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Peter Neumann Video
Peter Neumann forscht für gesunde Bienen. (Beitrag vom 22. Februar 2016)
Immer mehr Beweise
Neonicotinoide verursachen chronische Effekte
Der flächendeckende, vorbeugende Einsatz von Neonicotinoiden schadet Honigbienen und wildlebenden Insekten. So lautet das Ergebnis einer europaweiten Metastudie.
"Es gibt klare Beweise, dass bereits geringste Mengen Neonicotinoide solche chronischen Effekte auf Nützlinge haben können", sagt der Berner Professor Peter Neumann. Die Studie "Academies Review insecticide harm" der Organisation "European Academies Science Advisory Council"(EASAC) zeigt, dass sich der vorbeugende Neonicotionoid-Einsatz unter anderem in einem frühen Tod von Königinnen und einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Wildbienen auswirkt. Der Studie zufolge sind nicht nur Honigbienen, sondern auch Motten und Schmetterlinge betroffen, die ebenfalls Pflanzen bestäuben. Auch auf insektenfressende Vögel hätten die Pestizide Auswirkungen. Da immer mehr Nutzpflanzen benötigt werden, die auf Bestäubung angewiesen sind, gibt es der Studie zufolge ein zunehmendes "Bestäubungs-Defizit".

In dem Bericht werden die Befunde einer Expertengruppe von 13 Forschern zusammengefasst. Das Netzwerk berät Entscheidungsträger in der EU. Die EU-Kommission überprüft bis Dezember 2015 die vor zwei Jahren verhängten Beschränkungen für die Pflanzenschutzmittel, die überwiegend von Bayer aus Leverkusen und Syngenta aus der Schweiz produziert werden. Die Mittel werden in mehr als 120 Ländern eingesetzt.

Neonicotinoide wirken auf Bienen wie eine Droge
Bienen fliegen auf bestimmte Pflanzenschutzmittel: Sie meiden mit Neonicotinoiden behandelte Pflanzen nicht etwa, sondern steuern sie wohl sogar bevorzugt an. Beim Sammeln von Nektar und Pollen könnten sie deshalb mehr von den Schadstoffen aufnehmen als bisher angenommen, so Forscher aus Großbritannien und Irland. In einer zweiten Studie fanden schwedische Wissenschaftler, dass die Mittel Wachstum und Vermehrung von Wildbienen und Hummeln beeinträchtigen können.

"Neonicotinoide steuern im Nervensystem von Bienen die gleichen Mechanismen an wie Nikotin im Gehirn von Menschen", erläutert die Studienleiterin Geraldine Wright von der Universität Newcastle. "Die Tatsache, dass die Bienen eine Vorliebe für Neonicotinoid-belastete Nahrung haben, ist besorgniserregend, weil es vermuten lässt, dass die Neonicotinoide ähnlich wie Nikotin als Droge wirken und solche Nahrung besonders belohnend wirkt."

Die Forscher folgern, dass es nicht ausreicht, um Felder herum einen Streifen mit Futteralternativen für die Bienen zu pflanzen. Die Einschränkung der Neonicotinoid-Verwendung sei womöglich der einzige Weg, den Rückgang der Bestäuber-Populationen aufzuhalten. Risiken und Nutzen dieser Insektizide müssten genau abgewogen und Alternativen sorgfältig geprüft werden, heißt es in einem Kommentar zu den Ergebnissen.

Anwendung von Neonicotinoiden eingeschränkt
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Die drei verbotenen Mittel stehen im Verdacht, schädlich für Bienen zu sein (Beitrag vom 29. April 2013)
Gegenwärtig gibt es ein EU-weites Moratorium für die drei verbreitetsten Neonicotinoide, das ihre Anwendung zunächst bis Ende 2015 stark einschränkt. Es handelt sich um synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von Pflanzenschädlingen eingesetzt werden. Wird das Saatgut damit behandelt, verteilen sich die Mittel beim Wachstum auf die gesamte Pflanze, sind also später auch im Pollen und Nektar zu finden.

