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Fleece Video
Fleece trägt dazu bei, Flüsse und Meere mit Mikroplastik zu verschmutzen
Der Fleece-Effekt
Kunststoffabrieb landet als Mikroplastik im Meer
Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Nur eine teure Schlussfiltration kann die Belastung reduzieren, sagen Bremerhavener Meeresforscher.
Einige dieser winzigen Partikel stammen direkt aus Zahnpasta, Duschgels oder Kosmetika mit Peeling-Effekt. Andere sind Bruchstücke und Fasern, die durch Abrieb und Zersetzung von Plastikgegenständen oder Fleecepullovern entstehen.

Forscher erkunden Mikroplastik im Neckar
Forscher hält Glas Video
Bayreuther Forschern gefällt gar nicht, was sie aus dem Wasser ziehen
Allein in Europa treiben mehr als zehn Millionen Tonnen Kunststoff in den Binnengewässern. Die winzigen Müllpartikel könnten auch für die Menschen gefährlich sein. Man habe früher angenommen, dass diese Partikel von den Flüssen restlos ins Meer getragen würden, doch das stimme nicht, sagt der Bayreuther Tierökologe Prof. Christian Laforsch. Große Mengen von Mikroplastik setzen sich am Grund und am Ufer ab oder schwimmen unsichtbar knapp unter der Wasseroberfläche.

Er und sein Team untersuchen die Flüsse im Südwesten Deutschlands auf unsichtbares Mikroplastik. An 22 Messstellen im Land wollen sie Proben nehmen und im Labor auf Mikroplastik analysieren. Die ersten Ergebnisse aus der Analyse werden im Herbst 2015 erwartet. Erst dann wird sich zeigen, wie schädlich die heimische Barbe und die Forelle aus Rhein, Neckar und dem Bodensee durch den mikroskopischen Müll für die Menschen sind.

Kügelchen gelangen aus Kosmetik in Lebensmittel
Kosmetikprodukte © dpa Video
Kleine Partikel - große Wirkung: Mikroplastik gefährdet Mensch und Umwelt (Beitrag vom 29. Januar 2015)
"Mikroplastik ist Teil eines globalen Umweltproblems", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. So gelangten winzige Plastikabfälle in die Umwelt. "Wir brauchen viele unterschiedliche Maßnahmen, je nach Region und Stand der Abfallentsorgung." Laut UBA werden deutschlandweit 500 Tonnen Mikroplastik jährlich in Kosmetika eingesetzt. Das Problem gehe jedoch weit über diesen Bereich hinaus. Große Sorge bereitet auch "sekundäres Mikroplastik", dass durch die Zersetzung von Plastiktüten oder Reifenabrieb entsteht und ebenso wie die Rückstände bei Kosmetika in Umwelt und Gewässer gelangt.

Nach Angaben eines UBA-Sprechers bestehen drei Viertel der Meeresabfälle aus Kunststoffen. Die Aufnahme von Kunststoffen sei bei über 250 marinen Arten nachgewiesen. Die Aufnahme von Mikroplastik umfasse alle Artengruppen, "wobei Fische, Seevögel und marine Säugetiere Mikroplastik auch sekundär über ihre Nahrung aufnehmen können".

Im Schnitt waren in einem Kubikmeter Abwasser 86 bis 714 Partikel enthalten, im Klärschlamm 1000 bis über 24.000 Teilchen je Kilo. Nur eine teure Schlussfiltration, beispielsweise durch Tuchfilter, könne die Belastung massiv reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergab.

Das Bundesumweltministerium teilte mit, man führe seit 2013 Gespräche mit den Herstellerfirmen und deren Verbänden über einen raschen Ausstieg aus der Verwendung von Mikroplastik in Kosmetik. Die genaue Dimension der Risiken und Gefahren ist noch unklar - das UBA intensiviert die Forschungsbemühungen hierzu. Für Verbraucher gilt: Die Produktangaben bei Kosmetika genau lesen.

