Tote Amsel Video
2012 konnten die Wissenschaftler noch keine Usutu-Viren in Vögeln finden
Tropisches Virus bedroht wieder Vögel
Funde toter Vögel sollten gemeldet werden
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rechnet im Sommer 2012 bei Vögeln wieder mit Todesfällen durch das Usutu-Virus.
Ausbreitung des Usutu-VirusLupe
Ausbreitung des Usutu-VirusLupe

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg hat überwinternde Stechmücken positiv auf das tropische Virus getestet. "Wir haben bewiesen, dass das Usutu-Virus in einheimischen Stechmückenarten überwintert hat und somit im Frühsommer wieder Amseln in Deutschland infiziert werden können", warnt Norbert Becker, wissenschaftlicher Leiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS).

Bei allen 25 toten Amseln, die das Institut im Frühjahr 2012 untersucht hat, fiel der Test dagegen bislang negativ aus. Gleichzeitig befürchtet der Mediziner und Ornithologe Stefan Bosch vom Nabu vor allem bei Amseln neue Usutu-Todesfälle im Sommer und Herbst 2012: "Ein Ausbruch ist abhängig von der Witterung im Spätfrühjahr oder Sommer zu erwarten. Je nach Stechmückenbestand könnte das Usutu-Virus auch auf Vögel weiterer benachbarter Gebiete übertragen werden", so Bosch.

Tote Vögel sollen möglichst früh untersucht werden
Wissenschaftler des BNI, Nabu und der KABS forderten die Bevölkerung auf, tote Vögel zu melden und die Überträgermücke zu bekämpfen. Das interdisziplinäre Team hofft damit, den Ausbruch zunächst geografisch eingrenzen zu können.Um möglichst viele Tiere virologisch untersuchen zu können, müssen tot aufgefundene Amseln und andere Vögel möglichst früh an das BNI, die KABS oder ein örtliches Veterinäramt geschickt werden. Beim Umgang mit den Vögeln sollten Finder nach Angaben des Nabu folgende Hinweise beachten:

  • Tote Vögel nicht vergraben oder mit dem Hausmüll entsorgen
  • Beim Hantieren mit toten Vögeln wird das Verwenden von Handschuhen oder umgestülpten Plastiktüten empfohlen
  • Anschließend Hände reinigen nicht vergessen
  • Vögel mit einem Kühlakku, gut gepolstert und verpackt an eine der zuständigen Stellen versenden. Adressenlisten hält der Nabu bereit
  • Hinweise zum Funddatum, -ort und Kontaktdaten des Finders beilegen
  • Einsendungen mit Adressaten telefonisch absprechen, Wochenendlieferungen sind kritisch
  • Die KABS holt Totfunde in der Oberrheinebene nach telefonischer Absprache direkt beim Finder ab
  • Unkosten für den Versand können nicht erstattet werden
  • Das BNI unterrichtet die Finder über das Untersuchungsergebnis

Um die Hausmücken als Überträger des Usutu-Virus zu bekämpfen, sollen laut den Wissenschaftlern folgende Hinweise beachtet werden:

  • Es sollten alle unnötigen Wasseransammlungen wie wassergefüllte Eimer oder Behälter, in denen sich Regenwasser sammelt, etwa ungenutzte Blumenvasen oder Altreifen, beseitigt werden. Dort können sich viele hundert Hausmücken als Larven zu Puppen bis zum Fluginsekt entwickeln.
  • Häufige Brutplätze wie Regenfässer, Gullys und Jauchegruben können mit speziellen Tabletten behandelt werden, die Mückenlarven abtöten.

Das Usutu-Virus kam 2011 nach Deutschland
Im Sommer 2011 war es in Deutschland erstmals zu einem Ausbruch des durch Stechmücken übertragenen Usutu-Virus und einem dadurch verursachten Massenvogelsterben in der Rheinebene und angrenzenden Gebieten gekommen. Mitarbeiter des KABS hatten die ersten toten Amseln gefunden und an das BNI weitergeleitet, wo Virologen das Virus identifizierten.

Auch in Österreich hatte das aus Afrika stammende Virus vor einigen Jahren große Amselbestände ausgerottet. Es tauchte außerdem in Ungarn, der Schweiz, Großbritannien und Italien auf. Der Erreger ist auch auf den Menschen übertragbar. Die Symptome ähneln der Grippe, verlaufen in den allermeisten Fällen jedoch schwach. Lediglich Menschen mit Immunschwäche können schwerwiegender erkranken bis hin zur Gehirnentzündung.

Mediathek
VideoGefährliche Viren mit Migrationshintergrund
Beitrag vom 27. September 2011
Glossar
Usutu-Virus
Das Usutu-Virus (USUV) ist ein Tropenvirus aus Afrika, das durch Stechmücken übertragen wird und Erkrankungen oder Tod bei Amseln und anderen Wildvögeln verursacht.
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Meldeadressen und Meldeformular beim Nabu
Info
West-Nil-Virus
In New York hatte das Virus im Dezember 1999 sieben Todesopfer gefordert, 46 weitere Menschen erkrankten an der Hirnhautentzündung (Meningitis).
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