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Mühe, die sich lohnt: 66 Berge haben Biologen für ihre Studien erstiegen
Gefahr für Alpenblumen
Klimawandel verschiebt die Flora in den Alpen
Klimaerwärmung und immer trockenere Sommer gefährden Alpenblumen, die nur in den Hochlagen weniger Berge vorkommen.
Die Bergpflanzen Europas wandern in höhere Lagen, haben Wissenschafter der Uni Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nachgewiesen. Das kann die Artenzahl erhöhen - allerdings nur in den Bergen Nord- und Zentraleuropas.

Im Gegensatz dazu stagnierte oder verringerte sich die Anzahl der Arten auf so gut wie auf allen untersuchten Bergen der Mittelmeer-Region. "Der Rückgang auf den Gipfeln im Süden Europas ist besonders beunruhigend, weil die Gebirge im Mittelmeergebiet eine einzigartige Pflanzenwelt beherbergen, die zu einem Großteil aus nur dort lebenden Arten besteht - diese Bergblumen finden sich nirgendwo sonst auf der Erde", sagt der Gebirgsforscher Dr. Harald Pauli.

"Die Artenverluste wurden überwiegend auf den niedrigeren Gipfeln beobachtet, wo wir einen stärkeren Wassermangel erwarten als auf den schneereicheren höheren Gipfeln", fügt Pauli hinzu. In den meisten Gebieten stieg die Temperatur, während die Niederschläge zurückgingen. Ein Trend, der sich nach Meinung der Forscher in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen wird. Die Habitate für kälteliebende Pflanzen schrumpfen und verschwinden.

Pflanzen der hohen Alpen sind ebenfalls gefährdet
Die Flora in den Gipfelfluren weiter nördlich, in den Alpen oder in Skandinavien, wurden dagegen reicher. Dennoch sind die Alpenblumen im Norden nicht weniger gefährdet, meint der Wiener Landschaftsökologe Dr. Michael Gottfried, "weil die neu hinzukommenden Pflanzen überwiegend weit verbreitete Arten aus tieferen Lagen sind, die den Konkurrenzdruck auf die selteneren kälteliebenden Alpenblumen erhöhen."

Die hohen mediterranen Gebirge sind kleinflächige kalte Lebensräume, die sich wie Inseln im viel wärmeren Umland verteilen. Regenarme Sommer sind charakteristisch für die gesamte Region um das Mittelmeer. In den Hochgebirgen fällt fast der gesamte Niederschlag in Form von Schnee im Winter und Frühjahr. Das Schmelzwasser sei deshalb für die mediterranen Hochgebirgspflanzen für die Wachstumsperiode während der trockenen Sommer "essentiell". Die Forscher haben 2001 und 2008 auf 66 Berggipfeln zwischen Nordeuropa und dem südlichen Mittelmeergebiet die Pflanzen erfasst.

Erhitzte Almwiesen könnten Schaden nehmen
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Forscher haben Wiesenstücke verlegt, um den Klimawandel zu simulieren
Wenn die Vegetationszonen wegen des Klimaswandels in die Höhe wandern, profitieren einige Wiesen davon, andere werden Schaden nehmen. Das vermutet die Bozener Umweltwissenschaftlerin Prof. Ulrike Tappeiner. Sie und ihr Team haben Wiesenstücke 500 Meter tiefer gesetzt und so die Verlagerung der Klimate simuliert. "Den Wiesen, die von 2000 Meter auf 1500 Meter gereist sind, ist es hervorragend gegangen. Sie haben mehr produziert, wogegen die Wiesenstücke, die wir von 1500 Meter auf 1000 Meter hinunter transplantiert haben, in eine für sie nicht so ideale Umgebung gekommen sind. Da war es zu warm."

Literatur
Pauli H et al (2012) Recent Plant Diversity Changes on Europe’s Mountain Summits. Science 336: 353 - 355