Beifuß-Ambrosie © dpa
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Angepasst mähen und vor der Blüte entfernen soll bei der Bekämpfung helfen.
Ambrosia soll weg
Die Devise: So viel wie möglich herausrupfen
In Österreich breitet sich die Allergiepflanze Ambrosia stark aus. Vor allem an den Straßenrändern soll das Ragweed nun vor der Blüte möglichst bodennah gemäht werden.
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Mit Käfern gegen Ragweed.
Die ursprünglich in Amerika heimische Beifuß-Ambrosie fühlt sich in Europa besonders wohl und wird sich nach Erwartungen von Wissenschaftlern immer weiter ausbreiten. Die europäischen Populationen hätten sich weiterentwickelt und seien fitter geworden, berichteten Frankfurter Wissenschaftler. Die Forscher fordern eine nationale Strategie zur Bekämpfung der hochallergenen Pflanze. Ein Vorbild in der Ragweed-Bekämpfung ist die Schweiz - neben Ungarn das einzige Land Europas, in dem alle zuständigen Behörden per Gesetz zusammenarbeiten müssen. Es gibt außerdem Versuche, den nordamerikanischen Käfer Ophraella communa zur Bekämpfung von Ambrosia einzusetzen. Diese sind zwar vielversprechend, allerdings breitet sich auch der Käfer aus und frisst, wenn kein Beiffuß verfügbar ist auch andere Pflanzen. Unter anderem fanden Forscher unerwünschte Fraßspuren des Käfers an Sonnenblumen.

Klimawandel und Saatgut verbreiten die Pflanze
Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifußblättriges Traubenkraut oder Ambrosia genannt, profitiere vom Klimawandel. "Sie hat sich vermutlich aber auch evolutionär verändert", sagt der Frankfurter Geobotaniker Oliver Tackenberg. Die europäischen Samen seien nicht nur deutlich größer als die der amerikanischen Pflanzen, auch ihre Keimrate sei mit 92 Prozent fast doppelt so hoch. Europäische Jungpflanzen vertragen nach den Untersuchungen der Wissenschaftler außerdem mehr Frost.

Eine Erklärung könne sein, dass Krankheitserreger oder natürliche Feinde hierzulande fehlten. "Damit ist die Produktion chemischer Abwehrstoffe nicht mehr notwendig. Die freiwerdenden Ressourcen können in die Fortpflanzung gesteckt werden und in Form größerer Samen zu schnellerem Wachstum und einer erhöhten Konkurrenzkraft führen", vermutet Tackenberg.

Das Verbreitungsgebiet wandert nach Norden
Beifuß-Ambrosie
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Unscheinbar, aber für Allergiker ein echtes Problem
Während das unscheinbare Kraut in Deutschland noch vergleichsweise selten vorkommt, ist es im Südosten Europas schon fester Bestandteil der Vegetation. Die Beifuß-Ambrosie belegt Platz fünf auf der Liste der 100 schlimmsten invasiven Arten. Die Frankfurter Forscher haben in einer Karte aufgezeigt, wie stark und in welche Gegenden Europas sich die Pflanze künftig voraussichtlich ausbreiten wird. Für einige Pollenallergiker haben Oliver Tackenberg, Sarah Cunze und Marion Leiblein gleich mehrere schlechte Nachrichten. Ihre Leidenszeit wird sich künftig in den Herbst hinein verlängern, denn Ambrosia artemisiifolia blüht erst im Spätsommer. Und mehr Menschen im Norden werden sie zu spüren bekommen: Das Verbreitungsgebiet verschiebt sich in den nächsten Jahrzehnten immer mehr nach Norden und wird deutlich größer.

Grundlage solcher Prognosen ist eine "ökologische Nischenmodellierung", wie Umweltwissenschaftlerin Cunze erklärt. Dafür haben die Wissenschaftler zwei Datenreihen kombiniert: die gegenwärtigen Fundpunkte der Pflanze und die Vorhersagen über die Klimaerwärmung.

Schon kleine Mengen haben großes Reizpotential
Schätzungen zufolge reagieren 12 bis 20 Prozent der Deutschen allergisch auf diese Art. Genaue Daten gibt es nicht, weil die Betroffenen häufig auch unter anderen Allergien leiden, etwa gegen den Gemeinen Beifuß. Die Symptome sind ähnlich wie bei Heuschnupfen, aber die Ambrosie kann auch Asthma hervorrufen oder Hautreaktionen bei Kontakt mit der Pflanze.

Gefährlich ist sie, "weil sie schon mit relativ wenigen Pollen eine starke Reaktion auslösen kann", sagt Patientenberaterin Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Schon sechs bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft gelten als mittlere Belastung, bei Gräsern bedürfe es dafür fünfmal so viel. Weil gegen das Kraut kein Kraut gewachsen ist, müsse das Ziel sein, "die Ausbreitung im Zaum zu halten", sagt Schwalfenberg.

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund rät, kein Vogelfutter zu kaufen, das Ambrosia-Samen enthält, den Garten regelmäßig zu kontrollieren und jede dieser Pflanzen samt Wurzel auszureißen, in Tüten zu stecken und in den Hausmüll zu werfen, idealerweise vor der Blütezeit zwischen Juli und Oktober.

Mediathek: Im Gespräch
Video"Kontakt mit Ambrosia unbedingt vermeiden"
Der Freiburger Biologe Heinz Müller-Schärer warnt vor Kontakt mit Ambrosia, dem Beifußblättrigen Traubenkraut.
Infografik
© EAN LupeVerbreitung der Ambrosia in Europa
Glossar
Ambrosia artemisiifolia
Das Beifußblättrige Traubenkraut gilt als unscheinbares Unkraut am Straßenrand. Seine Blüten jedoch tragen Pollen, die Mediziner und Allergiker gleichermaßen fürchten.
Glossar
Neobiota - "neue" Arten
Neobiota ("neue Organismen") sind Organismen, die in einem Gebiet nicht heimisch sind, sondern eingewandert oder eingeschleppt sind.
Literatur
Links