Die Partikel gelangen in andere Lebensmittel
Video
Mikroplastik kann über Pflegeprodukte in Lebensmittel gelangen (nano-Beitrag vom 14. Januar 2014)
Auch Lebensmittel wie Trinkwasser oder Honig sind durch mikroskopisch kleine Kugeln aus Plastik verunreinigt. Sie könnten aus Pflegeprodukten stammen. Das berichtete das ARD-Magazin "Plusminus" am 9. Januar 2014. Das Mikroplastik gelange über das Abwasser in die Umwelt und verteile sich dort. Experimente an Miesmuscheln hätten gezeigt, dass die Partikel sich im Gewebe einlagern. Dort bildeten sich dem Bericht zufolge anschließend Entzündungen.

Die zumeist aus Polyethylen hergestellten Mikroplastik-Teilchen sollen laut ARD den Produkten zu einem mechanischen Reinigungseffekt verhelfen. Unter anderem würden die Mikroplastik-Teilchen in Pflegemitteln mit Peelingeffekt und speziellen Zahncremes eingesetzt. Bei manchen Produkten betrage der Anteil der Plastikkügelchen am Gesamtinhalt bis zu zehn Prozent.

"Wir können davon ausgehen, dass das Mikroplastik überall in der Atmosphäre zu finden ist", zitierte das TV-Magazin den Forscher Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg. Vermutet wird dem Bericht zufolge, dass das Plastik über die Luft auch in Lebensmittel gelangt. Liebezeit fand demnach in 19 untersuchten Honigen Fasern und Plastikfragmente, in vier Proben befanden sich außerdem Plastikkügelchen. Auch in Regenwasser sei Plastikmaterial entdeckt worden, wie es in Kosmetika verwendet wird.

"Die Verwendung von Plastikteilchen in Kosmetik- und Reinigungsprodukten sollte verboten werden", forderte Liebezeit. Das Umweltbundesamt erklärte auf Anfrage des Magazins, dass bereits Forschungsaufträge vergeben worden seien, um die Auswirkungen des Mikroplastiks auf die Umwelt zu untersuchen. Die Behörde erklärte weiter, dass es eines freiwilligen zeitnahen Ausstiegs aus der Verwendung von Mikroplastik bedürfe. Die Hersteller der Pflegemittel räumten einen Handlungsbedarf ein. Sie kündigten an, in naher Zukunft auf den Einsatz von Plastik in ihren Produkten verzichten zu wollen. Einige Hersteller haben darauf reagiert: In den Produkten "Max White One" und "elmex sensitive" von Colgate-Palmolive sind nach Herstellerangaben vom Januar 2015 keine Mikroplastikpartikel mehr enthalten.

Über Kleintiere und Fische in den Menschen
"Plastik ist per se kein Schadstoff", sagt Laforsch. Aber je kleiner die Partikel sind, desto höher sei die Chance, dass sie von Würmern, Schnecken und Wasserflöhen aufgenommen werden. Über den Nahrungskreislauf gelangen sie dann in die Mägen und schließlich in das Gewebe von Fischen - und schließlich in den Organismus des Menschen.

Mikroplastik könne im Verdauungstrakt zu Entzündungen und Blutungen führen oder toxische Stoffe sowie Krankheitserreger transportieren. Die Auswirkungen von Kunststoffpartikeln auf die Gesundheit von Menschen und Tieren seien bislang noch zu wenig erforscht. Doch die möglichen Gefahren seien Anlass genug, flächendeckend Untersuchungen anzustellen, mahnt Laforsch.

"Eine gewaltige Menge"
Meere voller Plastik
2010 gelangten acht Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane. Die Länder, aus denen der meiste Müll stammt, sind China, Indonesien, die Philippinen, Vietnam und Sri Lanka.
Glossar
Kunststoff
Fast alle Alltagsgegenstände bestehen zumindest teilweise aus Kunststoffen. Der am häufigsten hergestellte Kunststoff ist Polythen, das in Plastiktüten oder Mülltonnen steckt.
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