tieren eine emotionale Bindung, zumal sie uns auch nicht als Fleischlieferanten dienten." Die Herde war demnach im Dezember 2017 schon einmal Ziel einer Wolfsattacke. Acht Tiere wurden damals gerissen, von 29 weiteren fand man nie wieder eine Spur.

Die Moorschnucken, eine sehr kleine Schafsrasse, werden im Unesco-Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zur Landschaftspflege eingesetzt. Sie gelten als widerstandsfähig gegen Krankheiten und Nässe.

Hertweck ging davon aus, dass die große Zahl getöteter Tiere die Debatte über die anwachsende Wolfspopulation neu entfachen wird. "Wir sind als Naturschutzstation natürlich nicht gegen den Wolf. Allerdings brauchen wir eine nüchterne, realistische Sicht auf die damit einhergehenden Probleme. Ich hoffe, dass der Fall zu einem Umdenken führen wird."

Dürfen jetzt doch Wölfe geschossen werden?
Nach dem Angriff prüft das Landratsamt Görlitz einen möglichen Abschuss von Tieren. Wegen des umfassenden Prüfverfahrens sei aber nicht mit einer raschen Entscheidung zu rechnen, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Wölfe sind streng geschützt, die Gesetzeslage lässt jedoch unter bestimmten Umständen einen Abschuss zu. In Sachsen hat darüber das jeweilige Landratsamt zu entscheiden, auch das für Forst und Landwirtschaft zuständige Umweltministerium wird eingebunden.

Nach Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gibt es derzeit 55 Wolfsrudel bundesweit, 17 davon in Sachsen. In vielen Regionen Deutschlands kommt es immer wieder zu Wolfsattacken auf Nutztiere, selten aber in so großem Ausmaß. Ende April hatte ein Wolf für Schlagzeilen gesorgt, der in Bad Wildbad im Schwarzwald mehr als 40 Schafe in einer Nacht gerissen hatte. In Mecklenburg-Vorpommern wurden erst am Sonntag 11 Schafe getötet, im August gab es eine Wolfsattacke nahe Rostock mit 15 gerissenen Schafen.

Glossar
Der Wolf
Der Wolf (Canis lupus) gehört zur Ordnung der Fleischfresser und ist verwandt mit den Hunden. Sein Fell ist grau bis bräunlich, er wird bis zu 1,60 Meter lang und hat eine Schulterhöhe von 50 bis 100 Zentimetern.
Hunde gegen Wölfe
Alles für die Herde
Die Schweiz hat gute Erfahrungen mit ihnen gemacht: Herdenschutzhunde, die Wölfe von Nutztieren fernhalten sollen. Ein Modell, das sich auch in Österreich und Deutschland entwickelt.