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Grünbrücke Video
Grünbrücken entstehen in der Schweiz meist erst, wenn ohnehin gebaut wird
Schleichweg für Hirsche
Ausbau von Grünbrücken stockt in der Schweiz
Der Ausbau von Grünbrücken für Wildtiere kommt in der Schweiz nur schleppend voran. Es gibt erst 41 davon. Dabei steht der Schutz der Tierwelt in der Schweizer Verfassung.
Auf Schweizer Straßen sterben jährlich 400 Hirsche, 7000 Füchse, 700 Feldhasen 50 Murmeltiere und fast jede Stunde stirbt ein Reh.

Wildtiere nehmen Grünbücken über Autobahnen an
Grünbrücke © dpa Video
Eine Grünbrücke bringt Wild und auch kleinere Tiere sicher über die Autobahn
Dass Rothirsche Grünbrücken über Autobahnen nutzen, haben in Deutschland Christoph Beemelmans und Matthias Kaiser vom Landesamt für Natur und Umwelt NRW festgestellt. Nach Ansicht des Deutschen Jagdschutzverbands ist der Bau neuer Grünbrücken für Wildtiere über vielbefahrene Straßen dringend notwendig. "In Deutschland gibt es pro 500 Kilometer Bundesstraße oder Autobahn durchschnittlich nur eine Querungshilfe", kritisierte Sprecher Torsten Reinwald. Damit Tiere wandern und ihre Gene an weit entfernte Artgenossen weitergeben könnten, müssten jedoch die Flächen besser vernetzt werden. Nur so sei die genetische Vielfalt gesichert, wie sie für das Überleben der Art notwendig ist. Das gelte für Hirschkäfer ebenso wie für Haselmaus oder Hirsch.

Zwar sei die Notwendigkeit von Grünbrücken, Ottertunneln und anderen Querungshilfen inzwischen anerkannt. Die Frage des "Wie" sei jedoch noch nicht hinlänglich beantwortet. "Wir brauchen Grünbrücken, die funktionieren", sagte Reinwald. Dazu müsse sichergestellt werden, dass die Grünbrücken nicht nach zehn Jahren endeten "wie der Kahn auf dem Trockenen - eingeengt von neuer ICE-Trasse auf der einen Seite und Industriegebiet auf der anderen."

Das Argument "Geldverschwendung" ist vom Tisch
Noch vor wenigen Jahren habe der Bundesrechnungshof eine Grünbrücke in Schleswig-Holstein als Geldverschwendung gebrandmarkt, sagte Reinwald. Zu Unrecht, wie Wissenschaftler mittlerweile festgestellt hätten. Sie hätten knapp 100 Konfliktpunkte ermittelt, an denen sich Straßen und wichtige Wanderrouten von Tieren kreuzten, die schnell entschärft werden müssten.

Das Bundesprogramm Wiedervernetzung der Bundesregierung ermögliche jetzt, dass Querungshilfen im bestehenden Straßennetz auch ohne Konjunktursonderprogramme gebaut werden könnten. Bis 2020 will die Bundesregierung mehr als 90 Grünbrücken bauen.

Zwischen 220.000 und 250.000 Wildunfälle registrierten die Jäger bundesweit pro Jahr, davon 90 Prozent mit Rehen. Seit 1975 habe sich die Zahl der erfassten Wildunfälle verfünffacht, sagte Reinwald. Das Verkehrsaufkommen habe sich im selben Zeitraum vervierfacht.

Auf deutschen Autobahnen seien 2000 Fahrzeuge pro Stunde und Streckenabschnitt unterwegs, auf Bundesstraßen 375. Die Fernstraßen wirkten daher für Tiere "wie unüberwindbare Barrieren". Rothirsche hätten Wanderrouten, die durch ganz Europa führten und seit Generationen genutzt würden.

Brücken sollen Lebensräume wieder vernetzen
Grünbrücke Video
Eine Grünbrücke bringt Wild und auch kleinere Tiere sicher über die Autobahn
Bis 2020 will die deutsche Bundesregierung mehr als 90 Grünbrücken bauen lassen. Sie ermöglichen Wildtieren, Autobahnen und Bundesstraßen zu überqueren. Damit helfen Grünbrücken - auch Wildbrücken genannt - die Landschaftszerstückelung abzumildern und Wanderkorridore für Wildtiere zu vernetzen. "Straßen stellen für Wildtiere eine oft unüberwindbare Barriere dar", sagt Till Hopf vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Eine Grünbrücke findet sich seit 2009 an der A96 Lindau - München im Bereich Gebrazhofen: Sie besteht aus einem Erddamm und ist etwa 50 Meter breit. Auf ihr wachsen Wildsträucher wie Haselnuss, Schneeball, Heckenkirsche und Hartriegel sowie Bäume wie Eiche und Ahorn. Am Brückenrand sind für den Wildwechsel Schutzwände errichtet.

