Montag bis Freitag 18.30 Uhr
Kalender
Mai 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
020304
05
06
07
08
0910111213
14
15
16
17181920
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Traktor versprüht Herbizid © dpa Video
Glyphosat-Studien: ein weites Feld. (Beitrag vom 17. Mai 2016)
Zwei Meinungen
Landwirtschaftsministerium befürwortet Glyphosat
Glyphosat löst keinen Krebs aus, sagen zwei Organisationen der Vereinten Nationen. Sie stehen damit im Widerspruch zu einer anderen Arbeitsgruppe - auch unter UN-Dach.
Tiertests mit für Menschen relevanten Dosen des Mittels hätten gezeigt, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme nicht zu genetischen Zellveränderungen führe, heißt es jetzt. In dem Bericht werden Ergebnisse eines Arbeitstreffens von Experten der Weltgesundheits-Organisation (WHO) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zusammengefasst. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass es bei Tests mit Mäusen bei sehr hohen Dosen Krebsverdacht gab.

Diese Aussagen stehen im Gegensatz zu bisherigen Feststellungen der mit der WHO verbundenen Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon, die Glyphosat 2015 als wahrscheinlich krebserregend eingestuft hatte. Dagegen war die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) wiederum zum Schluss gekommen, der Wirkstoff berge vermutlich keine Krebsgefahr für den Menschen. Das entspricht auch der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Es sieht nach eigenen Angaben "keine Hinweise auf krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat".

"Es ist unwahrscheinlich, dass diese Substanz karzinogen ist", sagte auch der für Herbizide verantwortliche Efsa-Experte Jose Tarazona am 12. November 2015. Allerdings schlug die Efsa vor, Blutproben von Menschen auf Glyphosat-Rückstände hin zu untersuchen.

Nach Einschätzung des Umweltministeriums sind die Urteile von IARC und Expertengruppe von WHO und FAO kein Widerspruch. Während die IARC gleichsam das abstrakte Krebsrisiko ermittelt habe, beziehe sich die Expertengruppe auf die Glyphosat-Menge, die Menschen aufnehmen, sagte ein Ministeriumssprecher: "Das sind zwei Dinge, die sehr gut nebeneinanderstehen können."

EU diskutiert über die Glyphosat-Zulassung
Im Zulassungsprozess ist Deutschland als Berichterstatter für die Koordination zuständig. Die Bundesrepublik empfiehlt, die Zulassung von Glyphosat zu verlängern. Auf Druck des Bundesumweltministeriums soll es aber Einschränkungen beim Einsatz des Pflanzengifts geben. Die EU-Kommission hatte die Abstimmung über eine weitere Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels im März 2016 verschoben. Die Zulassung in Europa läuft im Sommer aus.

Deutschlands Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) teilte nano auf Anfrage mit: "Auf Basis aller vorliegenden Studien kommen die Wissenschaftler überein, dass bei fachgerechter und professioneller Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat keine Zweifel an der Unbedenklichkeit bestehen. Mein Ministerium prüft in diesem Zusammenhang derzeit die Möglichkeiten für eine Beschränkung bzw. ein Verbot des Einsatzes von Glyphosat im privaten Bereich." (Unterstreichungen im Original.)

Glyphosat lässt Kleinlebewesen verschwinden
Ernte Lupe
Zu Risiken und Nebenwirkungen gibt es von jedem eine andere Meinung.
"Die Auswirkungen wurden nur für wenige ausgewählte Organismen getestet", so der Ökotoxikologe Dr. Werner Kratz. "Außerdem finden die maßgeblichen Untersuchungen in Laboratorien statt, nicht im Freiland. Weil Freilanduntersuchungen mit ihrer sehr komplexen Verknüpfung von Arten natürlich sehr viel schwieriger zu simulieren sind als eine Laborsituation." Das Herbizid vernichtet Ackerkräuter und damit die Nahrungsgrundlage für Insekten. Diese wiederum dienen Feldvögeln als Nahrung.

Die Auswertung von mehr als tausend Studien habe aber gezeigt, dass bestimmte glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel wegen anderer Inhaltsstoffe giftiger sein könnten als der Wirkstoff Glyphosat an sich, warnte Andreas Hensel vom BfR. Dies werde bei der Zulassung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel berücksichtigt, fügte er hinzu.

Die Daten gaben Hensel zufolge keinen Anlass, "die gesundheitlichen Grenzwerte des Wirkstoffs wesentlich zu verändern". Bestehende Höchstwerte für Rückstände seien nach wie vor sicher für Verbraucher. Bei Bedarf könnten einzelne Höchstgehalte für Glyphosat sogar ohne Gefahr für Verbraucher angehoben werden, etwa wenn dies wegen neu beantragter Importtoleranzen erforderlich wäre, erklärte das BfR.

Kritiker: Gefahren für den Menschen sind möglich
Kritiker werfen den europäischen Behörden vor, die Bevölkerung nicht auf eine Glyphosat-Belastung hin zu untersuchen und Lebensmittel zu selten auf Rückstände zu testen. Zudem befürchten sie negative Auswirkungen auf das menschliche Hormonsystem und Fehlbildungen bei Kindern.

Deutsche Landwirte spritzen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, um alle Getreidepflanzen in einem Feld auf den gleichen Trocknungszustand zu bringen und so effizienter ernten zu können. In der Schweiz ist es nicht zugelassen. In Österreich wird Glyphosat noch verwendet, es läuft jedoch ein parlamentarisches Verfahren, es zu verbieten.

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Es hemmt ein Enzym, das für die Proteinsynthese in Pflanzen zuständig ist. Es tötet jede Pflanze, die nicht so verändert wurde, dass sie den Einsatz des Herbizids überlebt. Glyphosat wird vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt, aber auch zur Unkrautvernichtung in Parkanlagen, auf Bahngleisen und in Gärten.

Glossar
Glyphosat
Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Es ist seit vielen Jahren umstritten.
Glyphosat im Bier
Prost Mahlzeit!
Glyphosat hat des Deutschen liebstes Getränk erreicht: Das Pestizid ist im Bier gefunden worden. Auch wenn die Konzentrationen gering sind: Die Diskussion entfacht das neu.
Info
LupeGlyphosatverbrauch
Mediathek
VideoUmstrittenes Glyphosat
Die deutsche Bundesregierung will sich einem Zeitungsbericht zufolge bei der EU für die weitere Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat aussprechen. (Beitrag vom 12. April 2016)