Montag bis Freitag 18.30 Uhr
Archiv & Vorschau
September 2014
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
0102030405
06
07
0809101112
13
14
1516171819
20
21
2223242526
27
28
29
30
01
02
03
04
05
Die Themen der Sendung
22. September 2014
  • Alzheimer- falsch gefaltet
  • Zu Risiken und Gentests ...
© Geomar, Maike Nicolai Video
Plattfisch ist nicht gleich Plattfisch - Forschern kam es auf die Unterschiede an
Kein Verlass
Forscher kritisieren gängige Fischschutz-Label
Man könne sich auf die Fischschutz-Label nicht verlassen, sagt der Fischereibiologe Rainer Froese vom Geomar-Institut für Ozeanforschung in Kiel.
"Nur etwa die Hälfte der MSC-zertifizierten Produkte stammte aus nachweislich gesunden Beständen und wurde nicht zu oft und zu stark, also zu hart befischt", sagt er. "Ein Drittel der zertifizierten Fischbestände war zu klein und wurde gleichzeitig zu hart befischt, so dass sich die Bestände nicht erholen können und schrumpfen. Die übrigen Bestände waren entweder zu klein, oder zu hart befischt, oder es lagen keine belastbaren Informationen vor."

Geomar hatte für eine Studie hundert MSC-zertifizierte Bestände und dreißig FOS-zertifizierte Bestände überprüft. "Wir haben uns angeguckt, wie groß der Bestand ist und wie stark er befischt wird", sagte Froese.

Die Kritik zeigt Froese zufolge Wirkung: MSC und FOS sei die Studie vorab zugänglich gemacht worden. FOS habe daraufhin drei Beständen sein Siegel entzogen, MSC habe die Zertifizierung von vier Beständen vorübergehend ausgesetzt.

MSC widerspricht, will aber "offen für Kritik" sein
Dem widersprach allerdings der MSC: Die Entscheidung habe nichts mit der Studie zu tun, sagte die Sprecherin, Gerlinde Geltinger. Der MSC überprüfe seine Standards regelmäßig und kontrolliere, ob das Siegel zu Recht vergeben wurde. "Wir sind offen für Kritik", sagte Geltinger zu den Ergebnissen der Geomar-Studie. Das mäßige Abschneiden des MSC habe aber viel damit zu tun, "dass mit unterschiedlichen Definitionen von Grenzwerten gearbeitet wurde, ab wann ein Bestand als überfischt gilt".

Sollen die Verbraucher beim Fischkauf nun noch auf die Gütesiegel achten? "Ja", sagt Froese. "Weil trotz aller Fehler der Anteil gesunder Bestände hier höher ist als bei nicht-zertifizierter Ware." MSC-Deutschland war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Dass der MSC bei der Studie so schlecht abschneidet, hat Froese zufolge mehrere Gründe: "Wie es dem Fischbestand eigentlich geht, wird bei der Vergabe zu schwach bewertet. Das fließt nur zu rund acht Prozent ein, sonst geht es vor allem um Verwaltung." Außerdem vergebe nicht der MSC selbst das Siegel, sondern überlasse das unabhängigen Firmen. "Diese Firmen werden oft von den Fischereien bezahlt und haben ein Interesse daran, dass ihre Klienten das Siegel bekommen, auch wenn der Bestand tatsächlich überfischt ist", kritisierte Froese.

Für die FOS-zertifizierten Produkte hätten oft zu wenig belastbare Informationen vorgelegen, um überhaupt eine Aussage treffen zu können, sagte der Experte. Er forderte: "Die Zertifizierer müssen ihre Kriterien verschärfen und dann auch einhalten. Überfischten Beständen muss das Siegel entzogen werden." Als Beispiel nannte Froese Seelachs aus der Nordsee: "Nach der Zertifizierung schrumpfte der Bestand unter immer stärkerer Befischung. Jetzt ist die Grenze zum Zusammenbruch erreicht, das MSC-Siegel soll aber nicht entzogen werden."

Fische
Hingucken erlaubt
Verbraucher sollten beim Einkaufen von Fisch nach Angaben der Umweltorganisation WWF auf eine Reihe von Sorten lieber verzichten.
Umweltschädliche Zucht
WWF: besser kein Pangasiusfilet kaufen
Von der Pangasiuszucht im Hauptexportland Vietnam gehen viele Umweltrisiken aus, so der "World Wide Fund for Nature" (WWF).
Literatur
Froese R, Proelss A (2012) Evaluation and Legal Assessment of Certified Seafood. Mar Policy, DOI .1016/j.marpol.2012.03.017
Links
mehr zum Thema