Kohlekraftwerk © dpa
Der Energiesektor ist für einen großen Teil der Emissionen verantwortlich.
Der Energiesektor ist für einen großen Teil der Emissionen verantwortlich.
Deutschland verfehlt Klimaziele deutlich
Das 40-Prozent-Ziel lässt sich nicht erreichen
Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Deutschland wird sein Klimaziel für 2020 noch deutlicher verfehlen als bisher von der Bundesregierung erwartet.
Ursprünglich wollte die Regierung die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 senken; nun werden wohl nur 32 Prozent deutschlandweit eingespart. Ein Unterschied von acht Prozentpunkten. Auch für 2030 sagt der Klimaschutzbericht eine drastische Verfehlung voraus. Bekannt ist das seit Monaten. Heute wurde der Klimaschutzbericht 2018 vom Kabinett gebilligt. Der Bericht kommt nur acht Monate nach Beschluss des "Klimaschutzberichts 2017" und er basiert teilweise auf der gleichen Datengrundlage.

Forderungen nach mehr Mut und Verbindlichkeit
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte mehr Mut und Verbindlichkeit in der Klimapolitik. Sie bekräftigte, sie werde darum ein Gesetz vorlegen, das die Einhaltung der Klimaziele verbindlicher mache. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 55 Prozent verringert werden. Schulze sagte außerdem, im Energiesektor liege mit dem Konzept der Kohlekommission für einen Ausstieg aus dem Kohlestrom ein guter Plan auf dem Tisch. Es müsse nun aber "gute Klimaschutzkonzepte" auch für den Gebäudebereich und den Verkehr geben. Die Fortschritte bei der Minderung im Energiesektor würden durch höhere Emissionen in den Bereichen Verkehr und Gebäude zum Teil zunichte gemacht - deswegen müssten nun in diesen Bereichen "gute Klimaschutzkonzepte" folgen.

Vor allem der Verkehrssektor steht dabei im Fokus. Eine von der Regierung eingesetzte Arbeitsgruppe für mehr Klimaschutz berät derzeit über ein Konzept. Zuletzt waren Überlegungen aus der Arbeitsgruppe bekannt geworden, die etwa die Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen vorsehen. Dies hatte eine breite Debatte ausgelöst. Der Umweltverband WWF sprach von einem "verlorenen Jahrzehnt" für den Klimaschutz. Die Bundesregierung habe wenig bis nichts dafür getan, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Angesichts gestiegener Emissionen in Industrie und Verkehr müssten diese und andere Sektoren nun liefern.

Die Folgen des Klimawandels sind bereits spürbar
Während die Klimaziele in weite Ferne rücken, sind die Folgen des Klimawandels schon da: Die Monate April und Mai waren im Jahr 2018 die heißesten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen, gefolgt von einem ebenfalls heißen und vor allem extrem trockenen Sommer, der viele Landwirte vor Probleme gestellt hat. Der Deutsche Wetterdienst rechnet auch für die Zukunft mit mehr Stürmen, extremen Regenfällen und Hitzewellen aufgrund der Klimaerwärmung. Vor allem die Landwirtschaft in Deutschland wird unter den Folgen der Klimaveränderung zu leiden haben.

Ohne einen forcierten Kohleausstieg sind die Klimaschutzziele nicht mehr zu halten. Ein Großteil der deutschen Emissionen geht nach wie vor auf die Verstromung von Braun- und Steinkohle, die noch immer einen Anteil von etwa 40 Prozent haben. Wer die Klimaschutzziele verschiebt, heizt den Klimawandel weiter an. Die Verfehlungen wieder aufzuholen, wird damit noch schwerer.

Aktuell: 2014 bis 2018 waren die wärmsten vier Jahre
Die vergangenen vier Jahre waren nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor fast 170 Jahren. 2018 sei das viertwärmste Jahr gewesen, teilte die Organisation mit und bestätigte damit Vorhersagen der US-Wetterbehörde NOAA. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur habe 1,0 Grad Celsius über dem Mittel der vorindustriellen Zeit (1850-1900) gelegen. Die Jahre 2015 und 2017 lagen 1,1 Grad über dem Mittel. Den Rekord hält nach WMO-Angaben das Jahr 2016 mit einem Plus von 1,2 Grad über dem vorindustriellen Mittel.

Link
Klimaschutzbericht 2018
zum Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 der Bundesregierung - PDF zum downloaden
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