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Müll Video
Was dem einen nur Müll, ist dem anderen ein gewinnträchtiger Brennstoff
Giftiger Energieträger
Industrie setzt auf einen Ersatzbrennstoff: Müll
"Lösemittel sind zum Teil zumindest gefährliche Abfälle, und es lässt sich schlecht voraussagen, was an Schadstoffen an die Luft abgegeben wird", so Claudia Baitinger.
Die Abfallexpertin des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND) kritisiert, dass Abfälle und Lösungsmittel in Firmen als "Ersatzbrennstoff" dienen sollen. Grenzwerte helfen da nicht, meint sie: "Der Rauchgasmassenstrom ist um ein Vielfaches höher als bei einer ordentlichen Müllverbrennungsanlage."

Aber diese Grenzwerte werden eingehalten, versichert Stephan Wehning von "Heidelberg Zement". "Wir haben ausgewählte und zertifizierte Fachbetriebe, von denen wir unsere sekundären Brennstoffe beziehen."

Diese analysierten die Brennstoffe auch auf Schwermetalle. "In der Zementindustrie können unterschiedliche Arten von Ersatzbrennstoffen zum Einsatz kommen", erläutert Wehning. "Das können alte Reifen, aufbereitete Kunststoffe oder Tiermehl sein." In Enigerloh greife man vor allem auf Altreifen und Kunststoffe zurück. Zwei Drittel ihres Energiebdarfs deckt die Firma so.

Anders als gewöhnliche Kraftwerke oder Industrieanlagen brauchen die Müllöfen keine Zertifikate für ihren CO2-Ausstoß. "Das macht auch Sinn", sagt Edgar Freund aus dem hessischen Umweltministerium. Zwar entstehe bei der Müllverbrennung wie bei jeder Verbrennung klimaschädliches CO2. Ließe man den Müll aber einfach verrotten, würde ebenfalls CO2 frei - dann aber, ohne den Abfall vorher genutzt und damit fossile Brennstoffe eingespart zu haben.

In Deutschland wird heiß begehrter Müll knapp
In Deutschland wird der Müll knapp. Was nach dem Aussortieren von Papier, Glas und anderen Wertstoffen übrig bleibt, ist heiß begehrter Brennstoff geworden. An vielen Orten entstehen Kraftwerke, die daraus Strom und Wärme gewinnen. Die Wende markierte das seit 2005 geltende Verbot, Abfall aus der grauen Restmülltonne auf Deponien zu kippen. "Der Müllstrom ist in die Verbrennung umgeleitet", sagt Volkswirtschaftler Christoph Partisch von der Dresdner Bank.

Angesichts der explodierenden Öl- und Gaspreise ist das ein gutes Geschäft: Die Betreiber der Öfen bekommen noch Geld für den Brennstoff. Weil sie Kohle und Erdöl einsparen, brauchen sie außerdem keine Emissionsrechte für das klimaschädliche Kohlendioxid. Und schon zeichnen sich Überkapazitäten ab.

Für die 14 Millionen Tonnen Hausmüll, die von den Kommunen jedes Jahr eingesammelt werden, gab es nach Angaben des Bundesumweltministeriums 68 Verbrennungsanlagen mit einer Kapazität von 18 Millionen Jahrestonnen. Zusätzlich entstehen neue Kraftwerke, die getrockneten und vorsortierten Müll verbrennen, den Ersatzbrennstoff (EBS). Waren Entsorgungskapazitäten bisher knapp und teuer, könnte der Entsorgungspreis - derzeit um die 150 Euro pro Tonne in kommunalen Anlagen - bald ins Rutschen kommen.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Entsorgungswirtschaft sind bundesweit 100 Verbrennungsanlagen geplant. Der Bau sei wirtschaftlich aber nur sinnvoll, wenn langfristige Verträge über Müll-Lieferungen geschlossen werden. Der Verband setzt sich für eine Liberalisierung des Markts ein. "Müll sollte wie jede andere Ware behandelt werden", sagt Sprecher Karsten Hintzmann. Derzeit müssten Importe noch genehmigt werden.

Wie kompliziert es ist, Müll über Grenzen zu bewegen, zeigte sich, als Italien um Hilfe beim Abbau der Müllberge in Neapel bat. Bis 160.000 Tonnen Abfall nach Norden in Bewegung gesetzt werden konnten, vergingen Monate. Nach Angaben des Umweltbundesamts wurden 2007 gut 6 Millionen Tonnen Müll nach Deutschland importiert, vor allem aus den westlichen Nachbarländern. Ausgeführt wurden etwa 1,8 Millionen Tonnen - ebenfalls vorwiegend in Nachbarländer im Westen.

Allein in Hessen wird es eine Million Tonnen Hausmüll zu wenig geben, wenn alle geplanten Verbrennungsanlagen fertig sind. Zusätzlich zu den vier bestehenden kommunalen Müllöfen sind fünf EBS-Kraftwerke im Bau. Allein in einer 300 Millionen Euro teuren Anlage in Frankfurt-Höchst sollen pro Jahr künftig 657.000 Tonnen aufbereiteter Hausmüll verbrannt werden, um Dampf und Strom für Chemiefirmen zu erzeugen.

Ungebührlich
Kommunen machen mit Abgaben Müll zu Geld
Durchschnittlich 23,1 Prozent Rendite - Müllverbrennung beginnt sich in Deutschland zu lohnen. "Die Renditen sind meines Erachtens zu hoch, weil sie vom Bürger bezahlt werden", sagt Unternehmer Karl-Heinz Gloe.
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