Montag bis Freitag 18.30 Uhr
Kalender
Januar 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
Bauer bei der Arbeit Video
Heimische Biolandwirte haben Schwierigkeiten, kostendeckend zu wirtschaften
Bio rechnet sich nicht
Minister: Bioprodukte müssen 30 Prozent teurer sein
Das Preisdumping bei Bio-Produkten gefährdet nach Einschätzung des mecklenburgischen Agrar- und Umweltministers Till Backhaus (SPD) den Öko-Landbau in Deutschland.
Bioprodukte seien wegen Importen aus dem Ausland inzwischen so preiswert, dass sich der Ökoanbau in Deutschland immer weniger lohne, warnte Backhaus im Februar 2013. So sei Rindfleisch aus ökologischer Erzeugung nur noch um sechs Prozent teurer als konventionell erzeugte Ware. "Das führt dazu, dass viele Öko-Betriebe inzwischen sehr genau darüber nachdenken, ob sie so weitermachen sollen". Er sehe die Gefahr eines "Rückumstiegs" - dass Ökobauern wieder zu konventionellen Anbaumethoden zurückkehrten, betonte er auf einer Veranstaltung des Deutschen Bauernverbandes (DBV).

Um langfristig überleben zu können, müssten nach seiner Ansicht ökologisch erzeugte Lebensmittel 30 Prozent teurer sein als Erzeugnisse aus konventionellem Anbau. Vom Lebensmittelhandel verlangte Backhaus ein größeres Verantwortungsgefühl gegenüber Öko-Landwirten. Nur wenn sie diesen einträgliche Preise sicherten, blieben ihnen deutsche Ökobauern als zuverlässige Lieferanten dauerhaft erhalten.

Auch nach Erkenntnissen des Bauernverbandes würden mehr Landwirte auf Öko-Anbau umstellen, wenn sie höhere Erzeugerpreise für ihre Bioprodukte erhielten. Bei einer DBV-Umfrage vom Dezember 2012 hätten 54 Prozent der befragten Landwirte diesen Punkt als wichtige Voraussetzung für eine Umstellung ihres Betriebes genannt; im Dezember 2009 waren es lediglich 33 Prozent gewesen.

Schon seit Jahren liegt der DBV-Umfrage zufolge der Anteil der umstellungswilligen landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei elf Prozent. Drei Prozent der Öko-Betriebe stellen dagegen pro Jahr wieder auf konventionelle Landwirtschaft um. Das sind 400 Betriebe pro Jahr.

Die Landwirte satteln lieber auf Biogas um
Video
Was deutsche Verbraucher kaufen, stammt häufig aus dem Ausland
Deutschland führt 48 Prozent der Bio-Möhren ein und 50 Prozent der Ökö-Äpfel, hat Ende 2011 eine Untersuchung gezeigt. Bei Weizen sind es 21 Prozent. Bei Tomaten, Paprika und Bananen steigt die Quote sogar auf 80, 90 und 100 Prozent, da sie das ganze Jahr über gefragt sind, aber in Deutschland nicht oder zumindest nicht immer wachsen. "Wo wir heimische Produkte erzeugen können, werden die Verbraucher auch darauf zurückgreifen", sagt Markus Rippin vom Marktforschungsinstitut Agro-Milagro Research. "Die aktuelle Regierung macht sich aber nicht für Bio stark", beklagt er. Öko sei für viele Bauern deshalb nicht rentabel.

Stattdessen satteln sie auf die Produktion von Bio-Gas um, so Wolfram Dienel vom Deutschen Bauernverband. Wegen der starken Förderung über das Energieeinspeisegesetz sei die Umstellung auf Öko-Ackerbau "häufig nicht konkurrenzfähig". Zudem sei Importware oft billiger. In den vergangenen drei Jahren, stellte Matthias Balz vom Münchner ifo-Institut fest, haben sich die Einfuhren fast verdoppelt.

In Deutschland lohnt es sich eher, Mais oder Getreide zu verfeuern, als die Pflanzen im Ökolandbau zu kultivieren. 2010 übertraf dessen Fläche zwar erstmals die Marke von 1 Million Hektar. Aber das sind nur knapp sechs Prozent der Agrarfläche insgesamt. "Die Umstellung auf Ökolandbau kann drei Jahre dauern", erklärt Joyce Moewius vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. "Während dieser Zeit muss der Landwirt nach den Ökorichtlinien produzieren, darf seine Produkte aber noch nicht als solche und damit auch zu höheren Preisen verkaufen."

Bio-Gurken aus Holland, Spanien und Bulgarien
Stattdessen wird vermehrt in Osteuropa auf den Flächen ehemaliger Kolchosen produziert. In den Ländern gibt es keinen großen Markt für Bio-Produkte, wohl aber viele Hektar Agrarland, auf denen wegen des niedrigen Lohnniveaus billiger produziert werden kann. So gehören Rumänien, die Slowakei, aber auch Russland und Kasachstan zu den wichtigsten Lieferländern für den deutschen Getreidebedarf. Bei Ölsaaten einschließlich Sojabohnen ist Rumänen zu Italien aufgerückt. Neben Bio-Gurken aus Holland und Spanien finden sich im Gemüseregal immer häufiger solche aus Bulgarien.

Die neuen Lieferländer helfen, den Bedarf zu decken. Von Januar bis September 2011 verzeichnete das Marktforschungsunternehmen Nielsen ein Umsatzplus von 9,5 Prozent. Der Umsatz mit konventionellen Lebensmitteln in Warenklassen, die eine Bio-Alternative anbieten, stieg dagegen lediglich um drei Prozent.

Von dem Boom profitierten nicht nur Bioketten wie Alnatura. Das Unternehmen erhöhte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2011 um 16 Prozent auf 464 Millionen Euro und eröffnete zwölf weitere "Super-Natur-Märkte". "Bio und vor allem Rewe Bio ist für die Rewe-Märkte ein unverzichtbares Sortiment, das zur Kundenbindung, zur Neugewinnung von Kunden und zur Profilierung gegenüber unseren Wettbewerbern beiträgt", sagt auch Rewe-Pressesprecher Raimund Esser. Bei Lidl erwartet Petra Trabert ebenfalls eine steigende Nachfrage. Der Discounter plane einen Ausbau seiner Eigenmarke "Biotrend".

nano spezial
Blühende Landschaften?
"Einen großen Schritt" nennen die Politiker die EU-Agrarreform. Doch die Kritik ist groß: Das EU-Parlament lehnte verbindliche Vorschriften ab und stimmte für viele Ausnahmen.
Glossar
Biosiegel für die EU
Innerhalb der EU produzierte Güter und Importe dürfen das neue Biosiegel tragen, wenn sie mindestens zu 95 Prozent biologisch erzeugt sind.
Bioprodukte
Schwierige Kontrollen
"Je weiter die Ware reist, desto schwieriger werden Kontrollen" von Bioprodukten, sagt Markus Rippin vom Marktforschungsinstitut Agro-Milagro Research.
mehr zum Thema