Wasserhahn © colourbox.de
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Viele Medikamente beenden ihr "Leben" im Abwasser und gelangen so doch in unsere Körper.
"Dieses Medikament zerstört sich von selbst"
Forscher wollen Abwasser ohne Arzneimittelrückstände
Der Lüneburger Chemiker Prof. Klaus Kümmerer hat Medikamente entwickelt, die Kläranlagen leicht aus dem Wasser holen können.
Denn auch Kläranlagen direkt an Krankenhäusern können mit modernster Technik nicht alle Medikamenten-Rückstände aus dem Wasserkreislauf filtern. Projektleiter Issa Nafo hatte am Gelsenkirchener Marienhospital eine Kläranlage aufgebaut, die pro Tag 100 Kubikmeter Wasser aufnehmen konnte. "Mit Aktivkohle und Ozon haben wir rund 80 Prozent der Wirkstoffe herausgefiltert. Hier hat unsere Forschung allerdings auch eine gefährliche Entwicklung aufgezeigt", warnte Nafo. Die kritischen Stoffe würden dank der Behandlung mit Ozon zwar oberflächlich verschwinden, "aber wir wissen nicht, ob durch diesen Prozess vielleicht nicht noch schlimmere Stoffe entstehen."

Viele Rückstände gelangen über Flüsse und Böden ins Trinkwasser
Wasserhahn
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Unser Trinkwasser hat einen guten Ruf, aber immer mehr Gifte gelangen hinein.
Durch den verschwenderischen Umgang mit Medikamenten und Reinigungsmitteln gelangen immer mehr Gifte und Umwelthormone ins Trinkwasser. "Umwelthormone können alle möglichen Stoffe sein, zum Beispiel Pestizide in der Landwirtschaft oder Stoffe in der Antibabypille, die alle im Wasser landen", sagt Sebastian Schönauer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). "Umwelthormone sind aber auch in vielen Alltagsgegenständen versteckt, etwa in PET-Flaschen, aber auch in Konservendosen, in Kassenzetteln und sonstigen Alltagsgegenständen."

Selbst mit neuen Methoden könne man nicht alle Stoffe herausfiltern. "Manche Methoden produzieren sogar Stoffe, die giftiger sind als die Ursprungssubstanzen", sagt der Lüneburger Umweltwissenschaftler Klaus Kümmerer. Auch Aktivkohle könne nur einen Teil der vielen Stoffe herausfiltern. Je nach Technik könnten die meisten Stoffe trotz erweiterter Behandlung Kläranlagen passieren und zum Teil ins Trinkwasser gelangen. Auch neue Methoden der Erdgasförderung wie Fracking stellten eine Gefahr für das Trinkwasser dar, mahnt Kümmerer. "Was im Grundwasser ist, kann man nicht mehr herausholen."

Viele Medikamente gelangen ins Abwassersystem
Krankenhausflur
Medikamentenrückstände landen oft in Gewässern.
Auch Medikamentenrückstände gelangen vor allem durch die menschlichen Ausscheidungen ins Abwasser und können von den Kläranlagen in den geringen Konzentrationen nicht ausreichend gefiltert und gereinigt werden. Ein Problem ist aber dem Bundesumweltamt zufolge auch, dass unwissende oder allzu bequeme Verbraucher nicht eingenommene oder abgelaufene Medikamente einfach in der Toilette entsorgen. Forscher haben im Trinkwasser mehrfach zehn Wirkstoffe aus Arzneimittelrückständen nachgewiesen: den Blutfettsenker Bezafibrat, das Antirheumatikum Diclofenac, Röntgenkontrastmittel oder das Antischmerzmittel Ibuprofen.


Forscher können nicht sagen, wie groß die Gefahr ist
Mann entnimmt Wasserproben
Genauere Analysen werden noch mehr aufzeigen.
Verbesserte Analysemethoden würden künftig wohl Rückstände weiterer Arzneien zutage fördern. "Die nachgewiesenen Mittel im Trinkwasser sind zwischen 100 und eine Million Mal niedriger als die verschriebene Tagesdosis", erklärt Dieter. Das bedeute aber nicht, dass sie unbedenklich seien: "Eine Quantifizierung des Risikos auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage ist noch nicht möglich. Ich sehe hier unbedingt mehr Forschungsbedarf." Vor allem die Wirkung, die sich ergeben könne, wenn Verbraucher viele Jahre lang mehrere Wirkstoffe gleichzeitig in geringen Konzentrationen über das Trinkwasser zu sich nähmen, sei noch unklar.



Multiresistente Keime und Arzneien im Wasser
Auch multiresistente Keime gelangen mit dem Abwasser in die Natur, hat der Mainzer Mediziner Wolfgang Kohnen festgestellt. "Wir müssen die Übertragung über das Wasser unterbrechen." Der Karlsruher Umweltmikrobiologe Dr. Thomas Schwartz sagt: "Es war klar, dass wir in Abwassersystemen von Krankenhäusern oder Kläranlagen solche Resistenz-Gene nachweisen können, aber dass wir diese Resistenz-Gene vor allen Dingen auch im Trinkwasserbereich nachweisen können, hat uns sehr überrascht."


Lücken bei der Kontrolle
VideoChemie und Keime aus dem Wasserhahn
Trinkwasser wird nicht auf Rückstände von Medikamenten kontrolliert. Auch viele Bakterien wie Ehec gehören nicht zur Routinekontrolle.
Versuchskläranlage
Mit Ozon gegen Arzneien
Eine Versuchskläranlage am Gelsenkirchener Marienhospital fischt Arzneimittelrückstände mit Ozon, Aktivkohle und Membranen aus dem Wasser.