Mikroplastik © dpa
Alles Plastik, das kleiner als fünf Millimeter ist, wird als Mikroplastik bezeichnet.
Alles Plastik, das kleiner als fünf Millimeter ist, wird als Mikroplastik bezeichnet.
Plastik im Peeling
Der Zusatz von Kunststoff lässt sich erkennen
Die Mehrheit der Verbraucher wünscht sich Kosmetika ohne Mikroplastik. Wer kunststoffhaltige Produkte vermeiden möchte, sollte genau auf die Verpackung schauen.
© dpa Hier ist das Mikroplastik blau eingefärbt.
Hier ist das Mikroplastik blau eingefärbt.
Laut dem Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag von Greenpeace wollen vier von fünf Deutschen kein Plastik in Kosmetika und Pflegeprodukten haben. Die breite Mehrheit erwarte von den Herstellern, dass sie auf Kunststoffe in ihren Produkten verzichten. "Plastik belastet die Meere und hat in Kosmetika nichts verloren", sagte Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. "Umweltministerin Hendricks muss für ein umfassendes Verbot sorgen." Laut Umweltbundesamt gibt es für Mikroplastik unterschiedliche Definitionen. Landläufig versteht man nach Angaben von Greenpeace unter Mikroplastik feste Kunststoffpartikel mit einer Größe von unter fünf Millimetern. Der Begriff sollte aber weiter gefasst werden, so Maack, und auch für flüssige, wachs- und gelartige Kunststoffe verwendet werden.

Nach Angaben von Greenpeace enthalten die meisten konventionellen Kosmetika feste, flüssige oder wachsartige Kunststoffe. Diese gelangten über den Abfluss ungefiltert ins Abwasser und weiter in Flüsse und Meere. Da Plastik biologisch nicht abbaubar sei, zerfalle es in immer kleinere Teilchen. "Im Wasser binden sich an die Partikel Schadstoffe in teils hoher Konzentration, die über die Nahrungskette auch auf unseren Tellern landen", so Maack.

Kanada und Großbritannien zum Beispiel haben Mikroplastik aus Kosmetika verbannt. Das deutsche Umweltministerium setzt bislang auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller. Bis zum Jahr 2020 wollen die Mitglieder des europäischen Kosmetik-Verbands Cosmetics Europe die Verwendung von Mikroplastik in ihren Produkten ausschleichen.

Doch drei von vier Befragten wissen der Umfrage zufolge nicht, wie sie beim Einkauf auf der Verpackung erkennen können, ob ein Produkt Plastik oder Kunststoffe in fester, flüssiger oder anderer Form enthält. Genau so viele Teilnehmer würden solche Produkte nicht kaufen, wenn sie wüssten, dass Kunststoffe enthalten sind. Etwa jeder Fünfte würde dennoch zugreifen. Mikroplastik dient in Pflegeprodukten als Binde- oder Schleifmittel. In gelartiger Form soll es für ein Gefühl der Geschmeidigkeit sorgen.

Die gängigsten Stoffe sind Polyethylen, Polyethylenterephthalat, Polypropylen und Styrol-Acrylat-Copolymer", sagte Marcus Gast, Experte beim Umweltbundesamt für Wasch-, Reinigungs- und kosmetische Mittel. Für die Industrie gebe es die Möglichkeit, bei der Produktion auf Alternativen zu Mikroplastik zurückzugreifen. Verbraucher könnten entsprechende Angebote auf dem Markt finden.Ein Blick auf die Inhaltsstoffe eines Produktes zeigt, ob es Mikroplastik enthält.

Bezeichnungen für Kunststoffe in Kosmetik:
  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmetacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polyethylene (PE)
  • Polyethyleneglycol (PEG)

  • Polyethyleneterephtalate (PET)
  • Polypropylene (PP)
  • Polypropyleneglycol (PPG)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)
  • Siloxane

Codecheck-App erkennt Mikroplastik
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält die freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller für wirkungslos. "Mikroplastikhaltige Kosmetika stellen zwar nur einen kleinen Teil des Plastikproblems in unseren Meeren dar, jedoch ein einfach vermeidbares", erklärt Nadja Ziebarth, Meeresschutzexpertin beim BUND. Mikroplastik in Kosmetika lasse sich durch andere Stoffe, etwa Salz, Sand oder Cellulose, ersetzen. Der Umweltverband verweist auf eine Untersuchung der Verbraucher-Plattform "Codecheck" von rund 103.000 Kosmetikprodukten im Vergleich der Jahre 2014 und 2016. Demnach enthalte nach wie vor jedes dritte untersuchte Gesichtspeeling und mehr als jedes zehnte Körperpeeling Polyethylen.

Der BUND empfiehlt Verbrauchern, auf den Kauf von "Plastik-Kosmetik" zu verzichten. Dabei könne der vom BUND erstellte Einkaufsratgeber oder die "Codecheck"-App helfen. Sie erkenne durch einen Produkt-Scan ab sofort umfassend und basierend auf den Einschätzungen des BUND, ob und welche Art von Mikroplastik enthalten ist und schlage mikroplastikfreie Alternativen vor.

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