Blick von der Zugspitze © dpa
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Auch in den deutschen Alpen wird es in absehbarer Zeit keine Gletscher mehr geben.
Ein Teufelskreis
Gletscherschmelze lässt die Gletscher schneller schmelzen
Wenn Gletscher schmelzen, sorgt das dafür, dass sie noch schneller schmelzen: Ein feiner Nebel aus Wasserdampf bildet sich und staut die Wärme über dem Eis.
Bis zu 40 Prozent schneller taut das Eis, hat der bayrische Gletscherforscher Dr. Christoph Mayer beispielsweise am Tiroler Vernagtferner zeigen können. Während weltweit die Temperaturen um 0,9 Grad steigen, sind es in den Alpen 1,6 Grad. Angegriffen wird auch der Firn: Der zusammengesunkene und grobkörnige Altschnee wirkt sonst wie eine Schutzschicht. So hat der Vernagtferner in 20 Jahren zwölf Meter Eis verloren.

© dpa Alexander Dobrindt (links, CSU), Andrea Nahles (SPD) und Volker Kauder (CDU) auf der Zugspitze.
Alexander Dobrindt (links, CSU), Andrea Nahles (SPD) und Volker Kauder (CDU) auf der Zugspitze.
Aktuell trifft sich die Große Koalition zu einer Klausurtagung auf der Zugspitze. Ein Grund, sie an die Klimaziele von 2020 zu erinnern - und daran, wie sehr die Klimaerwärmung gerade in den Alpen fortschreitet.
Denn auch um die fünf deutschen Gletscher steht es schlecht: Um den Nördlichen und den Südlichen Schneeferner und den Höllentalferner an der Zugspitze sowie das Blaueis und den Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen. Alle fünf haben sich über die vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgezogen. Deutschlands größter Gletscher, der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze, ist seit der Rekordhitze des Sommers 2015 deutlich geschwunden. Der Watzmanngletscher verlor von 2009 bis 2014 pro Jahr einen Meter Eis. Der Blaueis ist mittlerweile in zwei Teile zerbrochen. In 20 bis 30 Jahren könnten bis auf den Höllental-Gletscher auf der Zugspitze alle bayerischen Gletscher verschwunden sein.

Auch die Zugspitze könnte eisfrei werden
Aber auch der Höllental-Gletscher ist längerfristig in Gefahr: Der schützende Permafrost an der Zugspitze könnte nach Berechnungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt schon in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts um das Jahr 2080 herum verschwunden sein. Die Zugspitze gilt als ein wichtiger Indikator für den Klimawandel in Bayern. Schwindet der Permafrost in den Bergen, ist häufiger mit Steinschlag und Felsstürzen zu rechnen.

Ein Forscher misst an einem Gletschersee.
Ein Forscher misst an einem Gletschersee.
Auch in Österreich und der Schweiz schwinden die Gletscher. Vor allem der Sommer 2015 hatte den Gletschern in den Hochalpen stark zugesetzt. Nach zwei relativ kühlen, gletscherfreundlichen Jahren seien die Abschmelzraten 2015 extrem gewesen, sagt Andrea Fischer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Andreas Bauder, Glaziologe an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich sagte, vor allem kleinere Gletscher bis unter 3000 Metern Seehöhe seien "komplett ausgeapert" - sie hatten ihre Altschneeschicht verloren und waren der Sonne ungeschützt ausgesetzt.

Risko und Chance durch schmelzende Gletscher
Bis zu 600 Seen werden in der Schweiz entstehen, wenn die Gletscher schmelzen - Zürcher Forscher sehen darin sowohl Gefahren als auch Chancen. Von den Steilhängen, die früher vom Gletscher gestützt wurden, könnten Steine herabfallen, und von der brüchigen Gletscherzunge könnte sich Eis lösen. "Ein großer Absturz in einen See kann eine riesige Schwallwelle produzieren, die im Tal eine Flutwelle auslöst", schildert der Zürcher Geograf Wilfried Haeberli. "Wenn der Bergsturz gleich groß ist wie das Seevolumen, kann auf einen Schlag sogar der ganze See hereinbrechen. Der Berg kann sich Hunderte oder Tausende von Jahren Zeit lassen, um zu reagieren. Aber das Problem bleibt bestehen."

