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Schweinehälften im Schlachthof © dpa Video
Produktion von Schweinefleisch hat zugenommen (Beitrag vom 13. Januar 2016)
Dumpingfleisch
Kleine Fleischerzeuger können nicht mithalten
In Deutschland wird dem "Fleischatlas 2016" zufolge immer mehr Schweine- und Geflügelfleisch zu Dumpingpreisen produziert. Zugleich sterben weiterhin die Bauernhöfe.
Der Trend zu Megaställen mit zehntausenden Tieren bei einem gleichzeitigen massiven Preisverfall bei Fleisch sei ungebrochen, sagte Vorstand Barbara Umüßig von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung bei der Vorstellung der Publikation am 13. Januar 2016. Der zum dritten Mal erschienene Fleischatlas wird von der Stiftung gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) herausgegeben.

Die Produktion von Schweinefleisch stieg von 3,7 Millionen im Jahr 1994 auf heute 5,5 Millionen Tonnen. Beim Geflügelfleisch wuchs die Produktion zwischen 1994 und 2014 von 350.000 auf eine Million Tonnen. Der Zuwachs basiere ausschließlich auf Massenproduktion in Megaställen, kritisierte Unmüßig. Kleine Erzeuger könnten nicht mehr mithalten. "In den vergangenen 15 Jahren mussten bis zu 80 Prozent der Betriebe und Bauernhöfe die Tierhaltung aufgeben, während gleichzeitig bis zu 50 Prozent mehr Fleisch produziert wird", sagte Unmüßig. Ein Großteil davon gehe in den Export.

Die Zuchtbetriebe werden immer größer
Massiv seien das Höfesterben, Konzentrationsprozesse und die zunehmende Industrialisierung vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen in der Rinder- und Schweinezucht. Doch auch in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg nehme zwar die absolute Zahl der Schweine- und Hühnerhaltungen ab, die Betriebe würden jedoch immer größer. "Wenn bei steigenden Produktionsmengen in Bayern fast 30.000 Betriebe und in Niedersachsen mehr als 13.000 Höfe die Schweinehaltung aufgeben, dann haben wir es mit einem tiefgreifenden Strukturwandel zu Lasten kleinbäuerlicher und mittelständischer Betriebe zu tun", kritisierte Unmüßig. Zugleich mache diese Landwirtschaft noch abhängiger von Futtermittelimporten aus dem Ausland, wo Soja-Monokulturen bereits heute sozial und ökologisch bedenklich seien.

"Wir haben einen Prozess, von dem alle betroffen sind und von dem zunehmend immer weniger profitieren", kritisierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. In Deutschland werde eine Tierhaltung betrieben, die die Tierquälerei fördere, gegen gängige Regeln verstoße und keine Existenzen mehr sichere.

"Schweinemast gefährdet Trinkwasserversorgung"
Zentrum der Fleischproduktion sei neben Nordrhein-Westfalen vor allem Niedersachsen, wo Mitte 2015 bereits rund vier Millionen Mastschweine gezählt wurden. Nach Recherchen des BUND genehmigten die niedersächsischen Behörden zwischen 2012 und 2015 trotzdem mehr als 150.000 weitere Schweinemastplätze neu. Im Kreis Vechta produzierten knapp 800 Schweinemäster mehr Tiere als in ganz Schleswig-Holstein oder Hessen. Dies gefährde die Trinkwasserversorgung und gehe oftmals mit einer Missachtung des Tierwohls einher, kritisierte Weiger. Eine ähnliche Entwicklung gebe es in der Geflügelfleischproduktion.

Weiger sieht vor allem die Politik in der Pflicht, etwas zu verändern. Agrarsubventionen müssten künftig stärker an Kriterien wie der Leistung der Betriebe für das öffentliche Wohl gebunden werden. Tierhaltung dürfe nur genehmigt werden, wenn es eine eigene Futtergrundlage gibt. Sonst gebe es keine Chance auf Veränderung. Um gegenzusteuern helfe nur, "runter mit der Menge und rauf mit den Preisen", so der BUND-Vorsitzende.

Trotz eines leichten Rückgangs konsumierten die Deutschen mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von weniger als 60 Kilogramm immer noch zu viel Fleisch. So liegt etwa in Kenia der Pro-Kopf-Konsum bei 16,6 Kilo.

Tierschutz ist nicht umsonst
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Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik plädiert in einem Gutachten für "eine tiergerechtere Produktion bei gleichzeitiger Reduktion der Konsummenge".
Link
Der Fleischatlas zum Herunterladen beim BUND
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