See, Schild "Baden verboten" © dpa
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Auch im Finsterroter See sind die Werte dauerhaft so schlecht, dass vom Baden abgeraten wird.
Neun von zehn Gewässern belastet
Die Umweltorganisation BUND schlägt Alarm
Die Umweltorganisation BUND sieht 92 Prozent der Gewässer in schlechtem Zustand und ruft zum Handeln auf.
Neun von zehn Seen und Flüssen litten unter anderem unter Belastungen durch Landwirtschaft, Industrie oder dem Ausbau von Wasserstraßen, erklärte der BUND bei der Vorstellung seines Gewässerreports, der auf Daten des Bundesumweltamts basiert. Nach eigenen Angaben analysierte der BUND für den Bericht den Zustand von Seen und Flüssen in insgesamt zehn Kategorien und stellte negative und positive Fallbeispiele für den Umgang mit Problemen dar. Die Ursachen für die schwierige Situation der deutschen Gewässer seien vielfältig, betonten die Umweltschützer. Unter anderem verwiesen sie auf Dünger- und Pestizideinträge aus der Landwirtschaft, Schadstoffe aus dem Bergbau und Begradigungen und Vertiefungen von Flüssen für die Schifffahrt. BUND-Vorsitzender Hubert Weiger forderte energische Gegenmaßnahmen durch die Politik.

Der BUND-Report mache klar, "dass sich die Politik endlich bewegen muss, damit unser Wasser noch zu retten ist", erklärte er. Konkret rief er die Bundesregierung und die EU-Kommission in Brüssel auf, sich einer Aufweichung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu widersetzen. Diese wird demnächst überprüft. Der BUND befürchtet eine Lockerung und startet deshalb eine Kampagne. Der Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, erklärte, der Gewässerreport müsse "ein Weckruf" für die Bundesregierung sein. Er zeige "drastisch, wie schonungslos in Deutschland mit unseren Flüssen und Seen umgegangen wird".

Die meisten Gewässer erfüllen die EU-Kriterien nicht

Legt man die EU-Kriterien zugrunde, erreichen 24 Prozent der Gewässer Messwerte, die als gut gelten. Nur 2,3 Prozent könnten als sehr gut bewertet werden. Fast drei Viertel der Seen sind nach Ansicht der Experten aber in einem mittelmäßigen bis schlechten Zustand. So die Auskunft der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im April 2018. Den Seen in Deutschland gehe es schlecht, erklärte dann auch Steffi Lemke von den Grünen. "Fische und Pflanzen, die hier typischerweise vorkommen, finden in diesen Seen keinen Lebensraum mehr." Viele Gewässer würden unter der Vergüllung durch die Landwirtschaft leiden. "Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden und verlanden."

Zuviel Stickstoff: Algenteppiche schwimmen auf dem Baldeneysee.  © dpa Zuviel Stickstoff: Algenteppiche schwimmen auf dem Baldeneysee.
Eine Blaualgenplage hat im Dümmer See bei Diepholz zu einem Fischsterben geführt. © dpa Eine Blaualgenplage hat im Dümmer See bei Diepholz zu einem Fischsterben geführt.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, ihre Gewässer bis spätestens 2027 in einen guten Zustand zu bringen. Ein Ziel, das unter derzeitigen Bedingungen wohl nicht erreicht werden kann. Lemke kritisierte daher auch, dass im neuen Koalitionsvertrag "die so notwendige Wende zum Schutz der Natur" ausbleibe.

Deutsche Flüsse
Ökologisch bedenklich
Von wegen "Lebensadern unserer Landschaft": Die deutschen Flüsse sind ökologisch in keinem guten Zustand.
Links
Informationen vom Umweltbundesamt
zum Zustand der Seen
Link
BUND-Gewässerreport 2018
Der Bericht als Download (PDF)