Müllhalde in Ghana
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Bisher sind 50.000 Fairphones verkauft worden.
Mit gutem Gewissen
Niederländisches Unternehmen baut "Fairphone"
Das niederländische Start-up Fairphone bietet Smartphones an, die sozial gerecht und möglichst umweltfreundlich produziert werden sollen.
Die Rohstoffe, die im Fairphone stecken, sollen nicht aus Konfliktgebieten stammen und zu akzeptablen Arbeitsbedingungen gefördert werden. Die ersten Fairphones wurden im Dezember 2013 ausgeliefert. Finanziert wurde die Produktion durch ein Crowdfunding-Modell, bei dem die etwa 25.000 ersten Kunden das Gerät bei Bestellung, und damit Monate vor dem Erhalt, bezahlten. Insgesamt wurden 60.000 Exemplare des Fairphone 1 verkauft. Seit Dezember 2015 wird das weiterentwickelte Fairphone 2 für 515 Euro ausgeliefert. Das Fairphone 2 läuft mit dem Betriebssystem Android (Version 5.1 Lollipop) und ist auch in einer Variante ohne die Apps des Android-Herstellers Google verfügbar.

Montiert wird das Fairphone in China, wo die Arbeiter faire Löhne erhalten sollen. Die Firma setzt auf eine lange Haltbarkeit des Handys, um weniger Ressourcen zu verschwenden. Pro verkauftem Telefon gehen drei Euro an eine Hilfsorganisation, die sich für ein sozial- und umweltverträgliches Recycling von Elektroschrott in Entwicklungsländern einsetzt.

Als "Open Design"-Produkt kann es aufgeschraubt werden, technikaffine Nutzer können Einzelteile austauschen. Das Unternehmen gehört mehrheitlich der niederländischen Waag Society, einer Stiftung, die die Entwicklung neuer Technologien fördert.

Nicht alles beim Fairphone ist auch schon fair
"Noch können wir nicht nachprüfen, ob sich alle Glieder in unserer Lieferkette an faire Standards halten", sagt Fairphone-Sprecher Robin van Peppen. Langfristig wolle man das ändern. Auch die Firma Fairphone bezieht Mineralien aus dem Kongo, die meisten kommen aus Minen außerhalb von Konfliktgebieten, wie das Unternehmen versichert. Fairphone verwendet "konfliktfreies" Zinn (in Kooperation mit der "Conflict-Free Tin Initiative") und Tantal (in Kooperation mit "Solutions for Hope"). In letzter Zeit hat Fairphone eine Lieferkette für fair gehandeltes Gold und Wolfram aus konfliktfreien Gebieten in Ruanda aufgebaut. Doch noch sind nicht alle Rohstoffe, die in diesen Mobiltelefonen stecken, fair gehandelt.

Mobiltelefone enthalten oft seltene Metalle aus Bürgerkriegsgebieten, wo Milizen und Rebellen die Bevölkerung terrorisieren. "Anders als etwa bei Bananen ist es noch nicht selbstverständlich, dass es auch zu Handys eine fair gehandelte Alternative gibt", sagt Jörg Nowak von der katholischen Hilfsorganisation Missio in Aachen. Faire Bedingungen sind bei elektronischen Geräten viel schwerer zu garantieren als bei Lebensmitteln.

Jedes Smartphone besteht aus Hunderten von Einzelteilen, die Produktionsketten spannen sich um den Globus. Für die Herstellung sind 40 verschiedene Rohstoffe nötig wie Silber, Gold, Kupfer, Kobalt - und Coltan. Das Mineral kommt nur in wenigen Ländern vor, unter anderem im Kongo.

Blut klebt an vielen modernen Handys
"Als um 2000 die weltweite Nachfrage nach Handys stieg, haben kongolesische Bürgerkriegsgruppen das ausgenutzt", sagt Nowak. "Die Warlords haben gezielt Coltangebiete erobert." Sie brauchten Geld, um Waffen zu kaufen und ihre Kämpfer zu ernähren. Der Bürgerkrieg in dem zentralafrikanischen Land schwelt bis heute. Das Geschäft mit den Handy-Rohstoffen ist profitabel. "In den 35 Millionen Handys, die in Deutschland jährlich auf den Markt kommen, stecken allein 60 Millionen Euro für Coltan und Gold", sagt Nowak.

Auch in den Montagefabriken herrschen oft unmenschliche Zustände. 2010 stürzten sich 13 Arbeiter bei dem Zulieferer Foxconn in China von einem Fabrikdach in die Tiefe - ein kollektiver Suizid, um auf die unmenschlichen Bedingungen in den Fabriken hinzuweisen. Löhne, die nicht einmal für das Nötigste reichen, Kontakt mit giftigen Stoffen, 72-Stunden-Woche, so lauten die Vorwürfe an Hersteller wie Apple oder Samsung. Die Konzerne gelobten Besserung, doch die Vorwürfe reißen nicht ab.

"Man kann auch ein gebrauchtes kaufen"
Wer ein ökologisches Telefon wünscht, suchte bislang vergeblich. Viele Bergwerke haben fatale Folgen für die Umwelt. "Der Goldabbau ist weltweit die größte Ursache für Quecksilberverschmutzung", sagt Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Er empfiehlt, Handys so lange wie möglich zu nutzen. In deutschen Schubladen liegen 120 Millionen alte, unbenutzte Handys, schätzt das entwicklungspolitische Südwind-Institut. Mit jedem Jahr werden es mehr. "Wenn das Smartphone kaputt geht, kann man auch ein Gebrauchtes kaufen", empfiehlt Bongardt. Wer bislang zwei Mobiltelefone nutzt, um Berufliches und Privates zu trennen, - könne sich mit einem Handy begnügen, das Platz für zwei Simkarten bietet. Auch das Fairphone hat eine solche Funktion.

Die Fairphone-Gründer erhoffen sich von ihrer Initiative Impulse für generell bessere Umwelt- und Sozialstandards in der Handyherstellung. Auf der Firmen-Homepage wird ständig die Liste der Zulieferer aktualisiert. Fairphone wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Und seit Kurzem trägt das Fairphone 2 als erstes Smartphone den "Blauen Engel".

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VideoHandy für das gute Öko-Gewissen
Das mit 50 Mitarbeitern eines der kleinsten Handy-Unternehmen der Welt mit Sitz in Amsterdam will faire Handys auf dem Markt etablieren. (Beitrag vom 9. Februar 2013)
Glossar
Seltene Rohstoffe
Die enorm gestiegenen Preise sowie wachsende Knappheit bei bestimmten Rohstoffen machen der Wirtschaft seit Jahren zu schaffen.
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