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In der Tiefe mitten im Gletscher finden Forscher manch Anlass zur Besorgnis.
Rutschgefahr
Klimawandel entzieht dem Fels den Untergrund
"Durch die steigenden Temperaturen werden die Alpenfelsen instabil, bröckeln und lösen Felsstürze sowie Steinschläge aus", sagt Forscher Markus Keuschnig aus Salzburg.
Schmelze das Eis, werde Wasser frei. "Das wirkt wie eine Gleitschicht zwischen den Blöcken, und die Felsstabilität nimmt weiter ab." Könne das Wasser zudem nicht abfließen, "herrschen höhere Wasserdrücke, die eine weitere Instabilität zur Folge haben". Am Magnetköpfl kommt hinzu, dass der Berg zerreißt. Der Gletscher sinkt beiderseits des Bergs ein.

"Dadurch fehlt das Widerlager an der Basis, und der Berg fächert sich auf. Resultat sind sehr große Klüfte, die entstehen, die den gesamten Berg durchziehen und dadurch durch Wasser die Temperatur wesentlich weiter in den Berg eindringen kann."

Der Aletschgletscher rutscht immer schneller
Der auftauende Permafrost lockert das einst felsenfeste Gestein auch am Aletschgletscher. "Der ganze Hang bewegt sich mit zehn Zentimetern pro Jahr talwärts", schildert der Glaziologe Andreas Kääb. "Das ist eine Folge des Eisdeckenverlustes: Die Eisdecke hat früher die Talflanke gestützt. Dem Hang fehlt das Gegengewicht, dadurch rutscht er langsam talwärts." Noch sind die Bewegungen des Felspakets nicht alarmierend. "In einigen Jahren bis wenigen Jahrzehnten wird sich der Aletsch-Gletscher bis zur Felssackung zurückgezogen haben. Dann stützt kein Eis mehr die Talflanke, der Hang könnte dann innerhalb von einigen Jahren völlig in sich zusammenfallen."

Auf dem Jungfraujoch entblößen schmelzendes Eis und Schnee die Felswände. Der Permafrost taut auf, Felsabbrüche häufen sich und gefährden die Touristen. Direkt über dem Ausgang auf den Gletscher musste ein Fangnetz aus Stahlseilen montiert werden, das die Ausflügler vor Steinschlag schützen soll. Zudem wird die Wand alljährlich gesäubert, loses Material hinuntergeworfen.

Auch zum Schutz des Eispalastes, in dem die Touristen den Gletscher von innen bestaunen können, mussten sich die Experten etwas einfallen lassen. Um die Eisdecke über den Gängen und Skulpturen vor dem Wegschmelzen zu schützen, häufen sie an der Oberfläche über dem Palast regelmäßig tonnenweise Schnee auf.

Bayern sieht dramatische Folgen des Klimawandels
Bayern sieht in den Alpen dramatische Folgen des Klimawandels und will Anpassungsmaßnahmen so schnell wie möglich voranbringen. "Felsstürze, Muren und Überschwemmungen werden im Alpenraum immer häufiger", erklärte Landesumweltminister Werner Schnappauf. "Um Schäden für Hab und Gut und Leib und Leben zu vermeiden, ist die möglichst frühzeitige Information über die Gefahrensituation entscheidend."

Mediathek
VideoDer Permafrost schmilzt
"Permafrost kann zu Felsstürzen aus Felspartien führen, die Jahrtausende gefroren waren", sagt der Zürcher Geograph Stephan Gruber. (Beitrag vom 8. Januar 2013)
Die Gletscher schmelzen
Ein Teufelskreis
Wenn Gletscher schmelzen, sorgt das dafür, dass sie noch schneller schmelzen: Ein feiner Nebel aus Wasserdampf bildet sich und staut die Wärme über dem Eis.
Periode der Extreme
So heiß wie nie zuvor
Die Zeit zwischen 2011 und 2015 waren nach Angaben der Vereinten Nationen die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es sei eine "Periode der Extreme" gewesen.