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24. Mai 2013
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Bio-Lebensmittel nutzen dem ökologischen Gewissen mehr als der Gesundheit
Bio-Lebensmittel nur ein bisschen gesünder
Nur der Verzicht auf Pestizide fällt in Studien auf
Forscher aus Stanford haben keinen Nachweis gefunden, dass Bionahrung nährstoffreicher ist oder ein geringeres Gesundheitsrisiko birgt.
Bio-Essen verringert nach Erkenntnissen der US-Forscher aber das Risiko, Pflanzenschutzmittel zu sich zu nehmen. Für ihre Studie Studie sichteten Wissenschaftler um Dena Bravata tausende Untersuchungen und wählten davon 223 aus, die entweder den Nährstoffgehalt oder die Belastung mit Bakterien, Pilzen oder Pestiziden verglichen.

17 Studien - darunter sechs randomisierte klinische Versuche - betrachteten außerdem Gruppen, die sich biologisch oder herkömmlich ernährten. Eine Langzeitstudie, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Ernährungsweisen beschäftigt, war aber nicht darunter. Die Untersuchungszeiträume betrugen zwei Tage bis zwei Jahre.

Vitamine, Fette, Proteine - alles nahezu identisch
Der Vitamingehalt unterschied sich den Forschern zufolge kaum, Fette und Proteine waren ähnlich verteilt. Krankheitserreger kamen in keiner der beiden Gruppen häufiger vor. Auch besonders gesunde Bio-Früchte oder Bio-Gemüse konnten die Wissenschaftler nicht ausmachen. "Wir waren ein bisschen erstaunt, dass wir nichts gefunden haben", meinte Co-Autorin Crystal Smith-Spangler laut einer Mitteilung der Universität Stanford.

Allerdings waren die Bio-Lebensmittel seltener mit Pestiziden kontaminiert - auch wenn sie nicht zu 100 Prozent frei davon waren. Zwei Studien etwa wiesen im Urin von Kindern, die sich biologisch ernährten, geringere Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln nach. Auch scheint es, als würden Bio-Hühner und -Schweine weniger Antibiotika-resistente Bakterien aufweisen, doch ist die klinische Bedeutung dieser Befunde laut den Forschern unklar.

Weniger Pestizide, aber nicht unbedingt besser
Biolebensmittel enthalten in der Regel nur selten Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln, sind aber qualitativ nicht immer besser als konventionell erzeugte Nahrungsmittel. Zu diesem Ergebnis kam auch die Stiftung Warentest im Mai 2010 nach 85 Lebensmitteltests in den vorangegangegen acht Jahren. Viele Bioprodukte aus den Tests seien zwischen 30 bis 50 Prozent teurer als herkömmliche gewesen. Die Verbraucher unterstützten damit aber eine ökologische, nachhaltige Landwirtschaft und die artgerechte Tierhaltung.

In der Juni-Ausgabe 2010 der Zeitschrift "Test" heißt es, Biolebensmittel seien nicht automatisch gesünder oder schmackhafter. Vorteil der Ökokost sei, dass nur selten Pestizide zu finden sind und Anbieter von Biolebensmitteln sich stärker für Umwelt und Soziales engagieren als Hersteller herkömmlicher Produkte.

Sowohl bei den herkömmlichen als auch bei den Biolebensmitteln seien Produkte mit "sehr gut", aber auch mit "mangelhaft" bewertet worden. Unbedenklich seien beispielsweise frisches Bioobst, Biogemüse und Biotee. In 75 Prozent dieser Produkte seien keine chemischen Pflanzenschutzmittel nachweisbar gewesen. Auch bei Vollmilch oder bei Würzölen hätten die Bioprodukte die konventionellen "deutlich übertrumpft". Hingegen schnitten etwa bei nativem Rapsöl viele konventionelle Produkte besser ab.

Greenpeace: "Verzicht auf Pestizide positiv"
Der Umweltschutzorganisation Greenpeace liegen ähnliche Ergebnisse vor. "Konventionelles Obst ist nicht weniger gesund für den menschlichen Organismus als Bio-Obst und -Gemüse", meinte Christiane Huxdorff, die bei Greenpeace für nachhaltige Landwirtschaft zuständig ist. "Wir sagen nie, dass Bio gesünder ist." Sie betonte allerdings, dass beim biologischen Anbau auf Pestizide verzichtet werde. Dies könne sich positiv auf Mensch und Umwelt auswirken. "Biologische Lebensmittel sind in der Regel frei von Pestizid-Rückständen, es kann aber mal sein, dass Spuren gefunden werden."

Studien über Rückstände liegen noch nicht vor
Die Studie sei "nicht überraschend", kommentierte Agrarforscher Urs Niggli vom wissenschaftlichen Beirat des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Wenn konventionelle Lebensmittel lebensverkürzend wären, müssten sie schließlich vom Markt genommen werden. Allerdings gebe es noch keine Studie über die kombinierten Effekte von Rückständen, die am zulässigen Limit liegen. "Im Apfelanbau etwa werden mehrere Fungizide, Insektizide und Herbizide verwendet, außerdem Phytohormone, um die Früchte auszudünnen. Die Auswirkungen dieser Chemikalien werden nie summiert."

Niggli betonte zudem die "unglaublich positive Wirkung" von ökologischer Landwirtschaft auf die Biodiversität. "Auf dem Land von Biobetrieben herrscht eine viel größere Artenvielfalt - von den kleinsten Mikroorganismen bis hin zu den Vögeln", sagte der Direktor des Forschungsinstituts für Ökologischen Landbau im Schweizerischen Frick. Auch werde das Grundwasser viel weniger belastet - nicht umsonst wollten Wasserwerke, dass in ihrem Einzugsgebiet die Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. "Mit Bio kauft man sich immer ein Paket an positiven Eigenschaften."

Das finden auch die Produzenten der Bio-Lebensmittel, die 2011 bereits 6,1 Prozent der Agrarfläche in Deutschland bewirtschafteten - Tendenz steigend. "Die Gesundheit ist nicht unser Hauptkampffeld", sagte Gerald Wehde, Sprecher des Anbauverbands Bioland. Kernziel der Öko-Landwirtschaft sei es vielmehr, die Umwelt zu erhalten. "Gewässerschutz, Klimaschutz, Artenschutz, Bodenqualität - da erbringen wir eine große ökologische Leistung."

Glossar
Biosiegel für die EU
Innerhalb der EU produzierte Güter und Importe dürfen das neue Biosiegel tragen, wenn sie mindestens zu 95 Prozent biologisch erzeugt sind.
Ernährung
Biolebensmittel sind nicht per se gesünder
Obst und Gemüse aus biologischem Anbau sind nur dann gesünder als konventionelle, wenn sie hygienisch gelagert und transportiert werden.
Bio-Äpfel
Öko-Gewissen schmeckt
Wenn "Bio" auf einem Apfel steht, schmeckt er den Kunden nur deshalb besser, sagt Lebensmitteltechnologin Kirsten Buchecker.
Bioprodukte
Schwierige Kontrollen
"Je weiter die Ware reist, desto schwieriger werden Kontrollen" von Bioprodukten, sagt Markus Rippin vom Marktforschungsinstitut Agro-Milagro Research.
Literatur
Smith-Spangler C et al (2012) Are Organic Foods Safer or Healthier Than Conventional Alternatives?: A Systematic Review. Ann Intern Med157: 348 - 366
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