Pestizidfahnder Video
Nur mit Schutzmaske dürfen Fahnder die Pestizide unter die Lupe nehmen
Illegale Stoffe im Umlauf
Häufig gelangen illegale Pestizide in Lebensmittel
Über illegale Pflanzenschutzmittel können krebserregende Substanzen in unsere Nahrungskette gelangen, warnt Prof. Martin Göttlicher vom Helmholtz-Zentrum-München.
Der Toxikologe hat unter anderem Ethylmethansulfonat (EMS) in Pestizidfälschungen gefunden. "Das ist eine Substanz, die gar nicht drin sein sollte. EMS ist eine erbgutverändernde Substanz." Die Substanz könne Vorstufen zum Krebs auslösen. Besonders gefährdet seien Landarbeiter, die die Stoffe auf dem Feld ausbringen. Problematisch sei es, die Pestizide nachzuweisen, vor allem, wenn man in Lebensmitteln suche.

"Die Kontrollbehörden suchen nach den falschen Sachen", warnt auch Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Sie suchen nach den Pestiziden, die in Europa auch zugelassen sind. Er wird nicht nach Dingen gesucht, die man hier gar nicht vermutet. Das war auch beim letzten Dioxinskandal so und das ist unser großes Problem. Wir müssen wirklich mit allem rechnen und diese kriminelle Energie gezielt aufdecken.

Europol: Handel mit den Pestiziden bringt Milliarden
Die europäische Polizeibehörde Europol hatte bereits im Janaur 2012 vor einem Anstieg des Handels mit gefälschten und illegalen Pestiziden gewarnt, die zum Bau von Bomben verwendet werden könnten. Der Handel mit diesen Chemikalien bringe dem organisierten Verbrechen "mehrere Milliarden Euro pro Jahr ein", erklärte die Behörde in Den Haag. Europol-Sprecher Sören Pedersen sagte, es sei "recht einfach, mit Pestiziden Bomben zu bauen". "Deshalb wird ihr Verkauf im legalen Kreislauf sehr genau beobachtet, damit wir schnell bemerken, wenn es einen verdächtigen Kauf gibt", sagte Pedersen.

Laut Europol profitiert das organisierte Verbrechen von einer "außergewöhnlichen Gewinnspanne" in diesem Bereich und von der fehlenden Harmonisierung der Gesetze in den verschiedenen Staaten. "Dies macht es zu einem schnell wachsenden Bereich des organisierten Verbrechens." Der Handel mit illegalen Pestiziden werde in ganz Europa beobachtet, vor allem aber im Nordosten des Kontinents, erklärte Europol. Mehr als ein Viertel der im Umlauf befindlichen Pflanzenschutzmittel in einigen EU-Staaten stammten vermutlich aus dem illegalen Pestizid-Markt.

Die Kriminellen nutzten für den Handel mit illegalen Pestiziden hoch komplexe Lieferketten, erklärte Europol. Über legale Firmen tarnen sie demnach ihre verbotenen Aktivitäten. Europol empfahl den Regierungen der Mitgliedstaaten, den Pestizidhandel stärker zu überwachen und ihre Gesetze aneinander anzupassen.

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