Nerze hinter Käfiggittern © dpa
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Viel zu enge Käfige - das kritisieren Tierschützer an den Pelzfarmen.
Das Ende der Pelze
Pelzzüchter fürchten um ihre Existenz, Tierschützer feiern
Bis 2025 müssen sich alle Pelztierzüchter in Norwegen ein neues Geschäftsmodell einfallen lassen - so will es die Regierung.
Nach den Koalitionsverhandlungen hat die norwegische Regierung angekündigt, bis 2025 die annähernd 250 Pelzfarmen des Landes zu schließen. Und das ist eine bemerkenswerte politische Entwicklung. Immerhin war Norwegen einst Weltmarktführer: In den 1930er Jahren erlebte es mit 20.000 Farmen goldene Pelzzucht-Zeiten. 2013 war diese Weltmacht zwar schon auf drei Prozent der weltweit verkauften Fuchsfelle und ein Prozent der Nerze zusammengeschrumpft. Aber immer noch werden jedes Jahr eine Million Tiere in Norwegen für deren Fell getötet. Zudem ist interessant, dass der aktuelle Beschluss in den Koalitionsverhandlungen auf Ansinnen einer kleinen Partei zustande kam. Für die liberale "Venstre"-Partei war das Pelzfarmen-Verbot die Bedingung, sich an der Minderheitsregierung aus der konservativen Partei "Høyre" und den Rechtspopulisten FRP zu beteiligen.

Die Tierschützer sagen: "Endlich wurden wir gehört"
Für die Tierschützer ist das ein Durchbruch. Sie kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Pelzproduktion. Organisationen wie Noah in Norwegen und Peta in Deutschland kritisieren viel zu kleine Drahtkäfige, die die Tiere zu Selbstverstümmelung und Kannibalismus treiben - für ein Produkt, das aus ihrer Sicht überflüssig ist. In Norwegen feiern sie nun: "Endlich wurden wir gehört", freut sich Noah-Vorsitzende Siri Martinsen.

Die Pelzzüchter sagen: "Ein großer Schritt in die falsche Richtung"
Pelztierzüchter dagegen fürchten um ihre Zukunft. "Mit einem Federstrich hast du mir die Lebensgrundlage genommen, Erna", schrieb ein 27-Jähriger gerade an Regierungschefin Erna Solberg. Der Züchterverband kritisiert einen "großen Schritt in die falsche Richtung". Seine Argumente: verlorene Arbeitsplätze - und dass die Tiere in den norwegischen Farmen viel besser lebten als in anderen Ländern. "Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Anteil an der Weltproduktion aufrecht erhalten", heißt es beim Verband.

Damit wirft der Züchterverband die übliche moralphilosophische Frage der globalisierten Welt auf: Wenn wir es nicht machen, dann machen es andere - und die machen es noch viel schlimmer als wir. Die konkrete Befürchtung ist, dass durch die Verbote in Europa in Ländern wie Russland und China mehr illegal gezüchtet wird - und nicht nur dem Nerz und Fuchs, sondern auch Hunden oder Kaninchen das Fell über die Ohren gezogen wird. Dieser Effekt lässt sich aber mit Studien nicht belegen. Stattdessen könnte ein Pelzfarm-Verbot in Europa die Preise auf dem Weltmarkt so in die Höhe treiben, dass sich die meisten ohnehin keinen Pelz mehr leisten können. Das jedenfalls hoffen die Tierschützer.

Wie halten es andere Länder mit den Pelztierfarmen?
Während in Russland der Absatz enorm steigt, wird in Europa über Verbote geredet
China China ist mit einem Anteil von fast 70 Prozent der erzeugten Felle der Weltmarktführer.
Russland In Russland ist der Pelz-Absatz 2017 im Vergleich zum Vorjahr um das Sechsfache gestiegen. Das Land ist neben China der größte Absatzmarkt der Welt für Pelz.
Dänemark In Europa ist Dänemark führend. Hier wurden 2016 mehr als 17 Millionen Nerze gezüchtet. Ein Verbot wird derzeit nicht diskutiert.
Polen Polen ist Europas zweitgrößter Pelzproduzent. Ein Großteil wird exportiert, auch nach Deutschland. Hier wird über ein Verbot diskutiert.
Deutschland In Deutschland gibt es nach Angaben von Tierschützern drei Betriebe. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte 2015 angekündigt, sie schließen zu wollen. Letztes Jahr wurde die Pelztierhaltung dann ohne Verbot neu geregelt.
Tschechien In Tschechien ist ab 2019 Pelztierzucht verboten.

Doppelmoral
Norwegen und der Walfang
Die geplante Schließung der Pelztierfarmen lässt Norwegen als Pionierland des Tierschutzes erscheinen. Im Walfang jedoch befindet sich das Land am anderen Ende der Fahnenstange: "In den letzten zwei Jahrzehnten hat Norwegen seine Waljagd systematisch ausgebaut", kritisiert die Tierschutzorganisation Pro Wildlife. 2017 wurde die Quote für den Fang von Zwergwalen auf 999 erhöht - von 880 in 2016. Tierschutzorganisationen sehen das Land als größte Walfangnation der Welt - noch vor Island und Japan. Ein Teil des norwegischen Walfleischs wird sogar nach Japan exportiert.
Pelz oft falsch deklariert
Etikettenschwindel
Der "Kunstpelz" an der Kapuze ist oft gar nicht künstlich: Vor allem für billige Jacken wird oft echter Pelz verwendet. Der lässt sich mittlerweile massenhaft und günstig produzieren.