Fleece
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Mikroplastik aus unserer Kleidung gelangt überall hin - selbst in die Mägen von Vögeln.
Der Fleece-Effekt
Kunststoffabrieb landet als Mikroplastik selbst in der Arktis
Alle europäischen Meere sind bis hinunter in die Tiefseegräben mit Plastikmüll und anderen Abfällen verschmutzt - bis in die Arktis und dem mittelatlantischen Rücken.
"Wir waren sehr überrascht, wie weit sich unser Müll in den Meeren schon verbreitet hat", erklärte die Bremerhavener Meeresbiologin Melanie Bergmann. Sie und ihre Kollegen untersuchten 32 verschiedene Regionen im Nordost-Atlantik, im Arktischen Ozean und im Mittelmeer. Der Plastikmüll ist demnach bereits bis weit nach Norden in die Arktis vorgedrungen und findet sich dort in großen Wassertiefen, über die selbst den Experten noch sehr wenig bekannt ist. "Der Müll hat scheinbar schon lange vor uns diesen unbekannten Teil der Erde erreicht", teilte Bergmann mit. Das stimme "schon traurig".

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Fleece trägt dazu bei, Flüsse und Meere mit Mikroplastik zu verschmutzen.
Insgesamt sichteten die Forscher unter Federführung von Christopher Pham von der Universität der Azoren (Portugal) 588 Videoaufnahmen und Schleppnetzproben aus allen Meereszonen von der flachen Küstenzone bis in Tiefen von unter 4500 Meter. Dabei entdeckten sie überall Abfälle wie Fischernetze, Glasflaschen oder Metall. "Die häufigste Müllsorte, die wir gefunden haben, war jedoch Plastik", erklärte Pham. Die größten Mengen entdeckten die Experten in der Nähe von Ballungszentren und in den Tiefseegräben - große Schluchten im Meeresboden, die flachere Zonen mit der Tiefsee verbinden. Durch sie treibt Müll von den Küsten hinab. Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Nur eine teure Schlussfiltration kann die Belastung reduzieren, sagen Bremerhavener Meeresforscher. Einige dieser winzigen Partikel stammen direkt aus Zahnpasta, Duschgels oder Kosmetika mit Peeling-Effekt. Andere sind Bruchstücke und Fasern, die durch Abrieb und Zersetzung von Plastikgegenständen oder Fleecepullovern entstehen.

Kügelchen gelangen aus Kosmetik in Lebensmittel
Kosmetikprodukte © dpa
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Kleine Partikel - große Wirkung.
"Mikroplastik ist Teil eines globalen Umweltproblems", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. So gelangten winzige Plastikabfälle in die Umwelt. "Wir brauchen viele unterschiedliche Maßnahmen, je nach Region und Stand der Abfallentsorgung." Laut UBA werden deutschlandweit 500 Tonnen Mikroplastik jährlich in Kosmetika eingesetzt. Das Problem gehe jedoch weit über diesen Bereich hinaus. Große Sorge bereitet auch "sekundäres Mikroplastik", dass durch die Zersetzung von Plastiktüten oder Reifenabrieb entsteht und ebenso wie die Rückstände bei Kosmetika in Umwelt und Gewässer gelangt. Nach Angaben eines UBA-Sprechers bestehen drei Viertel der Meeresabfälle aus Kunststoffen. Die Aufnahme von Kunststoffen sei bei über 250 marinen Arten nachgewiesen. Die Aufnahme von Mikroplastik umfasse alle Artengruppen, "wobei Fische, Seevögel und marine Säugetiere Mikroplastik auch sekundär über ihre Nahrung aufnehmen können".

Im Schnitt waren in einem Kubikmeter Abwasser 86 bis 714 Partikel enthalten, im Klärschlamm 1000 bis über 24.000 Teilchen je Kilo. Nur eine teure Schlussfiltration, beispielsweise durch Tuchfilter, könne die Belastung massiv reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergab.

Das Bundesumweltministerium teilte mit, man führe seit 2013 Gespräche mit den Herstellerfirmen und deren Verbänden über einen raschen Ausstieg aus der Verwendung von Mikroplastik in Kosmetik. Die genaue Dimension der Risiken und Gefahren ist noch unklar - das UBA intensiviert die Forschungsbemühungen hierzu. Für Verbraucher gilt: Die Produktangaben bei Kosmetika genau lesen.