Auch wenn der Schallschutz laut Forstrevierleiter Franz Stark aus Leutkirch im Allgäu noch verbessert werden könnte, hat die Brücke ihre Nutzer gefunden: "Seit Eröffnung hat die Deckungsmöglichkeit für die Tiere durch die zunehmende Vegetation stetig zugenommen", sagt Stark. Wie die Tier-Fährten zeigen, überqueren viele Rehe die grüne Brücke, aber auch Wildschweine, Igel, Eichhörnchen, Hasen und Gämsen.

"Die Wichtigkeit von Grünbrücken in die Köpfe der Entscheider zu bekommen, hat gedauert", sagt Nabu-Naturschutzreferent Hopf. Schließlich gehe es hierbei um Gelder aus dem Verkehrsetat, die nicht für den Bau neuer Straßen aufzuwenden seien.

Dass die Forderung angekommen sei, zeige das im Februar 2012 verabschiedete Bundesprogramm "Wiedervernetzung", sagt Hopf. Das Programm enthalte 93 Abschnitte, an denen Querungshilfen errichtet werden sollen. "Eine konkrete Zeitplanung für die weitere Umsetzung fehlt jedoch", kritisiert Hopf.

Austausch zwischen Populationen ist schwer
Durch den Eingriff des Menschen würden die Lebensräume für Wildtiere immer kleiner, kritisiert der Naturschützer. "Populationen verinseln und der notwendige Austausch zwischen einzelnen Populationen wird erschwert oder unmöglich".

Noch vor wenigen Jahren habe der Bundesrechnungshof eine Grünbrücke in Schleswig-Holstein als Geldverschwendung gebrandmarkt, sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Jagdschutzverbands. Heute seien die Grünbrücken, Ottertunnel und anderen Querungshilfen zwar anerkannt, aber es würden noch zu wenige gebaut. "In Deutschland gibt es pro 500 Kilometer Bundesstraße oder Autobahn nur eine Querungshilfe", mahnt Reinwald.

Was viele übersehen: Die Grünbrücken, sagt Forstrevierleiter Stark, seien nicht nur für große Wildtiere, sondern auch für Kleintiere wichtig. "Auch Spinnen und Käfer nutzen das Bauwerk". Auf der Website des Projekts Holsteiner Lebensraumkorridore heißt es: "Wildschweine nutzen sehr häufig die Grünbrücke - gut für die biologische Vielfalt, denn in ihrem Fell bringen sie auch weniger mobile Arten über die Brücke."

64 Grünbrücken stehen bereits in Deutschland
Die ersten Grünbrücken wurden in den 1990er Jahren gebaut. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gibt es derzeit 64 der Bauwerke. Hinzu kommen 18 Landschaftstunnel und zehn schmalere Tierquerungsüberführungen. Die Kosten liegen bei zwei bis vier Millionen Euro pro Brücke. Teurer wird es, wenn bereits bestehende Straßen überbrückt werden, wie Ministeriumssprecherin Vera Moosmayer sagt.

250.000 Wildtiere kommen laut Deutschem Jagdschutzverband jährlich auf deutschen Straßen um, darunter waren zwischen 2010 und 2011 laut Wildunfall-Statistik mehr als 200.000 Rehe, 25.000 Wildschweine, 3900 Damhirsche und 2500 Rothirsche. Für den Wolf ist der Straßenverkehr die Todesursache Nummer eins. Jedes Jahr ereignen sich in Deutschland laut Umweltministerium mehr als 3000 Wildunfälle, bei denen Menschen verletzt werden. 2009 kamen bei derartigen Unfällen 27 Menschen ums Leben.

Für die Autobesitzer bedeutet ein Wildunfall jedes Mal auch erheblichen finanziellen Schaden: 2010 entstanden so nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft Schäden von 552 Millionen Euro.

Flächenverbrauch
Landschaften schwinden
Die Fläche von 160 Fußballfeldern wird in Deutschland jeden Tag für Wohnhäuser, Industrieanlagen und Straßen zugebaut.