In der Vergangenheit lieferten mehrere Studien Hinweise darauf, dass die Mittel die Bienen beeinträchtigen, etwa indem sie ihr Lernvermögen und ihre Orientierungsfähigkeit stören. Die Neonicotinoide könnten damit auch zum gegenwärtig beobachteten Bienensterben beitragen, fürchten Experten.

Diese Befürchtungen waren Anlass für das Moratorium, das am 1. Dezember 2013 in Kraft trat. Die Anwendung der Neonicotinoide Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin wurde damit vorübergehend stark eingeschränkt, um in weiteren wissenschaftlichen Studien das Gefährdungspotenzial genauer zu prüfen. Kritiker des Moratoriums führten unter anderem an, dass in Laborstudien zu hohe Konzentrationen der Neonicotinoide eingesetzt wurden und dass die Bienen im Freiland vermutlich auf andere Pflanzen auswichen.

Diese Annahme prüften die Forscher um Sébastien Kessler von der Newcastle University (Newcastle upon Tyne / Großbritannien). Sie boten Hummeln und Honigbienen eine reine Zuckerlösung und eine mit Neonicotinoiden versetzte als Nahrung an. Die Wirkstoff-Konzentration lag dabei in Höhe der im Freiland in Nektar und Pollen zu findenden.

Die Insekten mieden die Wirkstoffe in den Versuchen nicht, fanden die Forscher. Im Gegenteil: Zwei der drei in den Zuckerlösungen eingesetzten Neonicotinoide waren offenbar besonders attraktiv für die Bienen. Sie naschten davon lieber als von der puren Zuckerlösung. In einer ergänzenden Analyse zeigten die Forscher, dass die Bienen die Neonicotinoide nicht schmecken können, die Bevorzugung also eine andere Ursache haben muss.

In der zweiten Studie gingen Forscher um Maj Rundlöf von der Universität Lund in Schweden der Frage nach, ob die hauptsächlich in Laborstudien festgestellte Gefährdung der Bienen auch im Freiland nachzuweisen ist. In Südschweden legten sie 16 Versuchsflächen an. Auf acht wurde Raps ausgesät, dessen Samen mit einem Neonicotinoid-haltigen Insektizid und einem Fungizid behandelt worden waren. Auf den anderen acht wurde nur das Fungizid eingesetzt.

Wirkung ist nicht bei allen Bienenarten gleich
Einige Ergebnisse: Dort, wo das Insektizid verwendet wurde, wuchsen und vermehrten sich Hummeln und Wildbienen schlechter. Weibchen der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis), die in Nestern neben Insektizid-belasteten Feldern herangewachsen waren, legten keine neuen Brutzellen an. Honigbienen-Kolonien gediehen hingegen an den belasteten Feldern genauso gut wie an den unbelasteten.

Möglicherweise könnten sie die toxische Substanz besser entgiften, schreiben die Wissenschaftler. Über mögliche Langzeitfolgen sage das jedoch nichts aus. Bei der Beurteilung der Neonicotinoide sollten nicht nur Honigbienen als Modellorganismen eingesetzt werden, da sie möglicherweise anders reagieren als andere Bienen.

Die Studien erweiterten das Wissen über die Risiken der Neonicotinoide, es blieben aber zahlreiche Wissenslücken, schreiben Nigel Raine von der Universität Guelph in Kanada und Richard Gill vom Imperial College London in ihrem Kommentar. So müsse weiter erforscht werden, wie Rückstände im Boden auf dort lebende Bienen wirken und ob die Neonicotinoide auch andere Bestäuber-Insekten beeinflussen. Alternativen zu diesen Insektiziden müssten sorgfältig geprüft werden, um nicht unbeabsichtigt vielleicht noch gefährlichere Stoffe einzusetzen.

