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Deutschlands Bioprodukte stammen schon oft nicht mehr aus dem Inland
"Kontrollen für Bioprodukte verbessern"
Viele der Lebensmittel kommen aus dem Ausland
"Die Kontrolle für das selbe Produkt kann in unterschiedlichen EU-Ländern ganz unterschiedlich ablaufen", sagt Prof. Stephan Dabbert.
Noch gibt es keine einheitliche lückenlose Kontrolle innerhalb der Europäischen Union (EU), was die Qualität von Bioprodukten betrifft. "Viel wichtiger ist, dass auch die Sanktionen völlig unterschiedlich ausfallen können, so dass auf den selben Verstoß gegen die EU-Verordnung eine unterschiedliche Reaktion erfolgen kann. Das sollte nicht sein", so der Agrarökonom von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Er hat mit Kollegen aus sieben Ländern das Öko-Kontrollsystem in der Europäischen Union unter die Lupe genommen.

Über die Verarbeitung der Produkte können etwa Pestizidrückstände in die Ware gelangen: "Ich kann ja die Ökoverordnung einhalten und trotzdem Pflanzenschutzmittel in meiner Ware haben", kritisiert Maria Roth von der staatlichen Lebensmittelkontrolle in Baden Württemberg. Einige Erzueger meinten, man könne konventionelle und Bio-Lebensmittel in den gleichen Anlagen sortieren oder etwa Wein durch die selben Filter laufen lassen. Roth und ihre Kollegen fordern einheitliche Grenzwerte für die gesamte Europäische Union. Das unterstützen viele Bio-Erzeuger: "Die Bio-Branche hat kein Interesse daran, die schwarzen Schafe zu schützen", so Roth. "Wenn wir feststellen, über die Verarbeitung sind Pestizide in die Produkte gekommen, dann ändert die Biobranche das."

Die Staaten sollen enger zusammen arbeiten
"Je weiter die Ware reist, desto schwieriger werden Kontrollen" von Bioprodukten, sagt Markus Rippin vom Marktforschungsinstitut Agro-Milagro Research. Der Skandal um italienische Bioprodukte im Dezember 2011 habe womöglich Kunden abgeschreckt, sagt Agro-Rippin. "Aber wohl vor allem Leute, die nicht so häufig Bio-Waren kaufen". Der Bio-Fachhandel werde dagegen davon profitieren. Für das Vertrauen, dass die dortigen Produkte meist nicht nur nach den Richtlinien der EU-Ökoverordnung hergestellt, sondern weiteren Kontrollen von Verbänden wie Demeter unterzogen wurden, seien die Verbraucher auch bereit, höhere Preise zu zahlen.

Der Skandal in Italien sei in seinem Ausmaß erschreckend, sagte Dabbert im Januar 2012. Jedoch zeige seine Aufdeckung auch, dass die Kontrolle funktioniere. Die einzelnen Länder gingen dabei aber völlig unterschiedlich vor: Was im einen Land als Unregelmäßigkeit gelte, werde im anderen möglicherweise nicht geahndet. Eine europaweit einheitliche Kontrolle der Kontrolleure sei daher dringend nötig, forderte Dabbert bereits damals. "Wenn die Kontrolleure fälschen, dann wird es schwierig."

Dabbert forderte, die Staaten sollten bei den Kontrollen voneinander lernen. So sei etwa bekannt, dass Betriebe, die einmal gegen Öko-Richtlinien verstoßen hätten, mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut schummelten. Deshalb müssten sie stärker beaufsichtigt werden. Dies geschehe bisher nur in einigen Ländern.

"Eine hundertprozentige Sicherheit kann man aber nicht herstellen", sagte der Forscher. Gegen vorsätzlichen Betrug etwa sei kaum etwas auszurichten. Ein perfektes Kontrollsystem wäre seiner Ansicht nach zudem viel zu teuer. 2008 seien in der EU etwa 100 Millionen Euro für die Öko-Kontrolle ausgegeben worden. Das entspreche einem halben Prozent des Branchenumsatzes.

EU-Öko-Erzeugnisverordnung ist bindend für "Bio"
Bio-Lebensmittel enthalten einer umfangreichen Studie zufolge tatsächlich nur in seltenen Fällen Rückstände von Pestiziden."Nach dem, was wir in den letzten Jahren an Untersuchungen gemacht haben, können wir unterstreichen: Es ist Bio drin, wenn Bio draufsteht", sagte der Lebensmittelchemiker Magnus Jezussek vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen im Juni 2012. Das Landesamt hatte von 2007 bis 2011 mehr als 1600 Proben auf bis zu 600 Stoffe untersucht.

"Bio ist in aller Regel rückstandsfrei", resümierte der Experte. Nur bei 1,4 Prozent der Obst- und Gemüseproben hätten die Tests den Verdacht auf Verbrauchertäuschung nahegelegt. Ansonsten hätten die Analytiker höchstens minimale Rückstände gefunden, die etwa auf Kontamination durch Wind zurückzuführen seien. Bei Getreide und den anderen untersuchten Produkten war die Quote ebenfalls sehr niedrig.

"Bio-Lebensmittel müssen die EU-Öko-Erzeugnisverordnung einhalten", erläuterte Jezussek den Unterschied zu gewöhnlicher Nahrung. Herkömmlich wirtschaftende Bauern dürften etwa bestimmte Stoffe wie chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel oder Mineraldünger verwenden, solange bestimmte Höchstgrenzen nicht überschritten werden. "Wir haben einen Anteil von rund 80 Prozent der konventionellen Lebensmittel, wo Rückstände drin sind", schilderte Jezussek. Besonders häufig hätten die Tests überhöhte Konzentrationen in Trockenobst wie Rosinen oder getrockneten Aprikosen ergeben.

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VideoSchwierige Kontrollen
"Je weiter die Ware reist, desto schwieriger werden Kontrollen" von Bioprodukten, sagt Markus Rippin vom Marktforschungsinstitut Agro-Milagro Research.
(nano-Beitrag vom 25. Januar 2012)
Glossar
Biosiegel für die EU
Innerhalb der Europäischen Union produzierte Güter und Importe dürfen das Biosiegel tragen, wenn sie mindestens zu 95 Prozent biologisch erzeugt sind.
"Bio" und "Öko"
Kein Unterschied
Im Zusammenhang mit Lebensmitteln bezeichnen beide Begriffe - "bio" und "öko" - Produkte, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erzeugt und verarbeitet wurden.
Gast
VideoZum Thema sprachen wir am 25. Januar 2012 mit dem Agrarökologen Dr. Christoph Scherber.
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