Mann vermisst Baum Video
Sonne und nährstoffreiche Abwässer lassen die Bäume gut gedeihen
Wald im Wüstensand
Ägypter arbeiten mit der TU München zusammen
Mitten in der ägyptischen Wüste wachsen Forste, die mit Abwässern bewässert werden. Durch das viele Licht und Nährstoffe sprießen Bäume dort sogar ungewöhnlich schnell.
Forstwissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) helfen nun, diese Wälder ökologisch und ökonomisch zu optimieren und eine nachhaltige Forstwirtschaft in der Wüste Ägyptens zu etablieren. Das Projekt „Nachhaltige Forstwirtschaft in Wüstengebieten in Ägypten unter Verwendung von Abwässern“ ist im März 2012 gestartet.

Die Wissenschaftler der TUM werden bis 2014 an drei Wäldern untersuchen, welche Baumarten am besten für den Anbau in der Wüste geeignet sind. Das bedeutet, dass die Bäume einerseits möglichst wenig Wasser verbrauchen sollen, aber gleichzeitig auch hochwertiges Holz liefern sollen, das sich gut verkaufen lässt. Ideal wären Arten, die große, gerade Stämme haben und besonders stabil sind - die Forscher haben bei ihrem Praxistest 20 Baumarten im Blick. Außerdem suchen Prof. Peter Rutschmann und Prof. Brigitte Helmreich nach Methoden, die Energieeffizienz der Abwasserreinigung zu verbessern.

Die Forschungsergebnisse könnten für große Teile der Südhalbkugel interessant werden, sagt der Forstwissenschaftler Hany El Kateb, gebürtiger Ägypter und Mitarbeiter an der TUM. "Mit den Verbesserungen bei Aufforstung und Abwasserreinigung werden solche 'Wälder in der Wüste' nämlich auch für private Investoren interessant", so El Kateb. Das Projekt könnte demnach als Vorbild für andere Trockengebiete dienen, in denen Abwasser anfällt. Dabei könne neben der Holzproduktion auch der Anbau von Energiepflanzen in Wüstengebieten, die nicht der Nahrungsmittelproduktion dienen, in den Blickpunkt rücken.

Projekt startete, um das Abwasserproblem zu lösen
Mitte der 1990er Jahre hatte die ägyptische Regierung ein Pilotprojekt gestartet, das das Abwasserproblem lösen sollte: In verschiedenen Wüstengebieten außerhalb der großen ägyptischen Städte wurden unterschiedliche Baumarten angepflanzt und mit vorgereinigtem Abwasser bewässert.

Im Rahmen dieses Pilotprojekts wurden insgesamt über 4000 Hektar auf 24 Standorten aufgeforstet, das ist etwa das Zehnfache des Englischen Gartens in München. Gepflanzt wurden unter anderem Akazien, Kasuarinen und Zypressen: "Nach nur sieben Jahren sind bis zu 15 Meter hohe Wälder in der Wüste entstanden. Dank Sonnenlicht und nährstoffreichem Abwasser wachsen die Bäume schneller als etwa in Mitteleuropa", erläutert El Kateb. Die Aufforstungen in Ägypten haben zudem einen positiven Klimaeffekt: Bäume speichern das Treibhausgas Kohlendioxid, daher leisten die neuen Wälder einen Beitrag gegen die globale Klimaveränderung.

Ägypten hat 84 Millionen Einwohner. Der größte Teil von ihnen lebt im Niltal und -delta auf gerade einmal vier Prozent der Landesfläche, denn die restlichen 96 Prozent Ägyptens bestehen aus Wüste. Die Besiedelung am Grünstreifen des Nils ist schon jetzt extrem dicht, ein weiterer Anstieg ist prognostiziert. Die vielen Menschen produzieren schon heute riesige Abwassermengen, deren Entsorgung problematisch ist.

Glossar
Ägypten
Ägypten ist mit knapp 79 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste arabische Land. Allein in Kairo leben zehn Millionen Menschen.
mehr zum Thema