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Das Landgericht Düsseldorf hat den Umweltschützern vom BUND recht gegeben (Beitrag vom 11. März 2015)
Neonicotinoid-haltige Mittel werden unter anderem von den Chemiekonzernen Bayer CropScience und Syngenta hergestellt. Sie warnen davor, dass Verbote zu deutlichen Einbußen bei der Ernte führen. Umweltschützer kritisieren, dass auf bestimmten Insektizid-Verpackungen der Aufdruck "nicht bienengefährlich" stehe. In diesem Zusammenhang entschied das Düsseldorfer Landgericht kürzlich, dass der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) weiter behaupten darf, zwei von Bayer hergestellte Produkte mit dem Neonicotinoid-Wirkstoff Thiacloprid seien schädlich für Bienen. Bayer verzichtete darauf, gegen dieses Urteil Berufung einzulegen.

Neonicotinoide bedrohen auch andere Tiere
Pestizide, allen voran Neonicotinoide und das Insektizid Fipronil, bedrohen nicht nur Bienen, sondern auch andere Tiere wie Schmetterlinge, Vögel, Fische und Regenwürmer, und gefährden die Grundlage der weltweiten Lebensmittelproduktion. Dies belegt eine Studie, für die 29 Forscher aller Kontinente und verschiedener Fachrichtungen rund 800 Einzelstudien der letzten zwei Jahrzehnte auswerteten.

"Die Beweise sind eindeutig. Wir sind Zeuge einer Bedrohung der Produktivität unserer natürlichen und landwirtschaftlichen Umwelt, vergleichbar mit der Gefahr durch DDT", sagte Jean-Marc Bonmatin, einer der Autoren. Die Wissenschaftler fordern die Regulierungsbehörden auf, mehr Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und die Regelungen für Neonicotinoide und Fipronil zu verschärfen. Weitere Maßnahmen seien notwendig, um ihre Nutzung zu beenden oder zumindest stark einzuschränken.

nano spezial
Bienen im Dauerstress
Den Bienen geht es schlecht. Die Hauptursachen: Nahrungsmangel, Pestizide, Varroamilben. Abhilfe ist dringend. Denn die Menschen sind auf die kleinen Bestäuber angewiesen.
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© AlbinAnderssonVideo Lecker Pestizide
Bienen fliegen auf bestimmte Pflanzenschutzmittel: Sie meiden mit Neonicotinoiden behandelte Pflanzen nicht etwa, sondern steuern sie wohl sogar bevorzugt an. (Beitrag 23. April 2015)
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© dpaVideo Massive Kritik an Pestizid-Studie
Eine Studie zur Unbedenklichkeit des Pestizids Thiamethoxam weist Verstöße gegen die Regeln der Wissenschaft auf. (Beitrag vom 16. Juli 2014)
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© dpaVideoGiftig für Bienen
Pflanzenschutzmittel aus der Klasse der Neonicotinoide stellen nach Angaben der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) ein Risiko für Bienen dar. (Bericht vom 18. Januar 2013)
Literatur
Peter Campbell et al (2013)A Four-Year Field Program Investigating Long-Term Effects of Repeated Exposure of Honey Bee Colonies to Flowering Crops Treated with Thiamethoxam.Doi: 10.1371/journal.pone.0077193 J.-M. Bonmatin et al (2014)Worldwide Integrated Assessment on the risks of neonicotinoids and fipronil to biodiversity and ecosystem functioning.Doi 10.1007/s11356-014-3229-5(PDF-Datei) Kessler S et al (2015) Bees prefer foods containing neonicotinoid pesticides. Nature Doi:10.1038/nature14414Rundlöf M et al (2015) Seed coating with a neonicotinoid insecticide negatively affects wild bees. Nature Doi:10.1038/nature14420Raine N & Gill R (2015) Tasteless pesticides affect bees in the field. Nature Doi:10.1038/nature14391Peter Neumann (2015) Academies Review insecticide harm, Nature 520, Doi: 10.1038/520157a