Windrad, Stromkabel Video
Deutschland will grünen Strom - aber auf dem Weg liegen noch Stolpersteine
Viel Wind um den Strom
Deutschlands Kanzlerin lädt zum Kraftwerksgipfel
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit führenden Vertretern der Stromproduzenten über Probleme bei der Umsetzung der Energiewende.
Anteile erneuerbarer EnergienLupeAnteile erneuerbarer Energien
Strom aus der SonneLupeStrom aus der Sonne
Kosten für SolarstromLupeKosten für Solarstrom

Neben Problemen beim Netzausbau soll es vor allem darum gehen, welche konventionellen Kraftwerke die Stilllegung von neun Atomkraftwerken bis 2022 auffangen könnten. Bisher gibt es zum Beispiel kaum Pläne für neue Gaskraftwerke. Da es einen Einspeisevorrang für Wind- und Solarstrom gibt, ist bei immer mehr Ökoenergie unklar, ob sich eine Milliardeninvestition in ein Gaskraftwerk rechnet: Bisher ist nicht absehbar, wie viele Stunden das Kraftwerk pro Jahr Strom produzieren kann.

Daher wird überlegt, wie sich der Energiemarkt neu gestalten lässt, damit es neben dem Ausbau der Ökoenergien auch weiterhin genug Energie gibt, die in ihrer Produktion zu hundert Prozent planbar ist und Windflauten oder fehlendes Sonnenwetter auffangen kann. Das auf zwei Stunden angesetzte Treffen ist informeller Natur, daher ist kein öffentliches Statement der Kanzlerin geplant.

Merkels Baustellen bei der Energiewende
Kosten: 2013 drohen für einen normalen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden Ökoförder-Kosten von bis zu 175 Euro (derzeit 125): Die zuständigen Netzbetreiber rechnen mit einem deutlichen Anstieg der von allen Stromverbrauchern zu zahlenden Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Grund liege auch in immer mehr Ausnahmen für Industriebetriebe und in einer neuen, sehr teuren Marktprämie für Wind- oder Solarparkbesitzer, die ihren Strom selbst vermarkten.

Stromnetz: Die 4450 Kilometer an neuen Stromautobahnen, die laut Deutscher Energie-Agentur gebraucht werden, gelten schon wieder als überholt. Das Wachstum der erneuerbaren Energien erfolgt zwar rasant. Dies treibt aber die Förderkosten - und es fehlen schlicht Netze zum Abtransport, gerade vom Norden in den Süden. Zudem bremsen technische Probleme die Anbindung der See-Windparks. Bisher ist unklar, wie der Netzausbau stärker auf den Ausbau der erneuerbaren Energien abgestimmt werden könnte. Im bisher Atomenergie-lastigen Süden gibt es zu wenig Ökoenergie und im Norden und Osten vielerorts zu viel.

Kraftwerksausbau: Zwar gibt es nach der vom Branchenverband BDEW erstellten neuen Kraftwerksliste 84 Kraftwerksprojekte (Wind, Gas, Kohle) mit einer Leistung von 42.000 Megawatt. Aber bisher fehlen immer noch Dutzende Gaskraftwerke, um gerade nach 2022 den Ausfall aller Atomkraftwerke aufzufangen. Da jetzt schon an einigen Tagen Wind und Sonne den Bedarf fast decken können, gibt es eine zu große Unsicherheit, ob neue Kraftwerke genug Produktionsstunden bekommen. Sie sind aber notwendig, um zu jeder Tages- und Nachtzeit und zu allen Wetterlagen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gefordert werden daher besondere finanzielle Anreize.

Speicher: Dieses Thema hängt eng mit den Kraftwerksplänen zusammen. Bisher gibt es erst 6400 Megawatt Speicherkapazitäten in Pumpspeicherkraftwerken. Hier kann überschüssiger Strom bei zu viel Wind und Sonne durch das Heraufpumpen von Wasser in ein höher gelegenes Becken gespeichert werden. Bei Flaute und Wolken stürzt das Wasser herunter und treibt stromerzeugende Turbinen an. Das Potenzial ist hier aber begrenzt, daher ruhen Hoffnungen auf neuen Ideen wie der Wind-zu-Gas-Technologie. Aber: Das Ganze braucht Zeit. Gibt es einen Durchbruch bei Speichern, dann dürfte die Ökowende weltweit Nachahmer finden. Aber ohne Speicher bleibt die Stromproduktion aus Wind und Sonne schlicht unkalkulierbar und sehr teuer.

Glossar
EEG - Gesetz für Strom
Das deutsche "Erneuerbare Energien Gesetz" (EEG) fördert seit 2000 Strom aus regenerativen Quellen und hat Ökostrom den Weg bereitet.
Bundesnetzagentur gefordert
Die Netzbauer
Der Netzausbau kranke daran, dass die Politik keine klaren Vorgaben gemacht habe", kritisiert Elmar Große Ruse vom Naturschutzbund (Nabu) Deutschland.
Erneuerbare Energien
Stromnetz zu unflexibel
"Wir brauchen kleinere und dezentrale Anlagen und nicht Kohle- oder Kernkraftwerke, denn diese sind technisch zu inflexibel."
Stromnetz
Im Atomzeitalter steckengeblieben
Das das deutsche Stromnetz steckt noch im Zeitalter der Großkraftwerke fest. Es ist träge und bisher eher unflexibel.
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