Ferkel © dpa
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Landwirte wollen die Tiere selbst örtlich betäuben, weil das billiger ist.
Ferkel kastrieren oder nicht?
Ganz ohne Betäubung darf ab 2019 nicht mehr kastriert werden
Die Kastration junger Ferkel ohne Betäubung wird nun verboten. Wie die Landwirte in der Zukunft sicherstellen sollen, dass die Tiere bei der Kastration keine Schmerzen erleiden, ist umstritten.
Das Prozedere wiederholt sich in Deutschland jährlich etwa 30 Millionen Mal: Mit einem Messer schneidet der Landwirt den Hodensack der wenige Tage alten Saugferkel auf, die Hoden werden herausgeschnitten. Eine Betäubung der Tiere ist dabei nicht vorgeschrieben. Für das Ferkel ist der Eingriff mit erheblichen Schmerzen verbunden und wird von Tierschützern daher scharf kritisiert. Der Hintergrund dieses Eingriffs: Die Hoden von Ebern produzieren männliche Geschlechtshormone und geschlechtsspezifische Ebergeruchsstoffe. Diese werden über das Blut in den ganzen Körper und damit auch in das Muskelfleisch verteilt. Wird das Fleisch erhitzt, kann dies zu unangenehmen Geruchs- und Geschmacksveränderungen führen.

Mögliche Alternativen werden noch diskutiert
Ab 2019 Jahr ist die Kastration ohne Anästhesie in Deutschland tatsächlich verboten. Die Alternativen werden nun diskutiert - mit der Ebermast, der Impfung gegen Ebergeruch und der Kastration unter Vollnarkose gibt es drei Alternativen, die nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes praxistauglich und vor allem tierschutzgerecht sind. Die Bauernverbände wollen eine zusätzliche Option beim Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration: die Lokalanästhesie. Die Bundestierärztekammer spricht sich deutlich gegen die Erlaubnis einer Lokalanästhesie durch Tierhalter bei der Ferkelkastration aus.

Bundestierärztekammer warnt vor dem "4. Weg"“:
"Jede Anästhesie - das gilt auch für die lokale Betäubung - ist eine anspruchsvolle und risikobehaftete tierärztliche Tätigkeit! Das fehlerhafte Verabreichen eines Lokalanästhetikums kann verheerende Folgen bis hin zum Tod des Tieres haben. Aus diesem Grunde lehnen wir dies ausdrücklich ab." (Präsident Dr. Uwe Tiedemann)

Zahlreiche Studien zeigen, dass die Injektion von Lokalanästhetika einen zusätzlichen Stress- und Schmerzfaktor vor der Kastration darstellt und die Betäubung ungenügend ist, um den Kastrationsschmerz vollständig auszuschalten. Damit wäre diese Methode - ebenso wie die betäubungslose Kastration - ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Die Ebermast als einfachste Alternative?
Neue Studien zeigen, dass weniger als 5 Prozent der Eber tatsächlich stinken. Es ist vor allem eine Frage der Haltung: Wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten, um Stress im Stall zu vermeiden. Denn Stress und Futterneid fördern die Ausbildung des Ebergeruchs. Je weniger Aggression im Stall, desto seltener entwickelt sich der unangenehme Geruch. Auch Sauberkeit ist wichtig - je länger die Eber in ihrem Kot liegen, desto höher die Gefahr, dass sich stinkende Substanzen im Rückenspeck einlagern. Die Haltung nicht kastrierter Eber hat für die Landwirte sogar den Vorteil, dass sie weniger füttern müssen, um dasselbe Schlachtgewicht zu erreichen.

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Info
Ferkelkastration in der Schweiz
Verbot der betäubungslosen Ferkelkatsration seit 1.1.2010.Akzeptiert werden die Inhalationsnarkose mit Isofluran inklusive Schmerzmittelgabe, die Impfung gegen Ebergeruch und die Ebermast. Praktiziert wird jedoch vorwiegend die Inhalationsnarkose mit Isofluran.

Ferkelkastration in Österreich
Seit 1.10.2017 ist eine postoperativ wirksame Schmerzbehandlung vorgeschrieben, aber nach wie vor ist eine betäubungslose Kastration bis zum 7. Lebenstag der Ferkel erlaubt.

(Quelle: Deutscher Tierschutzbund)