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Und wieder könnte es der Erdhummel an den Pelz gehen: durch Ersatz für die Neonikotinoide.
Ersatz-Gift
Sulfoxaflor könnte Langzeitfolgen nicht nur für Hummelvölker haben
Auch ein Ersatz-Wirkstoff für die teils in der Landwirtschaft verbotenen Neonikotinoide schädigt nützliche Bestäuber.
Das berichten Forscher der Royal Holloway University of London. Für ihre Studie untersuchten sie Insektizide mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor, der in mehreren Ländern bereits zugelassen und dessen Verwendung in Deutschland beantragt ist. Das Ergebnis: Dunkle Erdhummeln (Bombus terrestris), die der Substanz ausgesetzt waren, hatten viel weniger Nachkommen als ihre Artgenossen.

aktuell: Pestizid-Ausschuss der EU-Kommission tagt
Am 12. und 13. Dezember 2018 berät der Pestizid-Ausschuss der EU-Kommission über die "Bee-Guidance": Sie wurde durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) entwickelt und soll Risiken, die durch den Einsatz von Pestiziden für Honig- und Wildbienen entstehen können, künftig besser abschätzen. Im EU-Ausschuss steht nun zur Debatte, ob die Leitlinie bei sämtlichen Wieder- und Neuzulassungen von Pestiziden verpflichtend angewendet werden muss.

Neonikotinoide hatten in der Landwirtschaft lange den Ruf einer Wunderwaffe, weil sie Fressfeinde der Pflanzen töten, aber nützliche Insekten angeblich nicht. Nach und nach entdeckten Forscher allerdings, dass die Substanzen doch Bienen und andere Pflanzenbestäuber schädigen können. Sulfoxaflor galt bislang als geeigneter Ersatzkandidat in der Agrarwirtschaft.

50 Prozent weniger Nachkommen durch Sulfoxaflor
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Beitrag vom 16.8.2018
Das Team um Harry Siviter setzte für die Studie 25 Hummel-Völker zwei Wochen lang Sulfoxaflor in Konzentrationen aus, wie sie nach dem Einsatz auf Feldern auftreten würden. Schon nach zwei bis drei Wochen zeigten sich deutliche Unterschiede im Vergleich zu 26 unbehandelten Kolonien: Bei den mit Sulfoxaflor in Kontakt gekommenen Hummel-Völkern ging der Nachwuchs um 54 Prozent zurück. Der Einsatz des Ersatzstoffes könnte Langzeitfolgen für die Bestände haben - ähnlich wie bei Neonikotinoiden, schreiben die Forscher. Mit Blick auf das Verhalten bei der Futtersuche der Hummeln und ihrer Pollenfracht stellten die Forscher aber keine Unterschiede fest. Vor der Zulassung müssten neue Insektizide umfangreich überprüft werden, fordern die Wissenschaftler. Insektizide mit Sulfoxaflor sind etwa in China, Kanada und Australien zugelassen. Ebenso in der EU.

Drei bienenschädigende Neonikotinoide in der EU verboten

Die EU-Staaten - auch Deutschland - stimmten im vergangenen Frühjahr mehrheitlich für ein Freilandverbot von drei Neonikotinoiden: Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. Diese Insektizide dürfen künftig nur noch in Gewächshäusern, aber nicht mehr auf Äckern angewendet werden. Die Entscheidung tritt noch in diesem Jahr in Kraft. Dann müssen Landwirte andere Substanzen im Kampf etwa gegen Maiswurzelbohrer und Rapsglanzkäfer einsetzen.Studien zufolge schädigen diese Neonikotinoide Wild- und Honigbienen erheblich - mit dramatischen Folgen für die Landwirtschaft. So können die Stoffe etwa die Lern- und Orientierungsfähigkeit der Bienen beeinträchtigen und die für die Bestäubung wichtigen Tierchen sogar lähmen und töten. Die Moleküle werden auch von Blüten und Pollen aufgenommen und verbreiten sich so in der Umwelt.Andere Neonikotinoide sind hingegen nicht von dem Freilandverbot der EU-Staaten betroffen. Sie sollen die Insekten weniger schädigen, gelten aber auch als nicht so wirksam in der Landwirtschaft.

Info
Sulfoxaflor gilt zusammen mit den Wirkstoffen Flupyradifuron und Cyantraniliprol als möglicher Ersatz für die Wirkstoffe der Nikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam. Der Wirkmechanismus von Flupyradifuron und Sulfoxaflor ist derselbe wie bei den bisher verwendeten Neonics.
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