© dpa
BeitragBeitrag
Zerstört und verstrahlt: Hier stand einmal ihr Haus.
Verstrahlte Heimat Fukushima
Greenpeace warnt vor Risiken im Umfeld der Atomruine
Die japanische Regierung sieht keinen Grund zur Angst vor Strahlung mehr. Umweltschützer sehen das anders.
Auch sieben Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima ist die Strahlenbelastung in einigen umliegenden Gegenden nach einer Untersuchung der Umweltschutzorganisation Greenpeace Japan extrem hoch. Bis zum Hundertfachen über den international für die Bevölkerung geltenden Grenzwerten habe die in den Gemeinden Iitate und Namie gemessene Strahlung gelegen, heißt es in der aktuellen Untersuchung. Die hohe Radioaktivität in diesen Gebieten stelle mindestens bis in die 2050er Jahre und darüber hinaus ein "signifikantes Risiko" für die Rückkehr ehemaliger Anwohner dar. Im März 2011 war es in Folge eines schweren Erdbebens und gewaltigen Tsunamis zu einem Gau im Atomkraftwerk Fukushima gekommen.

Hunderttausende Menschen in der Region mussten 2011 wegen der austretenden Strahlung ihre Häuser verlassen. Die Regierung ließ die Gegend in den vergangenen Jahren weitflächig dekontaminieren. Dennoch ist der Zugang in einigen Orten noch heute beschränkt. Für Iitate und Teile Namies hob die Regierung die Evakuierungsanweisung 2017 auf. Doch lediglich drei Prozent der einstigen Bewohner von Namie sowie nur neun Prozent der aus Iitae Geflohenen kehrten zurück. Kritiker werfen der Regierung vor, die Menschen durch Einstellung finanzieller Hilfen zur Rückkehr zu zwingen.

Umweltschützer warnen vor einer verfrühten Rückkehr
Die Regierung wolle mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio der Welt Normalität vorgaukeln, beklagen Kritiker. Die Auftaktspiele für Baseball werden in der Provinz Fukushima stattfinden. "Es ist eine Gelegenheit, der Welt zu zeigen, wie die Menschen die Katastrophe hinter sich gelassen haben", sagte kürzlich Maki Kobayashi, Exekutivdirektorin des Olympia-Organisationskomitees. Angst vor Strahlung wies sie zurück. Es gebe keinen Grund zur Sorge.

Nach Einschätzung von Greenpeace ist das staatliche Dekontaminierungsprogramm jedoch ineffektiv, das zeigten die eigenen Messungen. Hinzu komme, dass die Region zu 70 bis 80 Prozent aus bewaldeten Bergen bestehe, die gar nicht dekontaminiert werden könnten.

Ein Vertreter der Regierung wies die Behauptung zurück und erklärte, die Dekontaminierungsarbeiten seien sehr wohl effektiv gewesen. Dank gigantischer Anstrengungen seien die durchschnittlichen Strahlenwerte einen Meter über dem Boden in einem Radius von 80 Kilometern um die Kraftwerksruine um rund 74 Prozent im Vergleich zum November 2011 gesenkt worden. Heute lägen die Werte in Städten wie seinem Heimatort Iwaki oder der Provinzhauptstadt Fukushima in etwa auf demselben Niveau wie in anderen größeren Städten der Welt, so Minister Yoshino. In Iwaki liege der Wert bei 0,06 Mikrosievert pro Stunde, in Berlin bei 0,08.

Chronik
Die Katastrophe im Kraftwerk Fukushima
Das Erdbeben, der Tsunami und die daraus folgende Atomkatastrophe von Fukushima kosteten im Frühjahr 2011 etwa 16.000 Menschen das Leben.