Satellit über Erdkugel © dpa
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Die Forscher verwendeten die längste bisher verfügbare Satellitenmessreihe zur globalen Meereshöhe.
Vorsichtige Schätzung
Abschmelzen der Eisschilde führt zu immer höheren Pegeln
Neueste Satellitenmessungen sagen: Der Meeresspiegel steigt jedes Jahr ein bisschen schneller.
Um grob 65 Zentimeter soll der Meeresspiegel ansteigen - also angeblich um viel mehr als bisher angenommen, wie verschiedene Medien am Montag berichteten. Es geht dabei um den Zeitraum zwischen 2005 und 2100, in dem sich der Meeresspiegel - laut aktuellen Auswertungen von Satellitendaten - um die besagten 65 Zentimeter erhöhen soll. Dabei beinhalten bisherige Prognosen auch unterschiedliche Szenarien. So sagen die vom Weltklimarat IPCC errechneten Szenarien einen Anstieg der Pegel zwischen 52 und 98 Zentimeter voraus. Die aus den Satellitendaten ermittelten Ergebnisse liegen also in der unteren Hälfte der vom IPCC angegebenen Spanne. Beim deutschen Küstenschutz wird sogar von einem Meeresspiegelanstieg um bis zu 1,70 Meter bis 2100 gerechnet.

Zitat: Stefan Rahmstorf, Umweltphysiker
Zu der neuen Studie lässt Rahmstorf in seinem öffentlichen Facebook-Post verlauten: "Dies ist keine neue Prognose, denn die künftige Entwicklung hängt natürlich von unseren Emissionen ab, und auf dieser Basis errechnet auch der IPCC die Szenarien für die Zukunft. Die Aussage ist lediglich, dass die aktuell von Satelliten gemessene Beschleunigung des Meeresanstiegs völlig konsistent ist mit dem, was auch die IPCC-Szenarien erwarten lassen."

Was haben die Wissenschaftler neu errechnet?
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Meer frisst Land: Der Meeresspiegel steigt, aber genaue Prognosen sind schwierig. Ein paar Zahlen.
Die Forscher aus Colorado nutzten die bisher längste Satellitenmessreihe zur globalen Meereshöhe - Daten der vergangenen 25 Jahre - und werteten sie statistisch neu aus. Die Messreihe begann mit dem Start des Erdbeobachtungssatelliten "Topex/Poseidon" im August 1992 und wurde mit den drei "Jason"-Satelliten fortgesetzt. Zudem haben sie nicht menschengemachte Faktoren herausgerechnet - darunter sind das Klimaphänomen El Nino, der Ausbruch des Vulkan Pinatubo 1991 sowie Pegelschwankungen durch die Gezeiten. Die Forschergruppe um Steve Nerem von der University of Colorado in Boulder veröffentlichte ihr Ergebnis nun in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS"): Demnach wird es voraussichtlich eine jährliche Beschleunigung des globalen Meeresspiegelanstiegs um 0,08 Millimeter geben. Derzeit steigt der Meeresspiegel jährlich um etwa drei Millimeter an. Die nun gemessene Beschleunigung könne aber dazu führen, dass der Jahresanstieg in 2100 bei zehn Millimetern liegt, erklärte die Forschergruppe.

Zitat: Steve Nerem, Raumfahrttechniker und Studienleiter
"Und das ist mit ziemlicher Sicherheit eine vorsichtige Schätzung", wird Nerem in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Bei ihrer Kalkulation gingen die Forscher davon aus, dass sich die Veränderungsrate der vergangenen 25 Jahre in Zukunft fortsetzt. Aber: "Angesichts der großen Veränderungen, die wir heute in den Eisschilden sehen, ist das unwahrscheinlich", betont Nerem. Anders ausgedrückt: Der Anstieg wird wahrscheinlich noch höher ausfallen als von den Forschern prognostiziert.

Treibhausgase führen zur "thermischen Ausdehnung" der Ozeane
Neben der Eisschmelze an den Polen sorgt auch die Erwärmung des Meerwassers für einen Anstieg der Meeresspiegel, da sich das Wasser immer mehr ausdehnt, je wärmer es ist. Schon jetzt sei diese "thermische Ausdehnung" der Ozeane zur Hälfte für den Anstieg des Meeresspiegels um sieben Zentimeter im vergangenen Vierteljahrhundert verantwortlich, sagte Nerem. Beides sind Folgen der zunehmenden Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Gespräch
VideoZum aktuellen Bericht über den Meeresspiegelanstieg haben wir am 13. Februar 2018 den Meeresforscher Prof. Mojib Latif befragt.
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