Die Partikel gelangen in Lebensmittel

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Mikroplastik kann über Pflegeprodukte in Lebensmittel gelangen.
Auch Lebensmittel wie Trinkwasser oder Honig sind durch mikroskopisch kleine Kugeln aus Plastik verunreinigt. Sie könnten aus Pflegeprodukten stammen. Das berichtete das ARD-Magazin "Plusminus" am 9. Januar 2014. Das Mikroplastik gelange über das Abwasser in die Umwelt und verteile sich dort. Experimente an Miesmuscheln hätten gezeigt, dass die Partikel sich im Gewebe einlagern. Dort bildeten sich dem Bericht zufolge anschließend Entzündungen. Die zumeist aus Polyethylen hergestellten Mikroplastik-Teilchen sollen laut ARD den Produkten zu einem mechanischen Reinigungseffekt verhelfen. Unter anderem würden die Mikroplastik-Teilchen in Pflegemitteln mit Peelingeffekt und speziellen Zahncremes eingesetzt. Bei manchen Produkten betrage der Anteil der Plastikkügelchen am Gesamtinhalt bis zu zehn Prozent.

"Wir können davon ausgehen, dass das Mikroplastik überall in der Atmosphäre zu finden ist", zitierte das TV-Magazin den Forscher Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg. Vermutet wird dem Bericht zufolge, dass das Plastik über die Luft auch in Lebensmittel gelangt. Liebezeit fand demnach in 19 untersuchten Honigen Fasern und Plastikfragmente, in vier Proben befanden sich außerdem Plastikkügelchen. Auch in Regenwasser sei Plastikmaterial entdeckt worden, wie es in Kosmetika verwendet wird.

"Die Verwendung von Plastikteilchen in Kosmetik- und Reinigungsprodukten sollte verboten werden", forderte Liebezeit. Das Umweltbundesamt erklärte auf Anfrage des Magazins, dass bereits Forschungsaufträge vergeben worden seien, um die Auswirkungen des Mikroplastiks auf die Umwelt zu untersuchen. Die Behörde erklärte weiter, dass es eines freiwilligen zeitnahen Ausstiegs aus der Verwendung von Mikroplastik bedürfe. Die Hersteller der Pflegemittel räumten einen Handlungsbedarf ein. Sie kündigten an, in naher Zukunft auf den Einsatz von Plastik in ihren Produkten verzichten zu wollen. Einige Hersteller haben darauf reagiert: In den Produkten "Max White One" und "elmex sensitive" von Colgate-Palmolive sind nach Herstellerangaben vom Januar 2015 keine Mikroplastikpartikel mehr enthalten.

Über Kleintiere und Fische in den Menschen

"Plastik ist per se kein Schadstoff", sagt Laforsch. Aber je kleiner die Partikel sind, desto höher sei die Chance, dass sie von Würmern, Schnecken und Wasserflöhen aufgenommen werden. Über den Nahrungskreislauf gelangen sie dann in die Mägen und schließlich in das Gewebe von Fischen - und schließlich in den Organismus des Menschen.

Mikroplastik könne im Verdauungstrakt zu Entzündungen und Blutungen führen oder toxische Stoffe sowie Krankheitserreger transportieren. Die Auswirkungen von Kunststoffpartikeln auf die Gesundheit von Menschen und Tieren seien bislang noch zu wenig erforscht. Doch die möglichen Gefahren seien Anlass genug, flächendeckend Untersuchungen anzustellen, mahnt Laforsch.

Mediathek
VideoForscher erkunden Mikroplastik im Neckar
Allein in Europa treiben mehr als zehn Millionen Tonnen Kunststoff in den Binnengewässern. Die winzigen Müllpartikel könnten auch für die Menschen gefährlich sein. (Beitrag vom 16. März 2015)
Plastikmüll im Meer
Visionen statt Erfolge
Plastikmüll lässt sich aus den Ozeanen nicht entfernen: "Es wäre viel sinnvoller zu verhindern, dass Plastikmüll ins Meer gelangt", sagt der Kieler Ökologe Dr. Mark Lenz.
Glossar
Kunststoff
Fast alle Alltagsgegenstände bestehen zumindest teilweise aus Kunststoffen. Der am häufigsten hergestellte Kunststoff ist Polythen, das in Plastiktüten oder Mülltonnen steckt.
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