Plastikflaschenhaufen © dpa
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Ein Plastikflaschenpfandgesetz gibt es in Großbritannien nicht - die Flaschen landen daher oft in der Landschaft.
Einsatz für weniger Plastik
An den Stränden von Cornwall sammelt sich besonders viel Plastikmüll
Es ist etwas in Bewegung auf der Insel in Sachen Plastikmüll: Großbritanniens Bürger engagieren sich - und auch die Politik bleibt nicht still.
Im kleinen Städtchen Penzance im britischen Cornwall hat Bürgerin Rachel Yates dafür gesorgt, dass 30 Läden "plastikfrei" sind: "Es bedeutet nicht, dass der Laden komplett plastikfrei sein muss. Es geht darum, dass die Shops keinen Einweg-Plastik mehr benutzen", erklärt sie. Auch eine Surfergruppe in Cornwall engagiert sich dafür, dass die küstennahen Kommunen immer weniger Plastik benutzen. Inzwischen bemühen sich 150 Kommunen um das Plastikfrei-Zertifikat des Vereins "Surfer Against Sewage". Penzance trägt dank des Bürgerengegaments als erste Stadt das Zertifikat bereits.

Auch die britische Supermarktkette "Iceland" schwört inzwischen Plastikverpackungen ab: Bis 2023 sollen alle Plastikverpackungen von Produkten der Eigenmarke durch recycelbare Materialien wie Papier und Zellstoff ersetzt werden: "Es gibt keine Entschuldigung mehr für übermäßige Verpackungen, die unnötigen Müll produzieren und unserer Umwelt schaden", sagte Iceland-Chef Richard Walker. Das Unternehmen ließ sich von der Umweltschutzorganisation Greenpeace beraten - die auch andere Supermarktketten in Großbritannien auffordert, dem Beispiel zu folgen.

Die Queen möchte kein Plastik mehr im Palast sehen
Auch die Politik hält sich bei dem Thema nicht zurück. Aufgrund des geplanten EU-Austritts befürchten Umweltschützer zwar, dass die EU-Regelungen zum Umweltschutz ersatzlos wegfallen. Doch Premierministerin Theresa May kündigte an, den Verbrauch von Plastik bis 2042 drastisch zu senken. Die Regierung will Supermärkte davon überzeugen, "plastikfreie Regale" einzurichten und Abgaben auf Wegwerfverpackungen erheben. Schon jetzt solle eine Gebühr für Plastiktüten auch für kleinere Läden gelten - bislang waren davon inGroßbritannien nur größere Supermärkte betroffen. Umweltschützern gehen die Ankündigungen jedoch nicht weit genug - und vor allem nicht schnell genug.

Man müsste meinen, dass wenigstens im Königshaus keine Plastikbecher serviert werden. Aber offensichtlich hat auch die Queen ein Plastikproblem - und springt nun auf den Anti-Plastik-Zug auf: In allen royalen Besitztümern Großbritanniens soll künftig weitestgehend auf Einwegplastik verzichtet werden. Plastikflaschen und -strohhalme müssen weichen, dafür hält biologisch abbaubare Verpackung Einzug. Plastikstrohhalme in den öffentlichen Cafés der königlichen Residenzen werden ausgemustert, genauso auch in Mitarbeiterkantinen. Aber auch die Royals und ihre Gäste kommen nicht um die Reformen herum: In Konferenzen und Beratungen wird Wasser ab sofort in Glasflaschen serviert. Für das interne Catering sollen nur noch Porzellanteller und Gläser verwendet werden.

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