Überschwemmung
Die Menschen in der Küstenregion Bangladeschs bekommen den Klimawandel hautnah zu spüren.
Die Menschen in der Küstenregion Bangladeschs bekommen den Klimawandel hautnah zu spüren.
Vor dem Klima fliehen
Getrieben von Überschwemmungen und Dürren
Die Vereinten Nationen rechnen mit bis zu 350 Millionen Klimaflüchtlingen in den kommenden 30 Jahren. Ganze Landstriche werden in Zukunft unbewohnbar sein.
In afrikanischen Ländern machen den Bewohnern extreme Dürren und Überschwemmungen zu schaffen. In pazifischen Inselnationen nagt der steigende Pegel der Ozeane an den Küsten; im Himalaya klagen Bauern über Einbußen bei der Reisernte, weil die Monsunregenfälle zurückgehen. Koko Warner ist im Auftrag der Vereinten Nationen unterwegs. Die Klimatologin beobachtet schon lange die Folgen der Erderwärmung. Ihre Reise durch Bangladesch offenbarte, dass vor allem in der Küstenregion die Menschen den Klimawandel hautnah zu spüren bekommen.

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Überschwemmungen als Folge des Klimawandels
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Dürren treiben Menschen in die Flucht
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Diese Beobachtungen lassen sich durch eine Fülle von Daten belegen - durch eine wissenschaftliche Befragung an der Basis. Warner und ihr Team aus Forschern untersuchte die Situation in neun Entwicklungsländern. Sie interviewten 3200 Haushalte in Bangladesch, Bhutan, Burkina Faso, Äthiopien, Gambia, Kenia, Mikronesien, Mosambik und Nepal. Dabei nahmen sie jeweils eine Region unter die Lupe.

"Es ging uns nicht um eine repräsentative Studie für das komplette Land, sondern um eine beispielhafte Bestandsaufnahme", sagt Warner. Die Untersuchung "Pushed to the Limit" soll zudem zeigen, wie Menschen den Schäden und Verlusten begegnen, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden. Erfolgversprechend scheint demnach eine mit der Bevölkerung vor Ort abgestimmte Kombination aus staatlichen Programmen und lokalen Initiativen.

Inselstaaten im Pazifik besonders gefährdet
Ein weiterer Anstieg der Meeresspiegel wird vor allem jene Inselstaaten treffen, die sich kaum höher als fünf Meter über dem Meeresspiegel befinden und Spiegeleiern oder Pfannkuchen im Ozean gleichen. Klimaforscher weisen schon seit langem darauf hin, dass kleine Inseln und Atolle darunter leiden, dass ihre Küsten wegbrechen und die Böden zunehmend überschwemmt werden. Durch das Salzwasser werde es außerdem immer schwieriger, Gemüse und Obst anzubauen. Auch seien die Trinkwasserressourcen gefährdet.

Wiederholt haben Inselstaaten wie Kiribati, Tuvalu oder die Malediven auf ihre verheerende Situation und ihr drohendes Verschwinden aufmerksam gemacht. Es gab schon Pläne, künstliche Inseln zu schaffen oder ganze Inselgruppen zu evakuieren.

Mit dieser Entwicklung vor Augen kaufte Kiribatis Präsident Anote Tong 20 Quadratkilometer Land auf einer Fidschi-Insel für eine mögliche Umsiedelung der Bevölkerung. Kiribati besteht aus 33 kleinen, flachliegenden Inseln und hat eine Bevölkerung von 113.000 Einwohnern. Seine Landsleute sollten nicht als Flüchtlinge betrachtet werden, sondern als Einwanderer, die bestimmte Fähigkeiten zu bieten hätten. "Eine Auswanderung mit Würde" nannte es Tong. Dass seine Heimat noch zu retten ist, glaubt Kiribatis Präsident im Gegensatz zu manchen Fachleuten offensichtlich nicht.

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