Montag bis Freitag 18.30 Uhr
Kalender
August 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
1516171819
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
Autos auf Straße Video
Höhere Feinstaubgrenzen für Benziner halten viele Mediziner für nicht vertretbar
Benziner verursachen mehr Feinstaub als Diesel
Benzinmotoren nicht unbedingt umweltfreundlich
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der ADAC fordern gleich hohen Feinstaubgrenzwerte für Benzin- und Diesel-Autos.
Moderne Benziner sind mit einer grünen Umweltplakette ausgestattet und dürfen so in die Umweltzonen von Großstädten fahren. Doch neue Benzinmotoren mit Direkteinspritzung emittierten Feinstaub in vielfach höheren Mengen als Diesel-Pkw, erklärte die Umwelthilfe im September 2011 in Berlin. Der ADAC wandte sich gegen Pläne des europäischen Autohersteller-Verbandes ACEA, für Benziner Grenzwerte festzulegen, die um das Zehnfache über denen für Diesel liegen.

"Es ist ein Armutszeugnis für die Automobilindustrie, dass die neuen Benziner-Direkteinspritzer, die als die allerneueste Umwelttechnik gelten, in Wirklichkeit die gesundheitsschädlichste Technik überhaupt darstellen", sagt Jürgen Resch von der DUH. "Das zeigt auch, dass alle Zusagen, umweltfreundlichere Motoren zu bauen, einfach nur Luftblasen sind. Den Autokonzernen geht es einmal mehr um Profitmaximierung. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung ist ihnen völlig egal."

Für Diesel-Autos liegt der Grenzwert für die Partikelmasse bei fünf Milligramm pro Kilometer und der für die Partikelanzahl bei 600 Milliarden Teilchen pro Kilometer. Obwohl die mit der Feinstaubemission verbundenen Gesundheitsgefahren bei Benzinern dieselben wie bei Diesel-Pkw seien, kämpfe die Industrie um erheblich großzügigere Regelungen, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Der Münchner Epidemiologe Erich Wichmann wies auf das erhöhte Infarkt- und Lungenerkrankungsrisiko durch die Feinstaub-Partikel hin.

"Wir haben es mit viel Mühe in den letzten Jahren hingekriegt, dass die Situation sich bei Dieselfahrzeugen verbessert", so Wichmann. "Es macht überhaupt keinen Sinn, jetzt bei Benzinern dieses Risiko wieder hochzufahren. Und dass hier der europäische Automobilverband offenbar geschafft hat, Sonderregelung für Benziner einzuführen, ist medizinisch nicht vertretbar."

"Wir haben aber das Problem, dass die Benzindirekteinspritzer hohe Partikelemissionen verursachen", sagt Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technik-Zentrums. "Im Vergleich zum besten Dieselfahrzeug sind die Emissionen eines Benzindirekteinspritzerfahrzeuges im ungünstigsten Fall um bis zu 10.000-fach höher. Diese Benzindirekteinspritzer sind damit natürlich deutlich gesundheitsschädlicher als ein moderner Diesel mit entsprechend niedrigen Emissionen."

ADAC legte sich nicht auf Filter fest
Der ADAC erklärte es für "notwendig, dass der Gesetzgeber auch für Ottomotoren mit Direkteinspritzer einen Partikelzahl-Grenzwert im Rahmen der Euro-6-Verordnung festschreibt". Dieser solle sich am Grenzwert für Dieselmotoren orientieren. Und er solle mit der EU-6-Norm 2014 in Kraft treten. Die Autoindustrie kämpft dagegen für ein "Phase-in" mit höheren Grenzwerten, die erst 2017 in Kraft treten sollen.

Wie die schärferen Vorgaben erreicht werden sollen, ließen beide Organisationen offen. Das sei Aufgabe der Industrie. Gleichwohl wies die Umwelthilfe darauf hin, dass es die Möglichkeit gebe, einen Filter wie bei den Dieselautos einzubauen, der zwischen 40 und 120 Euro koste. Der ADAC äußerte die Ansicht, dass sinnvolle "innermotorische Lösungen" - also Lösungen im Motormanagement - ohne Mehrkosten für den Autofahrer zu erreichen seien. Wer per se nur auf den Partikelfilter setze, riskiere unnötige Erhöhungen im Kraftstoffverbrauch und damit mehr Kohlendioxidausstoß.

Glossar
Feinstaub
Unter Feinstaub versteht man kleine Schwebeteilchen in der Luft, die höchstens ein Größe von zehn Mikrometern haben.
Glossar
Umweltzonen in Deutschland
Umweltzonen in immer mehr deutschen Städten grenzen die größten "Stinker" vor allem unter Diesel-Fahrzeugen aus.
mehr zum Thema