Emschergroppe
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Tests haben gezeigt, dass die Emschergroppe die schmutzigen Zeiten überdauert hat.
Im Dreck überlebt
Neue Methoden geben Aufschluss über Renaturierungserfolg
Im schmutzigsten Fluss Europas hat eine seltene Fischart überdauert: die Emschergroppe.
Die Emscher durchfließt von Holzwickede bis nach Dinslaken die großen Städte des Ruhrgebiets, wie Dortmund, Bottrop und Duisburg. Mit der Industrialisierung wandelte sich der idyllische Fluss zu einer Kloake, gut durchmischt von Abwässern der Schwerindustrie und Haushalten. Eine Katastrophe für die Bewohner des beschaulichen Flüsschens.

In den 90er Jahren zog die Emschergenossenschaft die Reisßleine und eröffnete Pläne für die Renaturierung des Flusssystems. So war es glücklicherweise noch nicht zu spät für ein kleines Wunder.

Im Oberlauf der Boye, einem Zufluss der Emscher nahe Bottrop hat der Landschaftsökologe Gunnar Jacobs eine Entdeckung gemacht, die einer Sensation gleich kommt. Die Emschergroppe, ein Fisch der nur im gleichnamigen Flusssystem vorkommt, hat die zwischenzeitlich katastrophale Verschmutzung überlebt.

Rückkehr geglückt? Klärung anhand DNA-Technik
Eine Datenbank soll unterstützen.
Eine Datenbank soll unterstützen.
Ein Projekt des Taxonomen Dr. Mattias Geiger vom Naturkundemuseum in Bonn kommt da gerade recht. Er ist ein Forscher, der darauf spezialisiert ist, Tierarten systematisch zu bestimmen und einzuordnen. Der "German Barcode of Life", kurz GBOL, soll die Arbeit der Wissenschaftler erleichtern und zu schnelleren Ergebnissen führen. Bei dieser Methode wird ein Stück der DNA entschlüsselt und in Form eines Barcodes in eine Datenbank eingegeben. Dafür reicht schon ein winzig kleiner Teil der Flosse. Dieser individuelle Erkennungscode der Groppe kann nun in jeder Wasserprobe als Suchvorlage dienen.

Gemeinsam mit Gunnar Jacobs untersucht das Team um Mattias Geiger, ob das Wiederansiedeln der Emschergroppe in ihrem neuen alten Lebensraum erfolgreich war. Die Labortests sind positiv und beweisen, dass sich am Ort der Probenentnahme Groppenarten aufhalten. Mit ihrer Rückkehr lässt sich der Erfolg der Renaturierung schnell und einfach kontrollieren.

Die Methoden:
  • Umwelt-Barcoding macht es möglich eine Art in einem Gewässer nachzuweisen
  • Meta-Barcoding erlaubt Forschern, aus einer Probe mit verschiedenem genetischem Material mehrere Organismen gleichzeitig zu erfassen

Nicht nur Ökologen nutzen die Technik, um Umweltmaßnahmen zu kontrollieren. Auch Forensiker oder der Zoll haben die Vorteile erkannt und können Spurenanalysen schneller durchführen.

Link
"German Barcode of Life"
Ziel des Projektes ist es "die Artenvielfalt aller deutschen Tiere, Pilze und Pflanzen anhand ihres DNA-Barcodes (Fingerabdrucks) zu[ registrieren]". In der Datenbank sind aktuell 4,6 Millionen DNA-Barcodes von 250.000 verschiedenen Arten erfasst (Stand Januar 2016). An diesem Projekt beteiligen sich zum Beispiel Forschungseinrichtungen, Zoos oder staatliche Institutionen, die ein großes Netzwerk entstehen lassen.