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Flugzeug über hausdacH © dpa Video
Fluglärm stresst die Anwohner (Beitrag vom 30. Oktober 2015)
Überraschendes zum Lärm
Studie: Krach macht weniger krank als gedacht
Nach einer Studie sind die Auswirkungen von Krach auf die Gesundheit insgesamt nicht so schlimm wie angenommen. Es gibt aber noch viel Forschungsbedarf.
Wer gerne fliegt und in der Nähe eines Flughafens wohnt, leidet weniger unter Fluglärm und schläft besser als Flugverkehr-Kritiker. Das ist jetzt wissenschaftlich belegt. Sehr viele Menschen, die rund um einen Flughafen wohnen, fühlen sich belästigt, ebenso wie Menschen in der Nähe von Autobahnen oder Bahnstrecken. Aber macht der Lärm auch krank? Ja, aber weniger als bisher diskutiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health), die am 29. Oktober 2015 in Frankfurt vorgestellt worden ist. Nach Lesart des Flughafenbetreibers Fraport wurden dabei sogar nur "minimale" Gesundheitsrisiken festgestellt.

Alles nicht so schlimm?
Einige Ergebnisse der laut Auftraggeber umfassendsten Lärmwirkungsstudie: Fluglärm erhöht zur Überraschung der Forscher das Risiko, an einer Depression zu erkranken, Herz-Kreislauferkrankungen riskieren eher Menschen, die an einer vielbefahrenen Bahnstrecke wohnen und auf den Blutdruck habe Dauerlärm gar keinen Effekt. Wenig überraschend ist, dass der nächtliche Schlaf besser ist, wenn die Lärmquelle wegfällt - nämlich während des Nachtflugverbots, das in Frankfurt 2011 eingeführt wurde. Für Karsten Möring (CDU), Lärmexperte im Umweltausschuss des Bundestags, sollten diese positiven Effekte nun auch Konsequenzen für den Flughafen Köln-Bonn haben, wo bisher kein Nachtflugverbot gilt.

An der NORAH-Studie haben Wissenschaftler verschiedener Disziplinen fünf Jahre lang gearbeitet. Auf 2500 Seiten haben sie ihre Ergebnisse zusammengefasst - nach ihren Angaben die bisher umfassendste Untersuchung von Lärmwirkung. "NORAH ist ein Meilenstein", sagte Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsmitglied des landeseigenen Forums Flughafen und Region, das die Studie in Auftrag gegeben hatte. Schwerwiegende Risiken bringe der Flugverkehr nicht, wohl aber eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dies müsse künftig als Parameter mehr beachtet werden.

Die Kritik lässt nicht auf sich warten
Vor allem die NORAH-Ergebnisse, nach denen Lärm keine Wirkung auf den Blutdruck hat, weichen von bisherigen Untersuchungen ab. "Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann", hatte der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel bei der Vorstellung seiner Studie 2013 gesagt. Als Reaktion auf die Vorstellung der NORAH-Studie sagte Münzel am 30. Oktober 2015: "Fluglärm ist ein neuer Herzkreislaufrisikofaktor, den weder wir als Ärzte noch die Patienten beeinflussen können, sondern nur die Politik." Er widersprach vor allem der Teilstudie zum Bluthochdruck, die aus seiner Sicht unglaubwürdig niedrige Ergebnisse ausweise.

Desweiteren äußerte sich der Frankfurter Kardiologe Professor Martin Kaltenbach, er sei froh, das er seine Mitwirkung an der Studie abgelehnt habe: "Ich wollte nicht, dass unter dieser Studie mein Name steht." Und auch der Bremer Epidemiologe Professor Eberhard Greiser sprach von "methodischen Hämmern" und sagte, er sei bei der Studie "von einem Entsetzen ins andere gefallen". Bei der Teilstudie über die Auswirkungen auf die Lebensqualität seien die Angehörigen der Oberschicht mit statistisch höherem Gesundheitsniveau überrepräsentiert. Zudem fehle die Untersuchung der Bevölkerung in einer von Fluglärm unbelasteten Referenzregion.

Außerdem zweifeln Fluglärmgegner die Objektivität der Studie an. Finanziert wurde die Studie unter anderem vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, den Luftverkehrsgesellschaften und dem Land Hessen.

Vorherige Studien liefern andere Ergbnisse
Das Umweltbundesamt (UBA) hat bereits im Februar 2013 zu mehr Engagement beim Lärmschutz aufgerufen. Lärm sei eine Belastung, die zwar nur lokal wirke, aber nahezu flächendeckend in Deutschland auftrete, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Jeder zweite Menschen fühle sich inzwischen durch Lärm gestört oder belästigt. Der hohe Geräuschpegel nerve nicht nur, er könne auch krank machen, betonte Flasbarth schon damals.

"Ihr Ohr ist den ganzen Tag wach, es schläft niemals", sagt Thomas Myck vom UBA. Der Lärm gelange unbewusst in den Körper und führe im Gehirn dazu, dass Stresshormone ausgeschüttet werden. Diese Stresshormone erhöhten den Blutdruck erhöhen und könnten im schlimmsten Falle zu Herz-Kreislauferkrankungen führen. Besonders bei Kindern seien die Lärmfolgen gravierend. Lärm könne die Sprachentwicklung und die Lesefähigkeit auf Dauer negativ beeinflussen.

40 Prozent der EU-Bevölkerung müssen einen Straßenverkehrslärm von mehr als 55 Dezibel tagsüber ertragen, so eine Studie der Weltgesundheits-Organisation (WHO). Mehr als 30 Prozent der Bürger sind demnach nachts einem Lärmpegel von mehr als 55 Dezibel ausgesetzt. Frauen über 40, die tagsüber eine Fluglärmbelastung von 60 Dezibel und mehr ertragen müssen, haben laut einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes ein fast doppelt so hohes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Interaktiv
Lärm im Alltag
In der Nähe einer Autobahn treten 80 Dezibel auf. Ab 115 Dezibel wird Lärm als schmerzhaft empfunden, bei 120 Dezibel können bereits nach kurzer Einwirkung Hörschäden auftreten.
Glossar
Dezibel - Schall(druck)
Die Lautstärke wird in der Akustik mit der Maßeinheit Dezibel gemessen. Bis 20 Dezibel kann der Mensch ungestört schlafen.
aha - Ihre Frage
Wissenschaft im Alltag
"Was ist das Lauteste, das wir kennen?" (Frage von Hans Peter Widy, Gschwend). Mehr Wissenschaft im Alltag gjbt es in unserer Rubrik "aha".
Fluglärm schadet
Zu laut zum Lernen
In Regionen mit Fluglärm lernen Kinder langsamer Lesen als in ruhigen Lagen, so die Lärmwirkungsstudie "Norah" ("Noise-Related Annoyance, Cognition and Health)".
Mediathek
VideoLärm macht krank
Bereits ein niedriger Lärmpegel von 40 Dezibel in der Nacht lässt laut einer Studie des Umweltbundesamts (UBA) das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich ansteigen. (Beitrag vom 25. April 2013)
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