Spraydose © zdf,
Es gibt einen unerklärten Anstieg von Trichlorfluormethan, Chlordifluormethan und Dichlormethan.
Es gibt einen unerklärten Anstieg von Trichlorfluormethan, Chlordifluormethan und Dichlormethan.
Verdächtige Messwerte
Es ist zuviel vom Ozonkiller FCKW in der Atmosphäre zu finden
Der Stoff FCKW verschwindet nicht so schnell aus der Atmosphäre wie er sollte. Ein Umweltverbrechen?
Amerikanische Forscher fanden verdächtige Messwerte eines Ozonkillers in der Atmosphäre. Die Stoffmenge von Trichlorfluormethan in der Atmosphäre sinkt demnach seit 2012 langsamer als nach den geltenden Umweltregelungen zu erwarten wäre. Die Gruppe um Stephen Montzka von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Boulder (Colorado, USA) vermutet eine neue, illegale Quelle von Trichlorfluormethan.

Trichlorfluormethan gehört zu den Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die früher unter anderem als Kühlmittel und als Treibmittel in Spraydosen verwendet wurden. In den 1970er-Jahren erkannten Wissenschaftler, dass FCKW die schützende Ozonschicht in der höheren Atmosphäre schädigen können. Nach der Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis im Jahr 1985 einigte sich die Staatengemeinschaft zwei Jahre später mit dem Montrealer Protokoll und folgenden Vereinbarungen auf eine drastische Reduzierung der FCKW. In Deutschland wurde die Produktion von FCKW 1994 eingestellt. Seit 2010 gilt ein internationales Produktionsverbot für diese Stoffgruppe.

Daten weisen auf eine mögliche FCKW-Produktion in Ostasien hin
© ap Die Verschrottung alter Kühlschränke reicht als Erklärung für den Anstieg nicht aus.
Die Verschrottung alter Kühlschränke reicht als Erklärung für den Anstieg nicht aus.
Die Regelungen spiegeln sich auch in den Messdaten für Trichlorfluormethan in der Atmosphäre wider: Nach einem Stoffmengenanteil von knapp 270 Teilchen pro 1000 in der Mitte der 1990er Jahre sank der Anteil zunächst kontinuierlich. Dass der Anteil auch nach dem Verbot der FCKW-Produktion nicht sofort auf Null sank, hat zum einen damit zu tun, dass der Abbau der Stoffe in der Atmosphäre zum Teil Jahrzehnte dauert. Zum anderen werden geringe Menge FCKW weiterhin freigesetzt, wenn etwa alte Kühlschränke verschrottet oder Gebäude abgerissen werden. Doch etwa 2012 bekam die Trichlorfluormethan-Kurve einen Knick: Der Stoffmengenanteil sank nicht mehr wie erwartet. Dazu kamen steigende Unterschiede des Anteils auf der nördlichen und der südlichen Erdhalbkugel. Außerdem zeigt der Verlauf der Kurve innerhalb eines Jahres verdächtige Ähnlichkeiten mit dem Messkurvenverlauf zweier anderer FCKW: Chlordifluormethan und Dichlormethan. Das lasse vermuten, dass alle drei Stoffe aus derselben Quelle freigesetzt werden.

Die Forscher simulierten mit verschiedenen Atmosphärenmodellen die Ausbreitung von Trichlorfluormethan anhand der vorhandenen Messwerte. Aber allein mit dem Luftaustausch in der Atmosphäre, auch wenn er ungewöhnliche Formen annehmen sollte, waren die Werte nicht zu erklären. Die Forscher um Montzka gehen deshalb davon aus, dass es eine neue Quelle für den Stoff gibt - dass er entgegen internationaler Vereinbarungen wieder hergestellt wird. Als Größenordnung nennen die Wissenschaftler 13.000 Tonnen pro Jahr. Die Computersimulationen ergaben eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Quelle in Ostasien. In einem ebenfalls dazu veröffentlichtem Kommentar bescheinigt Michaela Hegglin von der University of Reading (Großbritannien) dem Autorenteam eine sorgfältige Analyse. Sie betont die Bedeutung solcher wissenschaftlicher Untersuchungen: "Die Studie von Montzka und Kollegen zeigt einmal mehr, dass Umweltvorschriften nicht selbstverständlich sind und geschützt werden müssen, und dass eine Überwachung erforderlich ist, um die Einhaltung sicherzustellen."

Info
Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW )
FCKW wurden in großem Umfang unter anderem in Spraydosen und Kühlschränken eingesetzt. Sie sind geruch- und farblos, meist ungiftig, sehr stabil und nicht brennbar. Wegen der enthaltenen Chloratome zerstören FCKW die Ozonschicht und wirken als Treibhausgase. FCKW besitzen ein 3000 bis 8000fach höheres Erwärmungspotenzial als Kohlendioxid.
Literatur
Montzka S A, Dutton G S et al. (2018) An unexpected and persistent increase in global emissions of ozone-depleting CFC-11. nature DOI:10.1038/s41586-018-0106-2
Glossar
Ozonschicht
In 12 bis 50 Kilometern Höhe absorbiert die Ozonschicht die schädlichen kurzwelligen ultravioletten Strahlen der Sonne, so dass nur ein Bruchteil auf die Oberfläche trifft.
Glossar
Ozonloch
Das Ozonloch über der Antarktis wurde erstmals 1985 nachgewiesen - es gab aber schon viel früher Hinweise darauf.