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Wie sich die Elektrofischerei auf Meerestiere und Ökosysteme auswirkt, weiß man noch gar nicht.
Keine Elektroschocks am Meeresgrund
EU-Parlament lehnt umstrittene Fangmethode ab
Fischer wollen mit Elektroden an ihren Netzen Fische vom Meeresgrund aufscheuchen. Die einen halten das Elektrofischen für effizient und umweltschonend. Andere schlicht für Tierquälerei. Das EU-Parlament sprach sich heute gegen die Methode aus.
Im Meeresboden vergräbt sich allerhand Getier, das Fischer gerne mehr in ihren Fangnetzen sehen würden. Vor allem Schollen und Krabben können sie bisher nur durch schwere Schleppnetze einfangen. Mit Eisenketten pflügen sie dafür gerne mal zentimetertief den Meeresboden um, roden regelrecht den Meeresgrund. Das ist nicht gerade umweltschonend, schließlich wird dabei das empfindliche Ökosystem am Meeresboden stark beeinträchtigt.

Die Elektrofischerei verspricht hier Abhilfe – eine Methode, die in der EU bisher nur für Forschungszwecke in geringem Umfang erlaubt ist. Das Prinzip dabei ist einfach: Schleppnetze und Kescher werden mit Elektroden präpariert. Durch einen Stromgenerator wird ein Gleichstrom erzeugt. Dadurch werden die Fische im Meeresboden aufgeschreckt und in die Netze gescheucht.

Der Meeresboden bleibt unversehrt, den Fischern geht mehr ins Netz
Die Idee leuchtet ein: Der Meeresboden bleibt dabei weitgehend unversehrt. Und es ist effektiv. In Zeiten, in denen schon das Meiste über dem Meeresgrund abgefischt wurde, geht den wirtschaftlich gebeutelten Fischern damit endlich wieder mehr Getier ins Netz. Daher auch die Bestrebung zahlreicher EU-Länder, die Methode großflächig zu erlauben. Die niederländische Landwirtschaftsministerin Carola Schouten hält die Methode gar für "die Zukunft der Fischerei". Sie schone den Meeresboden, sei energieeffizienter und führe zu weniger Beifang.

Vor allem zu Forschungszwecken hatte die EU im Jahr 2007 die Elektrofischerei in begrenztem Umfang erlaubt: Im südlichen Teil der Nordsee dürfen sie seitdem fünf Prozent der Fischereiflotten der EU-Staaten betreiben. Nun wollte die EU-Kommision diese prozentuale Begrenzung aufheben. In der südlichen Nordsee wäre damit die Elektrofischerei komplett freigegeben worden. Heute sprach sich in Straßburg das EU-Parlament klar gegen diesen Vorschlag der EU-Komission aus und folgte damit der Kritik zahlreicher Umweltschützer.

So starke Muskelkrämpfe, dass das Rückenmark durchtrennt wird
So sehr das Ganze nämlich nach einer sauberen Sache klingt - die Methode hat massive Schattenseiten: Kritiker befürchten eine noch größere Überfischung. Und vor allem gibt es Anzeichen, dass die Stromschläge Tiere verletzen können. Bei größeren Fischen wie dem Kabeljau können die Elektroschocks in einigen Fällen so starke Muskelkrämpfe hervorrufen, dass dadurch das Rückenmark durchtrennt werde, kritisieren Umweltschützer.

Um fundiert abzuwägen, ob die Elektrofischerei den Meeren und ihren Bewohnern eher schadet oder nützt, braucht es mehr wissenschaftliche Untersuchungen. Doch Langzeitstudien gibt es bisher nicht. Seit 2016 forscht ein Wissenschaftlerteam im Auftrag des niederländischen Wirtschaftsministeriums an den großflächigen Auswirkungen der Methode. Erst im Jahr 2019 sind hier Ergebnisse zu erwarten. In der Zwischenzeit muss sich nun das EU-Parlament mit dem Rat der EU-Staaten, der in dieser Frage gespalten ist, auf einen Kompromiss einigen.