Mann mit Handschuh Video
Handschuh versprechen Hygiene bei Lebensmitteln, die sie nicht halten
Handschuhfreie Hygiene
An Frischetheken wird Schutz nur vorgegaukelt
Handschuhe an Frischetheken helfen der Hygiene nicht, sagt Dr. Annette Kolk vom Institut für Arbeitsschutz: Nach fünf Minuten haften an ihnen mehr Keime als an der bloßen Hand.
Ein Vorteil seien die Handschuhe nur dann, wenn die Verkäufer morgens eine frische Packung öffneten und für jeden Kunden einen neuen anzögen. Durch das Tragen entstehe "eine gewisse Fahrlässigkeit", so Kolk: Man verliere das Gefühl, wann die Hände klebrig seien und wann man sie waschen müsse. "Es reicht vollkommen aus, mit sauberen gewaschenen Händen zu arbeiten und man kann durch die Verwendung von Vorlegbestecken den Kontakt mit der Ware und den eigenen Hautflächen durchaus vermeiden - man muss einfach nicht alles mit der bloßen Hand berühren."

Zudem belasteten die Handschuhe die Haut der Arbeitnehmer, sagt Arbeitsmediziner Dr. Peter Schiefen von der zuständigen Berufsgenossenschaft. "Die Haut ist permanent feucht in diesen Handschuhen. Durch diese Feuchtigkeit quillt die obere Hornschicht auf: Die barrierische Funktion wird gestört. Es entwickeln sich über längerfristige Zeiträume Hautkrankheiten. Das fängt mit Rötungen, Schuppungen und heftigem Juckreiz an. Es können im Extremfall auch schmerzhafte Hauteinrisse auftreten. Das ist dann ein Hautekzem, das auch als Berufskrankheit anerkannt ist."

  • Hautkrankheiten machen mit 30 Prozent den Hauptanteil aller gemeldeten Berufskrankheiten aus.
  • Wird eine solche Hauterkrankung nicht behandelt, geben Studien zufolge die Betroffenen 8 bis 14 Monate nach Auftreten der Symptome den Beruf auf.
  • Eine Umschulung kann die Sozialversicherung 100.000 Euro pro Fall kosten.
  • Bei Berufsdermatosen wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. Bis zu 900.000 Fälle werden angenommen, gemeldet wurden der gesetzlichen Unfallversicherung 2010 knapp 24.000 Fälle.
  • Macht ein von einer Hauterkrankung Betroffener eine entsprechende Kur, wird er im Jahr danach erheblich seltener arbeitsunfähig geschrieben als im Jahr davor.
  • Die meisten beruflich bedingten Hautkrankheiten betreffen die Hände. Diese machen ein Prozent der Körperoberfläche aus.

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