Mann ist Fleisch
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Die deutschen greifen lieber zum Fleisch als zum Veggie-Produkt.
Lust auf Fleisch mit fatalen Folgen
Hoher Konsum in Deutschland überfordert die Ressourcen
Jeder Deutsche verzehrt im Durschnitt 1100 Gramm Fleisch pro Woche und verbraucht damit 1800 Quadratmeter Ackerfläche. Das ist viel im Vergleich.
Der Fleischverbrauch beträgt pro Kopf und Jahr 88,3 Kilogramm. Zieht man den Knochenanteil ab, verzehrt jeder Bürger in Deutschland 60,3 Kilo Fleisch - zu zwei Dritteln vom Schwein. Der Pro-Kopf-Verbrauch übersteigt den weltweiten Durchschnitt um das Doppelte - und den Indiens sogar um das 20-fache. 2015 war mit 8,22 Millionen Tonnen ein Rekordjahr. Umgerechnet bedeutet das, dass hierzulande jährlich 59 Millionen Schweine geschlachtet werden.

Damit überfordert der Mensch die Ressourcen unseres Planeten. Der symbolische Erdüberlastungs- oder Welterschöpfungstag fiel 2016 auf den 8. August. An diesem Tag hatte sie nach Berechnungen von Forschern alle Ressourcen aufgebraucht, welche die Erde dieses Jahr ersetzen könnte - und überzieht dann bildlich gesprochen für den Rest des Jahres das ihr eigentlich zur Verfügung stehende natürliche Budget. Der Tag verlagert sich weiter nach vorn. Fiel er 2015 auf dem 13. August, ist es nun schon der 8. August. Machte die Menschheit weiter wie bisher, würde der Tag 2030 vor allem wegen steigender Kohlendioxidemissionen am 28. Juni sein.

In Südamerika wachsen die Anbauflächen für energiereiche Sojabohnen, die als Tierfutter in alle Welt verschifft werden. Das gehe auf Kosten des Regenwalds und entziehe ansässigen Kleinbauern die Lebensgrundlage, heißt es im "Kritischen Agrarbericht". Auf 70 Prozent der weltweiten Anbaufläche wachse inzwischen Tierfutter, kritisiert Reinhild Bennings vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Sie gesteht aber zu, dass sich nicht jede Weide zu Ackerland umbrechen lässt - etwa in der Steppe. Dennoch: Auch Mais und Weizen würden immer häufiger zu Tierfutter, moniert der "Fleischatlas": "Sie wären effizienter direkt als Nahrung für die Menschen zu verwenden."

Deutschland produziert mehr Fleisch als das Land braucht
In deutschen Ställen werden deutlich mehr Tiere gezüchtet und Fleisch produziert, als die Bürger verzehren. Der Selbstversorgungsgrad mit Fleisch erreichte 2015 mit 122 Prozent einen neuen Rekord, wie aus einer Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht. Zehn Jahre zuvor habe die Quote mit 99 Prozent noch dem tatsächlichen Konsum entsprochen.

Grund für die Entwicklung ist demnach die stark gestiegene Fleischproduktion durch Massentierhaltung und den Export, der sich seit 2005 von 2,3 Millionen Tonnen auf vier Millionen Tonnen fast verdoppelt hat. Deutschland ist nach den USA und Brasilien der weltweit größte Fleischexporteur.

Deutschland ist ein "Exportland von Billigfleisch"
Weil der heimische Markt gesättigt ist, setzt die deutsche Ernährungsindustrie auf die steigende Nachfrage im Ausland. Jährlich freuen sich Bauern und Weiterverarbeiter über wachsende Exporte. Dafür haben sie in den vergangenen Jahren Millionen neuer Mastplätze gebaut - vor allem für Schweine, Hähnchen und Puten. Deutschland habe sich zum "Exportland von Billigfleisch" entwickelt, kritisiert der Eberswalder Agrarökonom Bernhard Hörning. "Billigfleisch aus Deutschland ist ein Mythos", hält Bauernverbands-Generalsekretär Bernhard Krüsken dagegen. Die Preise lägen über dem EU-Durchschnitt. Zudem gingen drei Viertel der Exporte in EU-Länder.

Fleisch enthält zwar wertvolle Nährstoffe, wie es in den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung heißt. Der Entwurf des Klimaschutzplans 2050 des deutschen Umwelttministeriums schlägt zur Mitte des Jahrhunderts eine Reduzierung des Fleischkonsums vor. Auch die Ernährungskampagne "In Form" der Bundesregierung rät: "Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche essen." Das entspricht einer Jahresmenge zwischen 15 und 31 Kilogramm - was bedeuten würde, dass die Deutschen ihren Verbrauch mindestens halbieren müssten. Gesundheitsfördernd und nachhaltig ernährt sich demnach, wer überwiegend pflanzliche Lebensmittel isst.

Fleischverzicht
Es geht auch ohne
Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) können Vegetarier aus wissenschaftlicher Sicht alle Stoffe ersetzen, die das Fleisch angeblich unverzichtbar machen.
Jetzt auch in der EU
Es krabbelt im Kochtopf
Seit 2018 sind Insekten auch in der EU als Lebensmittel erlaubt. Aber wie sicher und sinnvoll ist es, Insekten zu essen?