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71 Trinkhalme aus Plastik verbraucht der EU-Bürger durchschnittlich im Jahr.
71 Trinkhalme aus Plastik verbraucht der EU-Bürger durchschnittlich im Jahr.
Für den Schutz der Meere
EU-Kommission präsentiert eine Liste mit verzichtbaren Produkten
Norwegische Fischer haben eine unbewohnte Insel entdeckt, die mit Gebirgen aus Plastikmüll bedeckt ist. Unterdessen will die EU-Kommission bestimmte Wegwerfprodukte aus Plastik verbieten.
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Eine Insel mit Bergen von Plastikmüll - dieser soll künftig reduziert werden.
Die genaue Position der Insel wurde zunächst geheim gehalten - damit Forscher den Müll in Ruhe analysieren konnten. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, welchen Einfluss der Plastikmüll auf das Leben der Tiere hat.
Wir alle kennen dieses Problem. Zuviel Plastikmüll, der auch in den Meeren landet. Die Hälfte des an europäischen Stränden gefundenen Plastikmülls stammt aus Einmalprodukten. Jetzt nimmt die EU-Kommission gezielt die zehn Plastikprodukte ins Visier, die am häufigsten in Strandmüll auftauchen. Die Kommission will solche Produkte verbieten, für die es bereits erschwingliche Alternativen gibt, also Besteck und Geschirr aus Plastik, Trinkhalme, Rührstäbchen, Luftballonstäbe und Wattestäbchen. Bei Produkten, für die es "noch keine offensichtlichen Alternativen gibt", sind die EU-Länder aufgerufen, den Verbrauch einzudämmen.

Die Grillparty der Zukunft sieht dann wohl etwas anders aus. Kein Kartoffelsalat mehr auf Plastiktellern, kein Kampf mehr mit Plastikbesteck gegen zähe Steaks, und Limo ohne Plastikhalme. Denn eigentlich gibt es ja Alternativen. Es klingt vielleicht nach Symbolpolitik, aber da kommt einiges zusammen. Zum Beispiel verbrauchen wir EU-Bürger nach Schätzungen der Umweltschutz-Organisation "Seas at Risk" jährlich 36,4 Milliarden Plastikhalme. Macht im Durchschnitt 71 Halme für jeden.

Bringt der Maßnahmenkatalog denn etwas?
  • Das wirtschaftsnahe Centrum für Europäische Politik (Cep) ist kritisch. Die Kommission schieße mit den Verboten übers Ziel hinaus und schränke die Wahlfreiheit der Verbraucher ein. Infokampagnen, Pfandsysteme und notfalls lokale Verbote reichten aus, meint cep-Experte Moritz Bonn. Die Grünen im Europaparlament argumentieren andersherum: Der Ansatz mit dem Verbot bestimmter Produkte sei gut, reiche aber nicht. Entscheidend seien eine Reduzierung des Verpackungsmülls und höhere Recyclingquoten. Die Grünen fordern komplette Wiederverwertbarkeit von Kunststoffen schon 2025, nicht erst 2030.

Zehn Wegwerfprodukte zu verbieten reicht doch nicht?
  • Darüber hinaus nennt die Kommission im Entwurf ihrer Richtlinie Einmalprodukte, die nicht verboten, aber massiv zurückgedrängt werden sollen, darunter Verpackungen für Fastfood, Luftballons, Getränkeverpackungen und Deckel. Damit Deckel nicht durch die Landschaft fliegen, sollen sie gleich so konstruiert werden, dass sie künftig an Einwegflaschen oder -trinkbechern hängen bleiben. Hersteller von Chipstüten, Zigarettenfiltern und anderen häufig in der Umwelt gefundenen Produkten will die Kommission laut Entwurf für Sammlungen sowie für Infokampagnen zur Kasse bitten.

Wäre eine Art Plastik-Steuer sinnvoll?
  • Ja, es wird an eine Abgabe gedacht, die die EU-Staaten für nicht verwertete Plastikabfälle an die EU abführen sollen. EU-Kommissar Günther Oettinger spricht von 80 Cent pro Kilo. Das wäre ein Anreiz, mehr zu recyceln.

Gibt es denn bei den Herstellern schon Alternativen?
  • Große Hersteller arbeiten längst an Alternativen für die vielleicht einmal verbotenen Produkte, auch für Trinkhalme. Kürzlich kündigte zum Beispiel Tetrapak die Umstellung auf Papiertrinkhalme bis zum Jahresende an - dabei geht es um die Röhrchen für Saft- oder Milchpackungen zum Direktverzehr.

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