Nandus Video
Jeweils im Herbst und im Frühjahr werden die norddeutschen Nandus gezählt
Nandus auf norddeutschen Äckern
Ob Nandus Schäden anrichten, ist umstritten
Nach zwölf Jahren ist der straußenähnliche Laufvogel Nandu an der Grenze zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein heimisch geworden
2000 waren sechs der Großvögel einem Züchter entlaufen. Nun breiten sich die Exoten von der Grenzregion bei Utecht (Nordwestmecklenburg) immer weiter gen Osten aus, wie Frank Philipp, Koordinator der Arbeitsgruppe Nandu-Monitoring, sagt. Die Tiere profitierten von der weitläufigen Landschaft und dem reichen Nahrungsangebot. Vor allem der fett- und eiweißhaltige Raps fördere die Vitalität der Vögel, so der Landespfleger.

Der Nandu habe sich erstmals in freier deutscher Wildbahn vermehren und als Brutkolonie fest ansiedeln können, erklärt Philipp. Nach der Herbstzählung 2012 am Flüsschen Wakenitz fühlten sich jetzt mehr als 100 Tiere heimisch im Norden. Die meisten davon allerdings seien erwachsene Vögel, die wenigsten Jungtiere. "Im Winter 2011/2012 sind wieder viele der mindestens 80 Küken erfroren", erklärt der Nandu-Beauftragte des Schweriner Umweltministeriums.

Allerdings dezimierten die vergangenen langen Winter immer nur den Bestand an Jungtieren. Die Zahl der ausgewachsenen Vögel steige hingegen kontinuierlich. "Wir erwarten einen weiteren Zuwachs in den kommenden Jahren", erklärt Philipp. Die norddeutsche Nandupopulation sei auf dem besten Wege, sich zu stabilisieren und dauerhaft zu etablieren. Die Tiere fallen unter das Washingtoner Artenschutzabkommen.

Seit 2008 werden jährlich zwei Nandu-Zählungen durchgeführt, im Frühjahr und im Herbst. Die zuständige Gruppe Nandu-Monitoring ist dazu mit ehrenamtlichen Naturschützern und Umweltwissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen jeweils mehrere Tage in Feld und Flur zu Simultanzählungen unterwegs. Dokumentiert würden Ausbreitung und Lebensweise der Nandu-Kolonie sowie deren Auswirkungen auf Tier und Mensch. Das Revier des Nandu östlich des Ratzeburger Sees und der Wakenitz sei mittlerweile 100 Quadratkilometer groß, so Philipp.

Die Streifzüge des Nandu über norddeutsche Felder seien bisher eher als harmlos einzuschätzen. Die Vögel würden nur einzelne Raps-Blätter fressen und nicht die ganze Pflanze. "Der Raps wird von den Tieren nicht nachweislich geschädigt", betonte Philipp.

Bauern sind über die Riesenvögel nicht begeistert
Biobauer Thomas Böhm sieht das anders. Er empfinde keinerlei Freundschaft für die ungebetenen Dauergäste in Mecklenburg. Die bis zu eineinhalb Meter großen Exoten seien Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenten für heimische Großvögel wie Kraniche, meint der Landwirt. Selbst seine Galloways - robuste Rinder aus Schottland - hätten in der Vergangenheit vor balzenden Nandu-Hähnen verschreckt die Flucht ergriffen und Koppelzäune durchbrochen, so Böhm.

Auch Christof Herrmann, Artenschützer beim Landesumweltamt, will den Nandu weiter im Blick behalten. Derzeit fehlten noch ausreichende Kenntnisse über vermutete negative Folgen für Flora und Fauna in Norddeutschland. So sei der Nandu auf der Liste invasiver Arten in Deutschland bisher nur "grau" und nicht "schwarz" wie etwa Waschbär oder Marderhund gekennzeichnet. Damit falle er lediglich unter den Beobachtungsstatus "potenziell schädlicher Eindringlinge".

Glossar
Neobiota - "neue" Arten
Neobiota ("neue Organismen") sind Organismen, die in einem Gebiet nicht heimisch sind, sondern eingewandert oder eingeschleppt sind.
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