Eisbär mit GPS  © Anthony Pagano USGS
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Ausgestattet mit GPS und Kamera: So bekommen Forscher Einblicke in das Leben der Eisbären.
Hungrige Eisbären
Mehr als die Hälfte der Tiere hat eine negative Energiebilanz
Der Verlust des arktischen Meereises schränkt die Jagdmöglichkeiten der Eisbären ein. Die Tiere magern ab.
© Mike Lockhart USGS Viele Bären haben Untergewicht.
Viele Bären haben Untergewicht.
Manche Eisbären werden nicht richtig satt. Die Tiere haben einen höheren Energiebedarf als bisher angenommen und wenig Jagderfolg, berichten die US-Forscher um Anthony Pagano vom Alaska Science Center in Anchorage. Sie hatten neun Eisbärweibchen im Polarmeer über Tage hinweg beobachtet und deren Stoffwechsel analysiert. Dabei stellten sie fest, dass über die Hälfte der Bären abmagerte. Die ohnehin schon gefährdeten Eisbären könnten noch mehr unter Druck geraten, wenn sich wegen des Klimawandels die Jagdbedingungen weiter verschlechterten.

Ausgestattet mit GPS und Kameras
© Maria Spriggs, Busch Gardens Scheinbar stört sie das Halsband nicht.
Scheinbar stört sie das Halsband nicht.
Die Forscher hatten jeweils im Frühling der Jahre 2014 bis 2016 neun Eisbärweibchen in der kanadischen Polarmeerregion Beaufort Sea eingefangen. Sie bestimmten die Größe und das Gewicht der Tiere sowie verschiedene Stoffwechselwerte in Blut- und Urinproben. Dann legten sie den Tieren GPS-Halsbänder mit einer Videokamera an und entließen sie wieder in die Freiheit. Nach acht bis elf Tagen fingen die Wissenschaftler die Bären dann erneut ein. Der berechnete Energieverbrauch der Eisbären in der Studienzeit war 1,6 Mal höher als Forscher bisher angenommen hatten. Mehr als die Hälfte der Bären hatte eine negative Energiebilanz: Die Tiere verbrauchten mehr Energie, als sie durch ihr Futter wieder aufnahmen, und verloren an Körpermasse. Vier Bären verloren mehr als zehn Prozent ihrer Körpermasse. Bislang gingen Experten davon aus, dassEisbären einen geringeren Energieverbrauch haben, weil sie keine natürlichen Feinde haben und ihre Jagdmethode nicht sehr viel Körpereinsatz fordert: Sie sitzen auf Eisschollen und warten bis eine Robbe zum Atmen auftaucht.

© Brian Battaile USGS Zukünftig werden sie wohl noch mehr Energie brauchen.
Zukünftig werden sie wohl noch mehr Energie brauchen.
Die Forscher errechneten, dass ein Eisbärweibchen innerhalb von zwölf Tagen eine ausgewachsene Robbe fressen muss, um den Energieverbrauch zumindest auszugleichen. Im Studienzeitraum gelang dies nur vier Tieren. Die restliche Nahrung bestand aus Kadavern und Jungtieren. Zukünftig werde sich der Energieverbrauch der Tiere noch erhöhen, schreiben die Wissenschaftler. Denn wenn das Eis durch den Klimawandel weiter zurückgeht, müssten die Tiere länger wandern oder schwimmen, um feste Eisschollen zu finden, auf denen sie jagen können.

Literatur
Pagano A M Durner G M (2018) High-energy, high-fat lifestyle challenges an Arctic apex predator, the polar bear. DOI: 10.1126/science.aan8677