Küken
BeitragBeitrag
Bio-Brütereien in Österreich ziehen auch die männlichen Küken auf.
Bio-Küken dürfen leben
Zwei Brütereien in Österreich sorgen für das Überleben der Hähne
Kaum geschlüpft werden männliche Küken in Deutschland und der Schweiz getötet. Wie es anders geht, zeigt Österreich. Zumindest im Bio-Bereich dürfen die Hähne weiterleben.
Hühner legen Eier und setzen gut Fleisch an. Das ist bei den Hähnen anders, dadurch sind sie für die Wirtschaft nutzlos. 2,4 Millionen Küken vergast die Schweizer Eierindustrie jedes Jahr. In Deutschland sollen im vergangenen Jahr 48 Millionen männliche Küken getötet worden sein, mehr als je zuvor. Sie wurden vergast und geschreddert. In Österreich geht man im Bio-Bereich neue Wege und zieht die Hähne auf. Auch wenn sie weniger Fleisch liefern, werden sie geschlachtet und verkauft. Dies geht allerdings nicht ohne eine "Querfinanzierung" über das Ei.

Deutschland schreddert weiter
© ap
VideoVideo
Das falsche Geschlecht ist ein Todesurteil.
In Deutschland hat der deutsche Tierschutzbund die Bundesregierung schon mehrfach aufgefordert, das massenhafte Töten männlicher Eintagsküken zu verbieten. Doch trotz anhaltender Kritik an der Massentötung ist die große Koalition in Deutschland gegen ein gesetzliches Verbot. CDU/CSU und SPD stimmten am 17. März 2016 gegen entsprechende Forderungen der Opposition. "Tierwohl verbessern geht nicht mit der Brechstange und mit Verboten, sondern nur gemeinsam mit den Tierhaltern", sagte der CDU-Abgeordnete Dieter Stier, "sonst verlagern wir die Tierhaltung ins Ausland." Ähnlich sieht es die Judikative: Das Landgericht Münster hat eine Klage der Staatsanwaltschaft wegen des Tötens männlicher Küken abgelehnt. Wie das Gericht am 9. März 2016 mitteilte, hat sich die beschuldigte Kükenbrüterei im Münsterland nicht strafbar gemacht. Zwar sehe das Tierschutzgesetz eine Strafe vor, wenn Tiere "ohne vernünftigen Grund" getötet würden. Dem stehe aber die Tierschutzschlachtverordnung aus dem Jahr 2012 entgegen. Dieser Erlass regele die zulässigen Tötungsformen für Eintagsküken. Außerdem liegt nach Ansicht des Gerichts ein vernünftiger Grund für die Tötung vor.

Rechtzeitiges Aussortieren soll das Vorgehen stoppen
Küken auf Fließband © reuters Für die Hälfte aller Küken endet das Leben nach dem Schlüpfen.
Für die Hälfte aller Küken endet das Leben nach dem Schlüpfen.
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) setzt auf die Entwicklung eines wissenschaftlichen Verfahrens, bei dem das Geschlecht vor dem Ausbrüten der Eier erkannt wird, so dass männliche Küken erst gar nicht schlüpfen. Damit soll die Kükentötung bereits 2017 aufhören. Der Koalitionspartner SPD unterstützt das Vorhaben, pocht aber darauf, dass es sich dabei lediglich um eine Übergangslösung handelt. Nach Angaben der Universität Leipzig wird für die Geschlechtsbestimmung im Ei die Nah-Infrarot-Raman-Spektroskopie verwendet. Dabei werden die Geschlechtschromosomen gemessen, die bei männlichen und weiblichen Küken unterschiedlich groß sind. Sie lassen sich am bebrüteten Ei schon nach drei Tagen in kleinen Blutgefäßen nachweisen. Danach könnten Brütereien die Eier mit männlichen Küken aussortieren und sie für andere Zwecke, etwa zum Herstellen von Tierfutter, verwenden.

Schmidt zufolge soll bis Ende 2016 ein Geräte-Prototyp entwickelt werden, der in der Agrarindustrie eingesetzt werden kann. Damit soll es möglich werden, das Geschlecht im Ei in weniger als zehn Sekunden zu bestimmen. Schmidt appellierte an die Unternehmen, ihrerseits einen Beitrag für einen Stopp des Kükentötens zu leisten. Sie müssten in der Folge in die serienmäßige Entwicklung von Geräten investieren und diese sukzessive einsetzen, sagte Schmidt. Sein Ziel ist es, dass das Töten 2017 aufhört.

Mediathek
VideoRasse statt Massentod
Eine Geflügelfarm bei München setzt auf eine alte Hühnerrasse - bei ihr legen die Hühner viele Eier und auch die Hähnchen bringen noch genug Fleisch. (Bericht vom 8. Januar 2014)
Geflügelimporte aus Europa
Resteverwertung
Geflügelzüchter in afrikanischen Ländern können im eigenen Land kaum noch verkaufen, weil Geflügelabfall aus der EU und den USA die Preise ruiniert.
Bio-Eier mit Ökomängeln
Nicht immer artgerecht
Die Tierschutzorganisation "Peta" hat nach eigenen Angaben das Kontrollunternehmen für Geflügelzucht "IMO GmbH" angezeigt, weil die Kontrollen oberflächlich seien.