Insekten © colourbox.de
Biologische Vielfalt - nicht nur schön anzusehen.
Biologische Vielfalt - nicht nur schön anzusehen.
Vielfalt in Gefahr
Weltbiodiversitätsrat tagt in Kolumbien
Es geht nicht nur um die Rettung des Regenwalds oder seltener Tierarten: Der Rückgang an biologischer Vielfalt führt zu schweren politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konflikten. Über 500 Experten haben die Lage analysiert und verteilen Hausaufgaben an die Regierungen.
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Skype-Gespräch mit Axel Paulsch
"Die Biodiversität der Welt geht verloren - das untergräbt auch das Wohlergehen der Menschen", sagt der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrats (IPBES), Robert Watson. Nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC soll der IPBES Regierungen bei Entscheidungsfindungen unterstützen. Er erstellt dazu wissenschaftlichen Gutachten zu Biodiversität, Ökosystemen oder Methoden zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der lebenswichtigen Naturschätze.

Drei Jahre lang arbeiteten mehr als 550 internationale Experten an vier Regionalberichten und einem Spezial-Report über die Verschlechterung der Qualität von Land. Bei der sechsten Plenarsitzung des Rates vom 17. bis 24. März im kolumbianischen Medellín diskutieren und verabschieden Vertreter der 128 Mitgliedsstaaten die Berichte nun.


Einige alarmierende Fakten:
  • Seit einem Jahrhundert sterben durchschnittlich zwei Wirbeltierarten pro Jahr aus
  • Die Erde erlebt nach Einschätzung von Wissenschaftlern derzeit ihr erstes "Massenaussterben" seit dem Ende der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren - und das insgesamt sechste binnen 500 Millionen Jahren
  • Rund 41 Prozent der Amphibienarten und mehr als ein Viertel der Säugetiere sind vom Aussterben bedroht
  • Rund die Hälfte der Korallenriffe ist in den vergangenen 30 Jahren verschwunden
  • Innerhalb von nur 40 Jahren sind die Populationen von 3706 Wirbeltierarten - Fische, Vögel, Säugetiere, Amphibien, und Reptilien - um 60 Prozent zurückgegangen
  • 25.821 von insgesamt 91.523 Tier- und Pflanzenarten, die für die 2017 aktualisierte Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) unter die Lupe genommen wurden, gelten als bedroht
  • Davon gelten 5583 Arten als akut vom Aussterben bedroht; 8455 Arten werden als stark gefährdet eingestuft und 11.783 als gefährdet ("vulnerable")
  • Die Zahl der Afrikanischen Elefanten schrumpfte zwischen 2006 und 2016 um 111.000 auf 415.000
  • Berechnungen von Wissenschaftlern zufolge leben auf unserem Planeten rund 8,7 Millionen verschieden Pflanzen- und Tierarten. 86 Prozent der Arten an Land und 91 Prozent der im Wasser lebenden Arten sind noch gar nicht entdeckt und beschrieben
  • Von den bisher bekannten Arten gelten 1204 Arten aus der Klasse der Säugetiere, 1469 Vogel-, 1215 Reptilien-, 2100 Amphibien- und 2386 Fischarten als gefährdet

  • Als gefährdet gelten zudem 1414 Insekten-, 2187 Weichtier-, 732 Schalentier-, 237 Korallen-, 12.505 Pflanzen-, 33 Pilz- und sechs Braunalgen-Arten
  • Allein die wirtschaftlichen Verluste durch die Abholzung der Wälder oder die Verschlechterung ihres Zustands belaufen sich auf 3,6 Billionen Euro im Jahr
  • Im Jahr 2010 einigten sich die Delegierten der UN-Artenschutzkonferenz im japanischen Nagoya auf 20 Punkte, um das Artensterben bis zum Jahr 2020 aufzuhalten. Die "Aichi-Biodiversitäts-Ziele" sehen unter anderem vor, den Verlust an natürlichen Lebensräumen bis zum Jahr 2020 zu halbieren, die Schutzgebiete zu Wasser und zu Land auszuweiten, die Ausrottung der auf der Roten Liste stehenden Arten zu verhindern und mindestens 15 Prozent der geschädigten Ökosysteme wiederherzustellen

Glossar
IPBES - der Weltbiodiversitätsrat
Der Weltrat für Biologische Vielfalt (IPBES) ist am 21. Januar 2013 in Bonn zu seiner ersten Plenarsitzung zusammengekommen.
Insektensterben bestätigt
Dramatischer Rückgang
Kiloweise sammelten Forscher in den vergangenen 27 Jahren Insekten aus Fallen. Die Auswertung der Daten bestätigt: Die Insektenzahl schwindet vielerorts erheblich.
Schutzmaßnahmen
Great Barrier Reef bleibt Weltnaturerbe
Ein Aktionsplan der australischen Regierung zum Schutz des weltgrößten Korallenriffs verhindert, dass es auf der Roten Liste landet.
Dorsche in der Ostsee
Leergefischt
Die Dorschbestände in der Ostsee sind seit zwei Jahrzehnten überfischt, sagt der Fischereibiologe Dr. Uwe Krumme vom Thünen-Institut für Ostseefischerei.
Link
Die internationale Rote Liste der IUCN