Ein Staudamm der richtigen Größe könnte diese Gefahr bannen, schätzen die Forscher. Gleichzeitig könnte man mit ihm ein Wasserkraftwerk betreiben.

Die Gletscher schmelzen überall auf der Welt

  • Himalaya: Im höchsten Gebirge der Welt schmelzen jedes Jahr viele Tausend Tonnen Himalaya-Eis. Allein Nepal hat mehr als 3200 Gletscher - noch. Von 1977 bis 2010 seien die vergletscherten Gebiete um fast ein Viertel geschrumpft, erklärt der Nepalese Samjwal Bajracharya. Jedes Jahr verlöre Nepal etwa 38 Quadratkilometer Gletscherfläche.
    Das Schmelzwasser füllt Gletscherseen, deren natürliche Dämme aus Felsen und Geröll plötzlich brechen können, wenn der Druck zu groß wird. Dörfer flussabwärts sind vermehrt von katastrophalen Überschwemmungen bedroht. Andere Bewohner müssen wegziehen, da es in höheren Regionen zu wenig Wasser gibt. "Direkt oder indirekt wird (die Gletscherschmelze) auch einen Einfluss auf die Stromgewinnung durch Wasserkraft, auf die Bewässerung in der Landwirtschaft und andere wirtschaftliche Faktoren des Landes haben", meint Bajracharya.
  • Anden: Besonders drastisch zeigt sich die Gletscherschmelze in Peru, wo es 2679 Gletscher gibt. Das sind 71 Prozent der weltweiten Tropengletscher. Mit 1300 Quadratkilometern ist die gesamte Eisfläche in den vergangenen 40 Jahren um 42,64 Prozent geschrumpft. Die Gletscherschmelze hat in Peru seit 1940 ein halbes Dutzend katastrophale Erdrutsche verursacht. Über fünfzig der zahlreichen Berglagunen, die aus der Gletscherschmelze entstehen, stellen eine Gefahr für Ortschaften an den Berghängen dar. Ein plötzlicher Anstieg des Wasserspiegels kann zu hohen Flutwellen und Erdrutschen führen.
    Die 9000 Einwohner von Carhuaz, zum Beispiel, hätten nur eine halbe Stunde Zeit, um die Stadt zu evakuieren, wenn die Lagune 513 am Vulkan Hualcán aus den Ufern tritt. An dieser Lagune begann 2011 - nach einer 28 Meter hohen Flutwelle im Vorjahr - der Aufbau eines Frühwarn-Systems, das heute auf alle Lagunen ausgeweitet wird.
  • Afrika:Der Kilimandscharo in Tansania - der höchste Berg Afrikas - wird je nach Expertenangaben in 10 bis 30 Jahren fast komplett eisfrei sein. 1912 habe es noch zwölf Quadratkilometer Eis in Gipfelnähe gegeben, aktuell seien nur noch 1,5 Quadratkilometer übrig, sagte der Innsbrucker Glaziologe Georg Kaser. Zum Eisrückgang gibt es verschiedene Meinungen.
    Für den US-Gletscherforscher Lonnie Thompson ist eindeutig der Klimawandel dafür verantwortlich. Kaser meint dagegen, das Eis auf dem Kilimandscharo gebe es nur wegen außergewöhnlicher Feuchtphasen, die in der Vergangenheit zum Aufbau der Gletscher geführt hätten. Eigentlich sei das Klima, das in der Region seit 10.000 Jahren vorherrsche, bis auf wenige kurze Ausnahmen nicht für Eisbildung geeignet. "Der Kilimandscharo ist einer der wenigen Berge, bei dem dieser Rückgang nichts mit dem Klimawandel zu tun hat", sagte Kaser. Die Gletscher von anderen Bergen in der Region, wie zum Beispiel dem Mount Kenya, würden jedoch stark unter dem Klimawandel leiden.

Deutschlands Klimaziele
"Rendez-vous mit der Realität"
Jetzt ist es offiziell: Union und SPD wollen in einer neuen großen Koalition die ohnehin nicht mehr erreichbaren deutschen Klimaziele für 2020 aufgeben.
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VideoDie letzten ihrer Art
Der Hitzesommer 2015 hat den Gletschern überall in den Hochalpen stark zugesetzt. Vor allem kleinere Gletscher bis unter 3000 Metern Seehöhe seien "komplett ausgeapert".
Literatur
Studie des "World Glacier Monitoring Service" (PDF, 2015)
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